Donnerstag, 29. Dezember 2011

Burnout kann was Feines sein

Peng, Puff, Zisch – nein, das ist kein Batman-Comic. So wird es sich bald wieder anhören, wenn zum Jahreswechsel tausende Böller in die Luft gejagt werden. Funkeln, Glitzern, Brennen finde ich alles super. Und weil das Koch-Äquivalent des Feuerwerks das Flambieren ist, finde ich es auch toll, wenn mein Freund in der Küche was anzündet (solange es nicht die Küche selbst ist oder ein Küchengerät , siehe „Ist das Kunst oder kann man das essen?“).
Das, was auf dem Bild vor sich hinlodert, ist kurz darauf zu einer leckeren Geflügelbrühe mit einem mehr oder weniger großen Schuss Wein geworden. Sehr lecker, obwohl mir bisher nicht bewusst war, dass man Brühen flambieren kann und möchte – und dass Wein brennt. Weinbrand hin oder her. Funktioniert aber so gut, dass das sogar die Sterneköche bei „Lanz kocht“ das machen und die Regie jedes Mal das Studiolicht ausknipst, damit auch der begriffstutzigste Zuschauer vor dem Bildschirm merkt, dass da gerade große Kochkunst stattfindet. Der Herr der Flammen, Meister des Feuers und des darunter brennenden Essens – ein Job für die härtesten Küchenhunde. Denn mit Alkohol drüberkippen, anzünden und gucken was passiert ist es nicht getan. So darf der Mindestalkoholgehalt beispielsweise 40 Volumenprozent nicht unterbieten, da sie sonst nur kurz oder gar nicht brennt. Und wer will schon einen Spirituosen-See auf seinem mühsam zusammengerührten Nachtisch oder dem Bratensößchen? Profis erwärmen den Alkohol zuerst in einer Schöpfkelle über einer Spiritusflamme oder in einem Topf. So lässt er sich einfacher entzünden, wenn er erstmal auf der Speise (oder dem Getränk) ist. Warum man den Alkohol erst übers Essen kippt und mühsam abfackelt und nicht gleich zum Gericht dazu trinkt, liegt daran, dass man von diesem Alkohol ausnahmsweise mal nicht betrunken werden möchte. Verschwendung mögen die Anhänger des gepflegten Schwipses dazu sagen, die Flambier-Fans nehmen den Verlust der berauschenden Wirkung aber gerne hin, da der verbrannte Alkohol seine feinen Aromastoffe auf der Speise hinterlässt und ihr so einen ganz besonderen Geschmack verleiht. Das erklärt auch, warum man keinen 50-Cent-Fusel im Tetrapak über das Essen kippen, oder sich danach zumindest nicht darüber wundern sollte, dass der Braten eher nach Bunsenbrenner als nach Schwein schmeckt. Das wäre ein denkbar schlechter Start ins neue Jahr. Und um ganz sicher zu gehen, machen wir an Silvester Fondue – mit Feuer und Flamme, aber ohne Flambieren. Guten Rutsch und wir lesen uns in 2012!

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Ist das Kunst oder kann man das essen?

An sich ist Kunststoff ein Festkörper, behauptet Wikipedia. Und: „Ein herausragendes Merkmal von Kunststoffen ist, dass sich ihre technischen Eigenschaften, wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, Temperatur-, Wärmeformbeständigkeit und chemische Beständigkeit (…).“ Das mit der Temperatur- und Wärmeformbeständigkeit wurde kürzlich ebenso eindrucksvoll in einem wissenschaftlichen Experiment in unserer Küche widerlegt, wie die Behauptung mit der Formbarkeit und Elastizität bestätigt.
Der Ausgangspunkt: der Sauerteig in der Schüssel muss gehen. Das geht am besten bei konstanter Temperatur und die ist am konstantesten im Backrohr. Wenn es bei 50°C 20 Minuten dauern würde bis der Teig soweit ist, müsste es bei 200°C nur 5 Minuten in Anspruch nehmen, bis der Teig soweit ist.
Das hätte durchaus klappen können, wenn
1)Die Schüssel nicht aus Kunststoff gewesen und
2)Das Sauerteig-Schüssel-Pärchen nicht im Backofen vergessen worden wäre.
Das Ergebnis: Auch eine hochwertige Kunststoffschüssel überlebt keine halbe Stunde bei 200°C, kann aber durchaus als Dalí-Hommage zweitverwertet werden. Vom Kunststoff zum Kunstwerk sozusagen. Titel: saurer Teig in weinender Schüssel.
P.S.: eine neue Schüssel gibt es schon für 15 Euro bei amazon.de – ein echtes Schnäppchen im Vergleich zu den Kosten für die Diamanten, die Damien Hirst auf seinen Totenschädel gepappt hat.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Da schnitz‘ mir doch einer ein Nilpferd


Parmesan ist ein sehr edler Käse. Das sieht man ihm vielleicht nicht an, wenn er klein gehobelt auf die Pasta rieselt, aber sogar Casanova hat ihn als „vortrefflich“ bezeichnet. Obwohl dessen Metier eher weiche Frauenleiber als harte Käselaibe waren. Der orignial Parmigiano-Reggiano wird in verschiedenen oberitalienischen Provinzen hergestellt und von einer speziellen Aufsichtsbehörde überwacht, zu der etwas mehr als 500 Molkereien gehören. Jährlich produzieren die Italiener über 100.000 Tonnen Parmesan, rücken aber nicht einmal 20 Prozent davon raus, weswegen wir im Supermarkt oft mit Grana Padano, der aus der Not einiger Mönche in der Lombardei entstand, ihren Milchüberschuss irgendwie haltbar zu machen.
Parmesan ist ein so vielseitiger Käse, dass es ganze Kochbücher nur mit Parmigiano-Rezepten gibt. Und er regt die Phantasie an: Als wir vor Kurzem mit Freunden beim Frühstücken waren, inspirierte uns das übriggebliebene Stück Hartkäse zu einem Kunstwerk, das demnächst bei Sotheby’s vermutlich den Brillianten besetzten Totenkopf von Damian Hirst um ein Vielfaches der Bietersumme übersteigen wird: Parmesan-Nilpferd mit Croissantrücken auf Grünwerk. Und in der nächsten Folge unserer kleinen Lebensmittel-Kunstreihe könnt ihr euch freuen auf: Sauer Teig in weinender Schüssel – eine Hommage an Dalí.

Samstag, 26. November 2011

Schöner die Weine nie glühen als zur Weihnachtszeit

Aus gegebenem Anlass - also dem ersten Advent - gehört der erste Blog nach der Herbstpause dem Glühwein. Zu Beginn der Weihnachtszeit findet ihn wenigstens jeder noch gut und trinkenswert wohingegen die meisten (inklusive mir) kurz vor dem Fest einen dermaßen Gewürzwein verklebten Magen haben, dass sie selbst bei Minus 20 Grad lieber ein kühles Bier als einen heißen Glögg trinken.
Das liegt vielleicht auch daran, dass industriell produzierter Glühwein meist aus Massenweinen zusammengepanscht und die niedrige Qualität dann mit Zucker übertüncht werden soll. Geht schnell ins Blut, was am Abend auf dem Weihnachtsmarkt noch super, am nächsten Morgen im Büro, wenn die Schreibtischplatte eine geradezu magische Anziehungskraft auf den schweren Kopf hat, eher suboptimal ist. Trotzdem schütten wir uns jedes Jahr aufs Neue vier Wochen lang die Zucker-Gewürz-Suppe rein, weil es halt einfach dazugehört. Paradox, oder?
Apropos Paradox: Der Vorläufer des heutigen Glühweins war angeblich ein römischer Würzwein, der Conditum Paradoxum hieß. Und süß war der sicher auch schon. Es wurde nämlich Honig mit Wein eingekocht und dann Datteln und Safran dazugekippt. Damit die Römer die Zähne nach dem ersten Schluck noch auseinander bekamen, wurde die Süße durch etwas Pfeffer und Lorbeer abgemildert. Wahrscheinlich hatte Nero ein ganzes Fass davon im Kopp als er Rom angezündet hat - und wahrscheinlich wollte er die Stadt gar nicht abfackeln, sondern ist lediglich eingeschlafen und hat die Kerzen am Adventskranz nicht ausgepustet.

Eine schönen ersten Advent euch allen.

Sonntag, 7. August 2011

Glückwunsch, es ist ein Kuchen

Silikon soll ja total empfehlenswert sein. Und zwar nicht nur, wenn frau in den Playboy möchte, sondern auch fürs Kuchenbacken. Formen aus dem weichen gummiartigen Material sollen quasi unverwüstlich sein,die Wärme super leiten, hitzebeständig sein, müssen nicht eingefettet werden, lassen sich klein verstauen und, so eine Website „ermöglichen zahlreiche phantasievolle Formen“. Die phantasievolle Form, die sich unsere Silikonkuchenhülle fürs Wochenende überlegt hat, war „schwangeres Nilpferd“. Der Apfel-Schoko-Mohnkuchen, den sie geschwängert hat, war ausgezeichnet, aber er sah aus als stünde die Geburt von mindestens einem halben Dutzend Muffins unmittelbar bevor. Gut dass die Silikonformen, so eine Online-Shopping-Plattform „super kinderfreundlich, weil absolut bruchresistent“ sind. Da können die Babies von unserem Samstagskuchen ja gleich in Mamis Geburtshaus spielen. Achim will die Silikonhülle trotzdem nicht mehr zum Backen verwenden. Einerseits, weil er sagt, dass der Kuchen nach Gummi schmeckt, andererseits, weil er die Form seines Gebäcks ganz gerne selbst bestimmt. Und beim Kuchen ist ab sofort bei uns „Bauch einziehen“ angesagt.

Donnerstag, 4. August 2011

Auf die Länge kommt es an

Worauf achten die Deutschen bei Lebensmitteln? Qualität, Geschmack, Aussehen? Falsch. Wie eine vom Bundesverbraucherministerium in Auftrag gegebene Studie jetzt ergab, ist es der Preis (was weniger überraschend ist) und - das Mindesthaltbarkeitsdatum. Das ist ziemlich überraschend. Zumindest für mich. Ganze 87 Prozent gaben an, dass es ihnen sehr wichtig sei, dass sich die Lebensmittel lange halten. Das lässt tief blicken, finde ich. Einerseits redet jeder über Bio und Frische und dass er seine Lebensmittel am liebsten selber direkt vom Feld pflücken würde. Und andererseits ist ihm bei der Essenswahl ein Kriterium am wichtigsten, das nur auf Nahrungsmittel gedruckt wird, die fertig verpackt, konserviert oder tiefgefroren sind. Auf ökologische Produktion, Kalorien oder Nährwertangaben achten nur 58 bis 68 Prozent der Umfrageteilnehmer. Letzteres wahrscheinlich, weil mehr als die Hälfte der Befragten die Nährwertangaben nicht verstanden haben. Haben sie zumindest in den Fragebogen geschrieben. Vielleicht kaufen deshalb 81 Prozent regionale Produkte. Da hat man wenigstens das Gefühl zu wissen was drin ist, weil die Bäuerin auf dem Wochenmarktstand so nett lächelt während sie die Karotten in die Plastiktüte packt. Und darum geht es ja schlussendlich irgendwie: Dass man ein gutes Gefühl beim Essen hat. Ob das jetzt vom Wochenmarkt oder aus der Tiefkühltheke kommt.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Ist denn da auch Vitamin drin?

Es gibt eine neue Krankheit. Wahrscheinlich eher einen neuen Namen für ein altes Phänomen, aber egal: Orthorexia nervosa, der Zwang, sich gesund zu ernähren. Laut eines Berichts auf t-online.de gibt es sieben Anzeichen dafür, ein krankhafter Essensstreber zu sein:
- Die Gedanken kreisen den gesamten Tag darum, was an Vitaminen und Spurenelementen im Essen steckt. Nicht, um abzunehmen, sondern um ja nicht krank zu werden
- Sie treiben ihr Umfeld mit Belehrungen über gesundes Essen in den Wahnsinn
- Außer Haus zu essen wird zur Qual und wenn möglich vermieden. Man weiß ja nie, welchen Schrott die bösen Bekannten, die einen hinterhältig zum Essen einladen, einem ins Dinner schmuggeln wollen
- Hypochondrie à la "O Gott, ich habe an einem Burger geschnuppert, ich bekomme einen Herzinfarkt"
- Der Geschmack des Essens ist völlig egal, wenn es nur gesund ist
- Die Liste erlaubter Nahrungsmittel wird immer kürzer
- Sie sind nur zufrieden und mit sich im Reinen, wenn sie absolut gesund gegessen haben

Dabei ist Bio gar nicht zwangsläufig gesünder. Bei Fischen bedeutet das Siegel wohl lediglich, dass die Schuppentierchen wild gelebt haben. In was für einem Wasser spielt keine Rolle. Exotische Früchte wie Ananas müssen in Bioqualität importiert werden - eine Katastrophe für die Klimabilanz und bei Zitrusfrüchten ist es ohnehin egal, weil der Unterschied zwischen Bio und nicht Bio in der Schale steckt, die bei Orange und Co. im Normalfall eh nicht mitgegessen wird.
Stellt sich für mich die Frage: Haben wir denn keine anderen Sorgen? In der Steinzeit hätten wir vermutlich auch Beeren verdrückt, die mitten im Säbelzahntiger-Klo wachsen und beim Mammut hätte auch niemand danach gefragt, wo denn da jetzt das Siegel "Aus Freilandhaltung" klebt.Ich esse auch gerne und viel Obst und Gemüse. Aber wenn es drauf ankommt, bin ich die Erste, die sich auf dem Weihnachtsmarkt ihre Bratwurst mit Ketchup abholt. Meine Abwehrkräfte gegen Orthorexia nervosa scheinen zu funktionieren. Darauf einen Schokokeks!

Montag, 18. Juli 2011

Gemüse? Was für Gemüse?


Ich bin ein Quartalsgärtner. Mein Interesse an meinem Balkongärtchen ist eine zeitlang da, dann wieder nicht. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich die Hälfte meiner Gemüseernte auf dem Balkon schlicht vergessen habe. Dabei sind die Karotten sensationell geworden. Oder gerade deswegen? Weil ich nicht alle zwei Tage die Erde um die grünen Büschel weg gekratzt habe, um zu sehen, wie groß die Rübe darunter schon ist? Einen großen Anteil am Überleben des Gemüses hat mit Sicherheit auch Achim, der die Bewässerungsanlage nachgefüllt hat während ich damit beschäftigt war mein neues Projekt zu verfolgen: Die abgestorbenen Orchideen wieder zum Leben zu erwecken, die bis vor Kurzem noch blühend auf unserem Sideboard gestanden hatten. Gestern habe ich ihm offiziell die Verantwortung für die restlichen Bohnen und den Basilikum übertragen. Pflege- und Ernte-Prokura. Und die Verarbeitung der Karotten hat er auch übernommen – in Form eines super Risottos. Ein steht fest: Quartalsesser bin ich mit Sicherheit nicht. Mahlzeit!

Freitag, 15. Juli 2011

Wenn die Pasta Party macht

Mein Verhältnis zur Nudel ist gespalten. Einerseits mag ich die teigigen Kohlenhydratstränge so gerne, dass ich mir am liebsten jeden Tag eine große Portion davon einverleiben würde. Wird die Menge der angebotenen Nudeln jedoch so groß, dass sich das Nudelessen zur Pastaparty auswächst, hört bei mir die Nudellust auf. Nicht, dass ich was gegen Parties hätte, ganz im Gegenteil. Ich mag feiern, essen und trinken. Was bei der Pastaparty allerdings die Party sein soll, ist mir ein Rätsel. Die Veranstaltungen, denen ich bisher beiwohnen durfte - und das waren viele - bestanden darin, dass ein Pulk mehrerer hundert bis tausend Sportler nach endlosem Schlangestehen in ein Zelt getrieben wurde dessen Luft man mit dem Messer hätte schneiden können. Dort fielen die Athleten über die bis zur vollständigen Geschmacklosigkeit verkochten Nudeln her als hinge ihr Leben von der Pampe ab, stopften das - nun ja, sagen wir mal: Essen - quasi ohne zu kauen in sich hinein (was ich verstehen kann), nur um dann mit dem Ausdruck puren Futterneids nochmals zu den silbernen Warmhalteschalen vorzustossen, um sich eine zweite Mahlzeit auf den Teller zu schaufeln oder das Ausgabepersonal anzubrüllen, dass es gefälligst einen Nachschlag rauszurücken habe (was ich weniger verstehen kann). Aber man ist schließlich Sportler und als solcher meandert man ja ständig an der Kohlenhydrat-Ebbe und dem spontanen Leistungsverlust durch Nudelmangel entlang.
Mir ist es ziemlich egal, was ich vor einem Wettkampf esse. Ich bin mit Nudeln und Apfelschorle im Magen schon schlechter gelaufen als nach Tiefkühlpizza und Bier. Spaghetti Bolognese haben mich sowohl ins Ziel als auch in die Büsche befördert und der Radmarathon, vor dem ich aufgrund unglücklicher Umstände als Abendessen eine 50-Gramm-Tüte Studentenfutter nachts um 2 Uhr verdrückt habe, war der platzierungsmäßig erfolgreichste, den ich je absolviert habe. Ich glaube, es kommt nicht darauf an, was man am Vorabend des Wettkampfes isst, sondern die Wochen und Monate davor. Die Pastaparty ist eine Kopfsache, um sich die Gegner bei schlechtem Essen, schlechter Beleuchtung und schlechter Luft einmal anzuschauen und das Kribbeln vor dem Rennen ein bisschen zu spüren bevor es dann richtig los geht. Und weil Sportler immer und unglaublich viel essen, gibt es halt die billigst mögliche Variante dieses Bedürfnis zu befriedigen. Schmecken tut es nicht mal den Athleten, die sich zwei Mal nachholen. Ich habe sie zumindest nach solchen Parties immer noch in der Pizzeria um die Ecke "was Richtiges" essen sehen. Und meistens waren das keine Nudeln.

Montag, 11. Juli 2011

Die Kartoffel ist geschält

Welch' übergroße Freude! Endlich ist das Genom der Kartoffel entschlüsselt. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, warum das so wichtig war. Aber wenn es in allen Medien steht und gut 100 internationale Wissenschaftler mit den Genen der Knolle beschäftigt waren, wird es schon von herausragender Bedeutung sein.Ehrlich gesagt war mir habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, ob Kartoffeln überhaupt ein Genom haben. Schon eher darüber, ob ich sie noch zwei Minuten länger kochen soll oder nicht.Und da ich nicht vorhabe mich mit einer Kartoffel zu paaren, kann sie mit ihren Genen eigentlich machen was sie will. Mich beunruhigt eher, dass die Erdäpfel jetzt manipulierbar sind. Die Forscher können alles mit ihnen anstellen, was sie möchten,sie rosa machen, doppelt so groß oder in Elefantenform, weil sie das Innerste der Knollenfrucht aufgefächert haben wie ein Mikadospiel. Wollen wir mal hoffen, dass das Genstäbchen, dass sie als erstes Anfassen nicht den ganzen Turm zum Einsturz bringt.Der Frankenstein-Lachs aus den USA, der zig Mal schneller wächst als seine naturbelassenen Kollegen, ist ja schon ein bisschen gruselig. Und als ob es nicht Last genug wäre unkontrollierbar Gewicht zuzulegen, ist er auch noch von Geburt an sterilisiert, damit er sich nicht mit normalen Fischen paaren kann, falls er es schaffen sollte, aus seinem Gefängnis-Tank zu entkommen.Und Greenpeace meint, bei einem Berliner DVD-Verein genmanipulierte Süßigkeiten und Chips entdeckt zu haben. Wenn die Chips genmanipuliert sind, müssten es die Kartoffeln doch auch sein. Und wenn man die Kartoffeln schon vor der Entschlüsselung ihres Genoms manipulieren konnte, verstehe ich den Hype darum irgendwie nicht. Aber sie Wissenschaftler werden schon wissen, was sie tun. Ich gehe jetzt erstmal eine Rund Schwimmen. Mein Frankensteinlachs braucht Auslauf.

Dienstag, 5. Juli 2011

Sport ist Wurst

Gute Nachrichten für Sportmuffel und Naschkatzen: Eine Studie soll nun herausgefunden haben, dass weder Sport, Schlaf oder Süßigkeiten einen großen Einfluss auf das Körpergewicht haben (was die Frage aufwirft, warum ich mich heute Morgen durchs Schwimmbecken gequält und Erdbeeren statt Erdbeerkuchen gegessen habe).
Forscher um Dariush Mozaffarian von der Harvard School of Public Health hatten über 20 Jahre hinweg rund 98.000 Frauen und 22.500 Männer zu ihrem Essverhalten befragt und das Gewicht der Probanden aufgezeichnet. Alle vier Jahre wogen die Wissenschaftler die Testpersonen und fragten diejeweilgen Lieblingslebensmittel ab. Ergebnis: Dickmacher Nummer eins sind Kartoffelchips, gefolgt von Limonaden und rotem Fleisch. Diese Leckereien ließen sich die Probanden wohl besonders gern schmecken, denn die anfangs Normalgewichtigen nahmen im Laufe der Studie in jedem Jahr 380 Gramm zu, also ungefähr 7,5 Kilo insgesamt. Andererseits sind knapp acht Kilo in 20 Jahren nicht so schlimm, finde ich. Vermutlich haben die meisten Mädels in der Zeit der Studie ein bis mehrere Kinder bekommen und die Männer haben aufoperungsvoll mit ihnen mitgegessen - da bleibt einfach ein bisschen was hängen. Und wer sich mit den Pluskilos nicht abfinden möchte, aber nicht sicher ist, was er essen darf, kann sich vielleicht bald von einem Computer im Körper warnen lassen. Das Modell der Ernährungssonde für Kühe gibt es jedenfalls schon. Sie soll eine Übersäuerung durch falsche Futtergaben anzeigen. Veilleicht klappt das ja auch bei Übersalzung bei Kartoffelchipsgaben ...

Montag, 27. Juni 2011

Gelieren und probieren


Dieses Wochenende war Marmeladen-Wochenende. Samstag Morgen gab es in einem sensationellen, neuen Café bei uns um die Ecke („Die Näscherei“) eine großartige Himbeermarmelade mit Croissant. Am Sonntag zum Frühstück eine von Freunden selbst gemachte Waldfrucht-Limette-Konfitüre, die ich am liebsten ohne Brötchen direkt aus dem Glas gelöffelt hätte (und das auch getan habe) und als krönenden Abschluss hat Achim Sonntagnachmittag noch ein homemade Erdbeermarmeladen-Quartett gekocht: 1. mit Ingwer und Chili, 2. mit Basilikum und Balsamico, 3. mit Kardamom, Zimt, Nelke und Vanille und 4. mit Rum und Minze. Unsere Wohnung hat geduftet wie eine Erdbeerplantage. Ich war kurz davor, Prosecco und Sprühsahne rauszuholen. Damit bewaffnet sind bin ich früher immer mit meinen Mädels zum Erdbeerpflücken gegangen. Genauer gesagt: Wir haben den Erdbeeren ein Sahnehäuchen verpasst, eine gefühlte Tonne davon verdrückt, Prosecco dazu getrunken und sind dann mit einem winzigen Tupperschälchen gepflückter Früchte zum Abwiegen und Bezahlen gerollt.
Damit die Erdbeeren zu Marmelade werden, braucht es Gelierzucker. Das wusste sogar ich als absoluter Marmeladenkoch-Laie. Den hat das Unternehmen Pfeier & Langen 1965 als erstes auf den Markt gebracht. Ein Gemisch aus Raffinade, gehärtetem Palmöl, Geliermittel, Säuerungsmittel, Zitronensäure und Pektin. Pektin sind im Prinzip nichts anderes als Ballaststoffe. Sie helfen der Pflanze sich zu festigen und das Wasser zu regulieren. Pektinreiche Früchte wie Äpfel lassen sich gut gelieren. Pektinarme wie Erdbeeren nicht. Deshalb brauchen sie Gelierzucker. Und ich sage euch: wenn die Marmeldade, die da vor mir auf der Anrichte steht, so gut schmeckt, wie sie riecht, dann hat der Zucker einen verdammt guten Job gemacht!

Freitag, 24. Juni 2011

Carols Carrots


Hammer! Ich bin ein Gemüse-Gärtner. Und ich habe gar nix dazu getan. Außer ein paar Samentütchen nach lustigem Namen und Bild vorne drauf ausgesucht, die arme Saat in viel zu kleine Blumentöpfe gestopft, ein Bewässerungssystem darüber getackert (das ich ein paar Mal fast kaputt gemacht hätte, weil ich den Wasserspiegel unter Pumpenhöhe habe fallen lassen - man kann ja nicht an alles denken) - und die Samen dann ihrem Schicksal überlassen. Ich finde, sie sind dafür ganz schön gut geworden, meine Karotten und Bohnen. Und für den Platz, den sie zum wachsen hatten, auch ganz schön groß. Jetzt kann ich meinen eigenen Eintopf machen! Oder Beilagen-Gemüse. Oder - ähm - Rohkost. Was auch immer, es ist mein erstes Gemüse, das über die Grundschul-Kresse hinausgeht. Das Wochenende fängt gut an :-)

Montag, 20. Juni 2011

Curry, curry Lady

Von wegen Gourmet! Einer Hitlitste des Kantinenbelieferers Apetito Catering zufolge haben andere Gerichte bei deutschen Arbeitnehmern keine Chance, wenn Currywurst auf der Speisekarte steht. Außer vielleicht Spaghetti Bolognese, die auf Platz 2 gelandet sind. In Hannover gibt es sogar eine Currywurst-Gesellschaft, die sich ein Mal pro Monat zum gemeinsamen Wurstverzehr trifft. Mehr als 100 Teilnehmer kommen zu jeder Vereinssitzung, fast 900 Mitglieder hat die Gesellschaft mittlerweile insgesamt. Und die Hamburger Edel-Currywurstbude "Curry Queen" ist sogar im Feinschmecker-Führer Gault Millaut aufgeführt.Ob mit Haut oder ohne, mit Pommes oder Brötchen - spätestens, wer frühmorgens von der Kneipe nach Hause wankt, erliegt dem Lockruf der geschnippelten Weißen. Erfunden wurde sie angeblich von Imbissbuden-Chefin Hera Heuwer im September 1949 in Berlin. Zur Spitzenzeiten hatte sie - Frau Heuwer, nicht die Wurst - 19 Verkäuferinnen und fast rund um die Uhr geöffnet. So beliebt war ihr aus Brühwurst,Tomatenmark,Currypulver und Worcestershiresauce zusammengemixtes Gericht,dass sie sogar ein Angebot der Firma Kraft ablehnte, die ihr Rezept kaufen wollte. Heute gibt es zahllose mehr oder weniger geheime Rezepturen für die Soße, Herbert Grönemeyer widmete der Currywurst 1982 sogar ein Lied, das es (überraschenderweise) aber nie in die Charts schaffte. Auch egal, denn eine Chartplatzierung hat sie jetzt ja bekommen: Auf der Kantinen-Hitliste.

Freitag, 17. Juni 2011

Die Milchschnitte macht's

Der Goldene Windbeutel ist verliehen. Letzten Monat hatte ich kurz über diese Auszeichnung von www.abgespeist.de für die dreisteste Werbelüge in der Lebensmittelindustrie gebloggt. "Gewinner" ist die Milchschnitte, weil sie vorgaukelt eine leichte Zwischenmahlzeit zu sein, in Wirklichkeit aber eher in Richtung Sahnetorte meandert. Ganz ehrlich, ich hatte schon als Kind nicht geglaubt, dass etwas, das mir so gut schmeckt, wirklich gesund sein kann. Und dass das Törtchen aus dem Kühlregal, Milch höchstens mal zu Gesicht bekommen hat, weil das Supermarkpersonal sie daneben ins Regal geräumt hat, fand ich prima. Schließlich wurde mir schon beim Anblick der Schulmilch im Pausenverkauf übel. Ich finde es auch durchaus verständlich, dass die Marketing-Menschen bei Ferrero die Milchschnitte Milchschnitte genannt haben und einen Krug mit dem weißen Kuh-Saft, ein paar Getreide-Ähren und einen Pott Honig darauf abgebildet haben. Den Riegel "Aus irgendwelchen Zutatenresten zusammengebastelte Doppelschnitte mit mehr Kalorien als eine Schwarzwälder Kirschtorte, Null Vitaminen, dafür einem Haufen Zusatzstoffen" zu nennen und ein fettes Kind darauf abzubilden fände ich zwar lustig, aber für den Verkauf eher kontraproduktiv. Wenn man genau hinschaut, sind Lebensmittel-Namenslügen sowieso überall. Auch in den gesunden Sachen: Brechbohnen übergeben sich nicht ständig, Kichererbsen lachen sich nicht den ganzen Tag kaputt und Gelbe Rüben sind orange. Nicht falsch verstehen. Ich finde die "abgespeist"-Aktion nach wie vor gut. Es geht nicht, dass uns die Lebensmittelindustrie dreist belügt und es ist wichtig, dass es Fachleute gibt, die das erkennen und uns darauf hinweisen. Ich denke aber auch, dass man als Verbraucher zumindest zu einem gewissen Grad Verantwortung übernehmen sollte für das, was man isst. Wer sich jeden Tag drei Doppelwhopper mit Pommes und Cola einverleibt und wegen der zehn Kilo zuviel auf der Waage dann McDonalds einen Vorwurf macht, weil in der Werbung doch so schön ein gesundes Salatblatt auf die Bulette plumpst, macht es sich zu einfach. Im Job will jeder Verantwortung, im Privatleben so viele Optionen wie möglich. Nur beim Essen sollen wir auf einmal zu faul sein, unser Gehirn auszuschalten? Das kann und will ich mir nicht vorstellen. Deshalb unterbreche ich auch weiterhin bewusst meine an sich recht vernünftige Ernährungsroutine mit einer Bratwurst, trinke hin und wieder eine Cola und freue mich, dass ich schon lange vor "abgespeist" wusste, dass die Milchschnitte gar nicht gesund ist.

Dienstag, 14. Juni 2011

Und es geht doch ...

Warum es bei Pril mit der Social Media Kampagne nicht geklappt hat (siehe früherer Blogbeitrag)? Ganz klar, es war das falsche Produkt. Damit das klappt, braucht es etwas, das die Massen bewegt, das emotional geladen ist und das gewisse Etwas hat: Frischkäse. Die Käserei Philadelphia konnte laut dem US-Magazin "Contagious" seinen Absatz in den Staaten um sieben Prozent steigern, weil sie in ihrer Community dazu aufrief, ein Kochvideo einzusenden, in dem ein Gericht mit Frischkäse zubereitet wird. Ich weiß nicht, was es zu gewinnen gab, aber es muss gut gewesen sein. Wahrscheinlich Philadelphia lebenslang. Auf jeden Fall plünderten aufgeregte Hausfrauen die Frischkäseregale als ginge morgen die Welt unter, verhafteten jeden in ihrem Umfeld, der auch nur annähernd wusste, wie man eine Kamera bedient, ließen sich beim Kochen filmen und heulten vor Freude, wenn Sie "Freunde" in der Community fanden. Und da behaupte nochmal einer, Zwiebeln bringen die Menschen zum Weinen.

Sonntag, 12. Juni 2011

All-you-can-eat

Ich glaube, ich bin ein Elefant: 200 Kilo Nahrung aufnehmen und 70 Liter Flüssigkeit - könnte gestern ungefähr hingekommen sein. Wir waren auf der Hochzeit von Freunden eingeladen. Großartiges Fest! Und natürlich massig Essen und Trinken. Es gab Büfett. Diese Art der Speisendarbietung soll von Napoleon im 17. Jahruhundert sehr unterstützt worden sein, weil er Stehempfänge großem Tamtam am Tisch vorzog. Verwunderlich, wäre seine geringe Körpergröße im Sitzen doch deutlich weniger aufgefallen... in den USA gibt ist inzwischen mehr als 20 Restaurant-Ketten, die ausschließlich Büfett anbieten. Praktisch, weiß der Koch doch ganz genau, wann er was und wie viel davon machen muss. Und warten muss man als Gast auch nicht auf sein Essen. Man bestellt nur schnell das Getränk "und ein Mal Büfett" und stürzt sich auf selbiges, als hätte man drei Tage nichts gegessen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Asiafood manche Leute auf einen Teller stapeln können. Wenn Sie mit atompilzartigen Reishaufen in der einen, dem kompletten Inhalt der "Gans süß-sauer"-Schale in der anderen Hand und der Gabel zwischen den Zähnen an ihren Platz zurückbalancieren, kann ich manchmal nur ganz knapp der Versuchung widerstehen, mein Bein leicht in den Gang versetzt unter dem Tisch zu platzieren. Mache ich natürlich nicht wirklich, wäre ja schade ums Essen. Aber lustig wärs. Gestern ging es jedenfalls am Büfet deutlich gesitteter zu als auf der Tanzfläche. Aber irgendwo müssen die Kalorien ja hin - und ein Matjes-Brötchen am nächsten Morgen auf dem Fischmarkt muss schließlich auch noch reinpassen.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Die Burger-Connection

Fast Food verbindet. Zumindest, wenn es nach einer kürzlich von der Uni Washington durchgeführten Studie geht. Die These: US-Einwanderer futtern Burger und Co., um sich besser integriert zu fühlen. Ich glaube ja, dass diese Essenwahl in Zeiten, in denen man auch im hintersten Winkel der Erde einen BigMac bekommt,eher getroffen wird, weil das Pappbrötchen mit Fleischeinlage ein bisschen alte Heimat verkörpert. Aber ich bin kein Wissenschaftler.
In der Studie fielen besonders die Asiaten durch ihren Integrationswillen auf. Kein Wunder, berichteten doch 68 Prozent der befragten Studenten, dass sie wegen ihrer Essensgewohnheiten (Stäbchen) von US-Kindern gehänselt wurden. Danach wurden die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine wurde lediglich nach ihrem Lieblingsessen befragt. Nur 25 Prozent der asiatisch stämmigen Teilnehmer gaben typisch amerikanische Gerichte an. Die andere Gruppe musste vor Beantwortung der Frage englisch sprechen. Das genügte wohl, um den Integrationswillen aufflackern zu lassen - 75 Prozent nannten Burger und Fritten als ihr Leibgericht. Und sie nähern sich den Amis dadurch tatsächlich an: Laut Studie haben Kinder von Einwanderern, die seit 15 Jahren oder länger in den USA leben, ähnliche Gewichtsproblem wie US-Kids. Na denn, Mahlzeit!

Montag, 6. Juni 2011

O Ravioli mio...

Am Wochenende war ich auf dem Musikfestival "Rock im Park". Was mir aufgefallen ist: Für Essen und Trinken geht fast mehr Zeit drauf als fürs Musikhören. Und weil fürs Trinken auch oft mehr Geld drauf geht als fürs Musikhören, muss man irgendwo sparen. Das ist meist das Essen. Vermutlich wäre die Hälfte der Dosenravioli-Fabrikanten des Landes ohne Sommer-Musikfestivals schon pleite. Allein Maggi verkauft pro Jahr 40 bis 45 Millionen Dosen davon. Das Bekloppte: Die meisten Leute, die ich kenne (mich eingeschlossen), würden Dosenravioli im Alltag nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Sobald die Musik aber laut, live und die Zelte aufgebaut sind, ist es das beste Essen der Welt - gerne auch kalt. Deshalb habe ich im Netz einmal nach Argumenten für die Pasta alla Conserve gesucht ... es gibt keine. Die Klappnudeln bestehen im Prinzip aus nichts anderem als Paniermehl, Weizendunst und Geschmacksverstärkern mit ein paar Alibi-Fleisch- oder Gemüsestücken. Umso beachtlicher finde ich einen Bericht aus der Zeitung "Welt" (http://www.welt.de/lifestyle/article1551099/Dosenravioli_mit_Vanilleeis.html), in dem Spitzenkoch Christian Lohse (unter Protest) zum 50. Geburtstag der Maggi-Ravioli drei Rezepte mit den Fertignudeln kreiert hat, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Guten Appetit - und bis zum nächsten Festival!

Dosenravioli "Guten Morgen" mit Rollmops, Bierschaum und Blümchen

20 Ravioli aus der Dose

4 Rollmöpse

1 Flasche Pilsner Bier
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4 Blumen zur Dekoration

Geben Sie je fünf kalte Dosenravioli in einen tiefen Teller und legen Sie je einen Rollmops darauf. Dann löffeln Sie zwei Esslöffel Bierschaum darüber und dekorieren alles mit einer Blume Ihrer Wahl aus. Das Auge isst mit - dieser Satz gilt bei Dosenravioli so gut wie bei der kompliziertesten Haute-Cuisine-Kreation. Wer dieses Katerfrühstück ohne weitere Komplikationen bei sich behalten kann, ist übrigens garantiert kerngesund.

Püree von Dosenravioli mit Hummer

1 Dose Dosenravioli

1 ganzer Hummer

Hummeröl (KaDeWe) nach Belieben

Kerbel und Dill (Garnitur)

Hierfür pürieren Sie die Ravioli im Mixer so lange, bis möglichst nur noch Atome übrig sind. Das tötet den Geschmack am verlässlichsten. Dann den Hummer – am besten ein schön trächtiges Bretonenweibchen – kochen und das Fleisch auslösen. Aus dem Dosenraviolipüree auf einem Teller ein Bett formen, das Hummerfleisch darauf verteilen, mit dem Hummeröl übergießen und den Kräutern garnieren. Wer zufällig keinen Hummer zur Hand hat, kann auch gern ein Wiener Würstchen nehmen. Aber das überlagert den Püreegeschmack nicht ganz so verlässlich.

Echte Dosenravioli mit Vanilleeis und Himbeeren

20 Ravioli aus der Dose

Vier Kugeln Vanilleeis

16 Himbeeren

Minze zum Garnieren

Je fünf Dosenravioli auf vier Tellern nebeneinander legen. Dann dick mit dem Vanilleeis bestreichen und darauf die Himbeeren geben. Weil Dosenravioli ohnehin kaum Fleisch enthalten, und die Maggi-Tomatensauce süß schmeckt, kann man sich fast einreden, dass es sich tatsächlich um eine Nachspeise handelt.

Dienstag, 31. Mai 2011

Maggi machts dir selber

Social Media hält Einzug im Lebensmittelbereich. Derzeit kann man bei facebook auf der Maggi-Seite mittels Konfigurator ein Fertiggericht kreieren, das 2012 in den Verkauf gehen soll. Die Kampagne soll hauptsächlich berufstätige Singlemänner ansprechen. Klingt lustig, kann für die Marke aber auch nach hinten losgehen. Denn wenn berufstätige Single-Männer nach Feierabend zusammen ein paar Bier trinken, kommen sie unter Umständen auf Ideen, die den Marketing-Managern nicht unbedingt vorgeschwebt waren. Wie beim Spülmittel-Fabrikanten Pril: Hier sollten die Leute eine Spüliflasche designen. Ziemlich bald lagt ein abgefahrenes Modell mit der Aufschrift "Schmeckt lecker nach Hähnchen" vorne. Das gefiel den Pril-Machern gar nicht und sie bauten eine Freigabestufe ins Designprozedere ein. Das gefiel wiederum den Hobbydesignern nicht und sie boykottierten Pril. Dumm gelaufen. Ich bin jedenfalls gespannt, was die Social Networker aus einer Kampagne für Trockenfutter im gelben Plastikbottich machen, die unter dem Motto "Konfiguriere, tune, mach‘ es selbst" machen. Mir würden da ein paar Dinge einfallen, aber die behalte ich für mich - vielleicht gewinne ich ja das von Maggi ausgelobte facebook-Werbebudget, mit dem ich noch mehr Fans auf der Plattform anlocken kann. Dann sitzen wir alle vor unseren Computern, starren auf die facebook-Seite und löffeln Maggi-Fertiggerichte. Social Media ist doch was Schönes.

Mittwoch, 25. Mai 2011

(B)isst du glücklich?

Dass Schokolade glücklich macht, ist ja kein Geheimnis mehr. Es gibt aber noch andere Lebensmittel, die die Stimmung heben. Da es von Donnerstag bis Wochenende nur noch zwei Arbeitstage sind, stellt sich bei den meisten die gute Laune wahrscheinlich von selbst ein, aber es ist vielleicht ein Glücks-Backup für alle Jungs, die morgen von ihren Mädels zum Topmodel gucken gezwungen werden – und alle Mädels, die von ihren Jungs zum Nicht-Gucken gezwungen werden. Also:
Obst und Gemüse: Ist zwar langweilig, aber Fakt. Denn Vitamine machen gesund und gesund sein macht glücklich. Einzige Ausnahme: Anscheinend Salat, Tomaten und Gurken aus Norddeutschland – da soll der Ehec-Erreger drinsitzen. Der macht bekanntlich nicht sehr fröhlich.
Honig: Enthält das Glückshormon Serotonin und reduziert den Stress.
Haferflocken, Vollkornbrot, brauner Reis… und alle anderen Lebensmittel mit Selen. Das hat in einer Studie sogar Depressiven die Mundwinkel ein bisschen nach oben gezogen.
Fisch: Enthält Omega-3 und versenkt darin trübe Gedanken.
Steak, Ei – und alles, was sonst noch zu einem echten Männerfrühstück gehört. Glücklich macht hier Tyrosin. Wer nicht morgens schon einen halben Ochsen und eine ganze Legefabrik runterbekommt: In Müsli steckt die Aminosäure auch drin.
Nüsse (und das schreibe ich nicht wegen meinen nussigen Familienbanden): Sie enthalten Serotonin.
Schlecht für die Laune soll übrigens Alkohol sein – weil es sich negativ auf das Gehirn auswirkt. Ok, Letzteres kann ich nachvollziehen. Aber wer bestellt in der Kneipe schon ein Steak mit Ei?

Sonntag, 22. Mai 2011

Den Glubb, a Bradwoschtbrödla und a Seidla Bier...

Die Bratwurst ist der Spiegel der fränkischen Seele - so beginnt ein Absatz der Website des Bratwurst Glöckleins in Nürnberg. Nach Überzeugung der Gastronomen verkörpert die fränggische Woscht wie kaum sonst etwas jede Nuance des diffizilen fränkischen Wesens. Dabei gibt es DIE fränkische Rostbratwurst nicht. Jeder Metzger hat sein eigenes Spezialrezept, seine eigene Variation. Und jeder Grillabend beginnt mit der Frage wo denn die Wurst her sei, gefolgt von einer Diskussion warum man sie besser woanders gekauft hätte, gefolgt von der Diskussion warum der Glubb wieder nicht Meister geworden ist.
Um zumindest die erste Diskussion zu vermeiden, haben unsere Jungs gestern das Wurstmachen selbst in die Hand genommen und unsere Küche in einen Metzgereibetrieb mit Fleischwolf verwandelt,durch den die Fleisch- und Fettmasse gehäckselt wurde bevor sie über einen länglichen Plastik

trichter in den Seitling gepresst wurde. Sie war perfekt - auch, wenn man das laut der Experten vom Bratwurst Glöcklein nicht so pauschal sagen kann:
"Nicht nur hinsichtlich Geschmack und Kaugefühl sind diese Würste sehr verschieden. Auch äußerlich ähnelt keine Bratwurst der anderen. Die Physiognomie der fränkischen Bratwurst ist ähnlich vielfältig wie der Körperbau der Einheimischen.Dass aber in ihrer Metropole Nürnberg auf eng gesetzten Gitterstäben die kleinsten Bratwürste der Welt brutzeln, hat nichts mit dem Wuchs der hiesigen Bevölkerung zu tun (...)So unterschiedlich wie ihre Bratwurst sind auch die Franken. Nicht nur äußerlich. Die einen trinken Bier, die anderen Wein, manche beides." Grund genug, diese Grillsaison noch ein paar Wurstvarianten und Getränkekombinationen auszuprobieren. Ich freu mich jetzt schon!

Donnerstag, 19. Mai 2011

Kurzer Ernte-Zwischenstand

Hach was ist das aufregend. Nein, nicht, dass gleich Germany's next Topmodel kommt. Das ist langweilig, seit in der inTouch die fünf Endkandidatinnen drin standen. Ich habe das erste Mal mit Zutaten
aus meinem Mini-Gemüsegarten gekocht. Basilikum-Pesto als Unterlage für die Crostini und Radieschen für den Salat. Okay, das ist keine Haute-Cuisine, aber das ist mir egal. Denn es ist das erste Mal, dass ich das Gemüse schon gekannt habe, als es noch ein Samen war - hach, die Kleinen werden so schnell groß! Wenigstens sind die Bohnen und Karotten erst in der Pubertät und ich kann ihnen noch ein Weilchen beim Wachsen zuschauen bis sie dann auch irgendwann aus dem Blumen- in den Kochtopf umziehen. Ich google auf jeden Fall jetzt schon Rezepte für Bohnen-Möhren-Eintöpfe. Damit nur ich, nicht das Rezept die kulinarische Karriere meiner Zöglinge mindern kann.

Montag, 16. Mai 2011

Es ist nicht alles gut, was so tut...

Auch im Nahrungsmittelbereich werden Preise verliehen. Einer davon ist der Goldene Windbeutel. Ähnlich wie die Goldene Himbeere, die für schlechte schauspielerische Leistungen verliehen wird, will das goldige Gebäck auch niemand haben. Die Organisation Foodwatch verleiht es jährlich an das Produkt, das die dreisteste Werbelüge verbreitet. Die Verbraucher dürfen auf der Seite www.abgespeist.de aus fünf Kandidaten wählen. Dieses Jahr: Nimm2-Bonbons, Schlemmertöpfchen feine Gürkchen von Kühne, Ferdi Fuchs Mini-Würstchen, Activia Joghurt von Danone und Milchschnitte.
Ihre Vergehen: Die Bonbons gaukeln vor gesünder zu sein als andere, die Gürkchen tarnen sich als traditionelles Handwerksprodukt, enthalten aber Farbstoffe und Aromen, die Kinderwürstchen enthalten zuviel Salz, Activia kann die Verauung nicht regulieren und Milchschnitte ist keine leichte Zwischenmahlzeit, die auch Spitzensportler gerne mal snacken, sondern enthält mehr Fett als Schoko-Sahne-Torte.

Die Nominierten sind erbost: "Die Kampagne sei nicht gerechtfertigt", schimpft Kühne. "Nimm2 böten zwar gegenüber anderen Bonbons einen Zusatznutzen, seien aber kein Ersatz für Obst und Gemüse", beschwichtigt Storck, "Activia kann",so erklärt Danone, "ein aufgeblähtes Gefühl reduzieren oder eine träge Verdauung regulieren. Mehr wird nicht suggeriert." Und die Fuchs-Würstchen-Macher nölen, dass ein Kind fünf Würste essen müsste, um auf den von Foodwatch kritisierten Salzwert zu kommen. Ferrero schweigt zur Milchschnitten-Nominierung, wahrscheinlich gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich habe als Kind Milchschnitten, Miniwürstchen und Essiggurken immer sehr gern gegessen und ich denke, dass das in Maßen auch ok ist. Etwas vorgaukeln, was nicht ist, geht trotzdem nicht. Wer also mit abstimmen möchte: www.abgespeist.de

Donnerstag, 12. Mai 2011

Süße Grüße

Am Wochenende sind wir zu einer Hochzeit eingeladen. Glücklicherweise kein Royal Wedding, sondern eine, bei der RICHTIG gefeiert wird. Vermute ich zumindest, denn das Fest findet in Franken statt. Vielleicht gibt es neben viel zu Essen und zu Trinken ja auch Hochzeitsmandeln. Der Brauch entstand aus der Not heraus. Zu Hofe war es zu Zeiten Ludwig XIV Brauch, zu Hochzeiten und Taufen Bonbons zu verschenken. Da das Volk sich die Süßigkeit nicht leisten konnte, aber trotzdem nicht mit leeren Händen anrücken wollte, zerschnitt man einfach den Tüll, der vom Brautkleidschneidern übrig war als formschöne Verpackung, steckte sparsame fünf Mandeln zwischen die Stoff-Falten und erfand eine rührseelige Geschichte, um dem improvisierten Päckchen festlichen Glanz zu verleihen: Gezuckerte Mandeln seien wie das Leben - süß und bitter, hieß es zum Beispiel. Und mehr als fünf Mandeln braucht niemand, denn jede Mandel steht für einen Wunsch, der wiederum - wenn er in Erfüllung geht - ewige Ehewonne verspricht: Gesundheit, Wohlstand, Glück, Fruchtbarkeit und ein langes Leben. Irgendwie nett. Und da inzwischen die Mandeln nicht mehr nur dem Brautpaar, sondern oft auch allen Gästen geschenkt werden, hoffe ich auf reichen Gesundheits- und Glücksregen am Wochenende. Nur die Fruchtbarkeitsmandel können sie bei mir ruhig weglassen.

Dienstag, 10. Mai 2011

Das Ende der Essig-Trilogie

Heute habe ich es gewagt: Ich habe zum ersten Mal meinen selbst angesetzten Rotweinessig als Salatdressing verwendet. Natürlich habe ich die Mischung vorsichtshalber in einem separaten Schälchen angerührt und den Essig nicht gleich über das Gemüse gekippt. Sogar mit Senf habe ich gearbeitet, damit der Versuch einigermaßen hinhaut. Ich dachte auch, das Dressing sei ganz gut und habe es über den Salat gekippt. Mein Freund war nur halb begeistert: "Schmeckt nach Lösungsmittel." Ich werte das jetzt mal als "7 Punkte" beim "Perfekten Promi-Dinner". Trotzdem ist der Essig nach dieser wenig rühmlichen Premiere in den Ausguss umgezogen. Macht aber nix, es ist ja noch ein Rest Essigmutter im Kühlschrank. Und, hey, immerhin scheint der Essig die Geschmacksknospen nicht sofort abgetötet zu haben.

Sonntag, 8. Mai 2011

Mimosen für Mami

Heute ist Muttertag. Und wer ein gutes Kind ist, schickt seiner Mama nicht nur per Fleurop ein paar Blumen, sondern schaut zuhause vorbei und stößt mit ihr darauf an, dass sie einen solchen Prachtkerl aufgezogen hat. Das Getränk der Wahl ist bei feierlichen Anlässen wie diesem meist Sekt. Oft auch Sekt mit Orangensaft, wenn man sich nicht ganz so flott aus dem Leben hebeln möchte. Was ich bisher nicht wusste: Das Gemisch ist ein richtiger Cocktail! Er heißt Buck's Fizz, nach dem Londoner Buck's Club, in dem er erfunden wurde. Obwohl ich mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen kann, dass die Briten freiwillig Alkohol verdünnen - außer mit anderem Alkohol. Anscheinend mochten die den Drink aber so gern, dass sie sogar eine Popgruppe mit diesem Namen zum Eurovision Songkontest schickten, der damals noch Grand Prix d'Eurovision de Chanson hieß, und den diese Band sogar gewonnen hat.
Je nach Mischungsverhältnis ändert der Orangensaft-Sekt-Mix übrigens seine Fachbezeichnung bei den Barkeepern: Ein Buck's Fizz besteht aus einem Drittel Sekt und zwei Dritteln Orangensaft. Ist das Verhältnis 50-50 heißt er Mimosa. Warum die stärkere Variante den schwächeren Namen hat, weiß ich nicht. Vielleicht, weil jemand, der sich nicht klar für das Eine oder das Andere entscheiden kann, eine Mimose ist?! Egal, Hauptsache, es schmeckt. Auf die Mütter!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Boah, ist das ätzend?

Jupeidi und Holldrio. Mein Essig ist fertig. Glaube ich zumindest. Er riecht ziemlich essigmäßig und brennt ganz schön im Rachen. Ich habe ihn natürlich gleich probieren müssen. Pur. War nur die zweitbeste Idee.
Wenn ich wieder schlucken kann, kommt jedenfalls der Praxistest beziehungsweise der Essig das erste Mal in Berührung mit echten Lebensmitteln. Irgendein grüner Salat wird wohl in etwa das werden, was Hahn, Ente und Hammel für den ersten Ballonflug waren: Versuchskaninchen. Viel kann bei dem Blätterkopf wenigstens nicht kaputt gehen. Er besteht nämlich zu 95,5% aus Wasser. Das ist ganz praktisch, um den Essig zu verdünnen. Er ist echt ziemlich scharf. Vielleicht kippe ich bei Gelegenheit ja mal ein paar Holunderblüten rein. Soll super sein, habe ich mir sagen lassen. Hoffentlich löst der Essig sie nicht komplett auf. Oder mein Gaumenzäpfchen. Das heißt auf Lateinisch übrigens Uvula, was zurückübersetzt Träubchen bedeutet. Und Trauben passen ja wieder großartig zu Rotweinessig. Wird schon schief gehen. Und ihr werdet das Ende des Experiments mitbekommen - so oder so.

Sonntag, 1. Mai 2011

Eis, Eis, Baby

Der Frühling scheint nun wirklich in Deutschland angekommen zu sein. Und mit den Temperaturen wächst meist auch die Lust nach Eis. Das war schon bei den alten Chinesen und Römern so, die Schnee mit Milch, Honig und Früchten mischten und als Nachtisch löffelten. Kaiser Nero soll sogar ein Gletscherschnee-Depot gehabt haben. Feuer schien nicht seine einzige Leidenschaft zu sein.
Mein leckerstes Eis habe ich im Toskanaurlaub Ende letzten Jahres gegessen. In einem kleinen Örtchen namens San Gimignano in der Nähe von Siena. Dort hat der zweifache Eisweltmeister Sergio Dondoli seine Eisdiele. Bei ihm gibt es nicht nur schnödes Vanille- oder Schokoladeneis (obwohl das bei ihm auch sensationell schmeckt). Er verarbeitet alles von Balsamico über Safran bis hin zu Gorgonzola. Die Kugeln sind riesig - Gott sei Dank! Gerade war ich auf seiner Website und habe mir die Bilder der Eiskreationen angeschaut. Weil das aber ungefähr so ist wie auf ein CD-Cover zu starren anstatt die Musik anzuhören, werde ich jetzt gleich mal zur Eisdiele um die Ecke traben und mir ein Eis holen. Schnöde Vanille. Aber lecker.

Donnerstag, 28. April 2011

Pizza à la Pitt

Brad Pitt kann nicht kochen. Was eine Überraschung! Ich war erschüttert als ich diese niederschmetternde Nachricht im Internet lesen musste. Seine sechs Kinder bekommen hauptsächlich Pizza und Burger. Das höchste der Kochgefühle für den Schauspieler und seine Partnerin Angelina Jolie ist, laut einiger Internet-Gazetten, Milch über Müsli zu schütten. Nun ja, immerhin Müsli. Vielleicht aber auch nur eine sehr positive Übersetzung des Wortes „Cornflakes“. Zum Glück kam nun aber österliche Hilfe in Form des britischen Starkochs Jamie Oliver. Nachdem er seine Kochabenteuer mit deutschen Omas (siehe früherer Blog) beendet hatte, weilte der Kulinar-Missionar für eine Fernsehsendung in L.A. Und wo er schon mal da war, beschloss er spontan, den Speiseplan der Jolie-Pitts zu revolutionieren und brachte einen Stapel Koch-Bücher und –DVDs vorbei. Er selbst soll Brad gezeigt haben, wie man kocht. Ratet mal was. Richtig: Pizza und Burger. Die gaaaaaanz gesunde Variante natürlich. Das hat dem Schauspieler wohl so gefallen, dass ihn der Übermut gepackt und er angekündigt hat, ein komplettes Ostermenü für die Familie zu zaubern. Was daraus geworden ist, verschweigt das Internet bis dato. Aber selbst, wenn es komplett in die Hose gegangen sein sollte, kann Brad sich immer noch mit der Weisheit unseres Magnet-Buttons in der Küche herausreden, der da sagt: Bier kalt stellen ist auch irgendwie kochen. Und bei sechs Kindern würde ich verdammt viel … kochen.

Montag, 25. April 2011

Es grünt so grün... die ersten Blättchen

Da Ostern und das Wetter sensationell ist, werde ich euch heute nich lange mit Küchen-Philosophie aufhalten, aber ein bisschen angeben muss ich doch kurz.
Foodversuche proudly presents: Die ersten Blättchen meines Gemüsegartens! Es wächst tatsächlich was - bei den Radieschen genauso, wie beim Basilikum, bei den Möhren und sogar die Bohnen haben schon ein paar Tentakel an die Sonne. Ich fürchte zwar, dass ich nochmal gärtnern muss, weil es jetzt schon eng in den Töpfen wird - aber für den Moment freue ich mich einfach nur, dass das Prinzip: Samen kaufen, einpflanzen, abwarten. Funktioniert hat:

Freitag, 22. April 2011

Eieieieiei

Eier sind #+$§#4?**! Ostern hin oder her. Weil über die Feiertage die Familie bei uns zu Gast ist, haben wir heute Eier gefärbt. Das Problem: Wenn, dann gibt es bei uns Spiegelei. Eines der wenigen vollautomatischen Küchengeräte, das uns fehlt, ist deshalb ein Eierkocher.
Ergebnis: ein ordentlicher Eiertanz. Los ging der Kampf bereits als die Eier noch in der Pappschachtel hockten. Eines hatte beschlossen, sich nicht zum Osterei adeln zu lassen und blieb mit dem unteren Teil der Schale inklusive Innenleben in seiner Kuhle kleben während ich mit dem Schalenhütchen in der Hand ziemlich ei(n)fältig auf die gelbe Masse starrte, die da in der Pappe klebte. Die nächsten sechs Minuten verbrachte ich damit, zweien der zehn geplanten Ostereier beim Zerplatzen im Topf zuzuschauen. Ein erster "Sind-sie-schon-lange-genug-drin"-Check endete mit einem halbdurchgegarten Etwas, das wir in der Pfanne zu Eier-Schmarrn verarbeiteten.
Ich verbrachte weitere zehn Minuten damit,in den Topf mit den vor sich hin klimpernden Eiern zu starren und die Temperatur jedes Mal hektisch herunter zu drehen, wenn die brodelnden Wasserblasen die weißen Kugeln zu heftig herumschubsten. Und 30 Sekunden später die Hitze wieder zu erhöhen, weil ich befürchtete, dass die Eier sonst nie hart würden. Irgendwie hatte ich Eierkochen entspannter in Erinnerung. Warum man sich den Eier-Act an Ostern überhaupt antut, liegt irgendwo im Alten Ägypten oder Rom begründet. Dort waren Eier Grabbeigaben, weil sie in ihrer Schale (dem verschlossenen Sarg) Leben trugen (das Küken, das leider nie mehr eins werden würde). Das Ei galt und gilt als Symbol für Leben und Fruchtbarkeit. Und weil die katholische Kirche derart Spaßig-Hoffnungsfrohes in der Fastenzeit doof fand, verbot sie den Verzehr von Eiern in der Fastenzeit. Die Hühner störte das relativ wenig, sie legten einfach weiter, so dass am Ende der Fastenzeit die Menschen auf riesigen Eierbergen saßen. Damit sich die "Eier der Entbehrung" von den Alltagseiern unterschieden, bemalten die Menschen sie und ließen sie weihen. Heißt es zumindest. Wir haben jedenfalls doch noch ein kleines Schächtelchen wunderschöner, bunter Ostereier zusammenbekommen. Die Familie - und das Osterfrühstück - können also kommen. Habt eine schöne Osterzeit!

Montag, 18. April 2011

Hot, hot, hot

"Pain", "Death", "F*** hot". Wenn einem derart Beschriftetes aus den Regalen
entgegen leuchtet, ist man nicht zwangsläufig in einem SM-Shop auf der Reeperbahn, sondern vielleicht einfach beim schärfsten Weinhändler der Schweiz, in Zürich. Da waren wir vergangenes Wochenende, zum Hot-Sauce-Tasting. Und wnn Sie die stoischen Schweizer einmal heulen sehen möchten, dann sollten Sie dort auch einmal hin. Der Besitzer, anfangs reiner Weinverkäufer, hat nach und nach seine Passion für Scharfes zum Beruf gemacht: Neben gefühlten X-hundert Flaschen und Gläsern mit Soßen und Pasten der Schärfegrade 1 (zippelt auf der Zunge) bis 12 (Waaaaaaaaaaaaaaaaaaah, die größtenteils aus den USA kommen, hat er eine kleine, feine Eigenlabel-Linie an scharfen "Nahrungsergänzungs-Mitteln" und rund 40 Sorten Chili-Pflanzen, die er als Setzlinge zum Kauf anbietet. Letzten Samstag gab es außerdem eine Gaumenbetäubende Menge seiner brenzligen Produkte zum Probieren. Nebst Scharf-Ess-Kontest, der darin bestand, erst ein höllisch scharfes Schokoladenblättchen zu vertilgen und anschließen zwei Tacco-Chips bestrichen mit jeweils einer Paste, die sich eigentlich durch die Pappschale hätte fressen müssen. Sie hat sich aber "nur" in die Darmwände meines Züricher Kumpels gebrannt - immerhin hat er für seine Todesverachtung eine Mini-Flasche... richtig... Hot Sauce bekommen. Schärfe-Grad 9, falls noch was von den Innereien überlebt haben sollte. Ich habe beim Tasting leichtsinnigerweise einen Tropfen der Kategorie 10+++ auf mein Brot geträufelt - Himmel, das letzte Mal hatte ich solche Schmerzen an einem Körperteil als ich meine Kontaktlinsen in einem Behälter aufbewahrt habe, in dem ich zuvor Wärmesalbe transportiert hatte.
Die Schärfe-Kategorien bei Chili-Produkten richten sich nach deren Capsaicin-Gehalt, der in Scoville gemessen wird. Weil der Wert 500.000 (Hölle)für die meisten Menschen zwar eindrucksvoll, aber recht abstrakt ist, gibt es parallel eine Tabelle von 1 bis 12. Die Scoville-Skala entwickelte der gleichnamige Pharma-Wissenschaftler Wilbur L. Scoville 1992. Eigentlich diente sie ursprünglich dazu, die Capsaicin-Dosierung für medizinische Präparate möglichst präzise zu dosieren. Um die Skala zu erstellen, mussten Testpersonen probieren, wie scharf sie unterschiedliche Wasser-Capsaicin-Gemische empfanden. Brauchte es zum Beispiel zehn Liter Wasser um die Schärfe verschwinden zu lassen, wurde ein Häkchen bei 10 Scoville gemacht. Heute misst ein Gerät das jeder chemischen Verbindung eigene Lichtspektrum und errechnet daraus die Schärfe-Konzentration. Ist aber lange nicht so lustig, wie den Soßentestern im Laden dabei zuzuschauen, wie sie ihren Neutralisationsjoghurt aus mitgebrachten Tupperdosen löffeln - und selbst zu versuchen zu vertuschen, dass einem gerade das Gaumenzäpfchen wegröstet.

Mittwoch, 13. April 2011

Was Nuss, das Nuss

Gestern gab es Gemüselasagne mit Cashewkernen. Das – und die Tatsache, dass ich familienbedingt recht eng mit dem Nuss-Business verbandelt bin – bescheren euch, werte Leser, nun eine kleine Exkursion in die Welt der Kerne. Wenn man der Statistik glauben darf, verzehren die Deutschen gar nicht so wenig der kleinen Schalenfrüchtchen, pro Jahr und Person nämlich:
1,3 kg Erdnüsse
1 kg Haselnüsse
700 g Mandeln
500 g Cashewnüsse
500 g Pistazien
300 g Walnüsse (in der Schale)
240 g Kokosnüsse
60 g Paranüsse
Das hat einen Berliner Küchenchef, der aussieht wie Frodo aus „Herr der Ringe“ wohl dazu inspiriert, ein Restaurant zu eröffnen, in dem die Küche im wahrsten Sinne des Wortes kalt bleibt. Serviert werden nur Obst, Gemüse, Nüsse, Sprossen und kaltgepresste Öle. Roh. Weil nichts über 42 Grad erhitzt werden dürfe, da sonst die Enzyme der Nahrung kaputt gingen, Erklärt der Herr der Rohkost. Zu den Highlights gehören Spaghetti aus Zucchinistreifen mit einer Bolognese aus Mandeln und Nüssen oder Raw-violi mit aus Nüssen hergestelltem Käse. In Amerika ist das Rohessen bereits Trend. Und, ganz ehrlich, es ist schon Schlimmeres von den Staaten zu uns rübergeschwappt. Bruce Darnell, zum Beispiel, der nach der Erkenntnis in Germany’s next Topmodel: „Da Handtascha mus labandisch sein“ nun für einen Handytarif-Anbieter verkündet „Das magt mig so glucklich“. Damit ihr auch etwas habt, was euch glücklich macht (und weil ich seit Kurzem Mitglied in der facebook-Gruppe „BBQ, Sauerteig & Friends“ bin), hier ein nussig-krosses Rezept aus Österreich:
Nussbrot mit Kürbiskernen
(1 Kastenform mit etwa 1,5 l Inhalt, ca. 16 Stück)
Pro Scheibe: 82 kcal, 2,8 g Fett, 1,7 g Ballaststoffe
150 g (Dinkel)Vollkornmehl
100 g Weizenmehl
2 TL Backpulver
1/2 TL Salz
1 TL Zucker
300 g Joghurt 1 % Fett
3 EL Kürbiskerne (ca. 20 g)
3 EL geriebene Nüsse (ca. 20 g)
3 EL Walnüsse (ca. 20 g)
Vollkornmehl mit Weizenmehl, Backpulver, Salz und Zucker vermischen.
Joghurt, gehackte Kürbiskerne, geriebenen Nüsse und die ganzen Walnüsse
unterziehen und verkneten.
Den Teig in eine Kastenform füllen und bei 180°C ca. 30 Minuten backen.
Das Brot in der Kastenform kurz rasten lassen, dann stürzen.

Sonntag, 10. April 2011

Rippchen Minion

Gestern wurde bei uns ein Duell ausgetragen: Auf der einen Seite - Spareribs. Auf der anderen ... auch. Die einen waren zuvor vier Stunden eingewickelt im Backofen vorgart worden. Die anderen "nur" mit Rub eingerieben. Damit der Grill nicht auf halber Strecke die Hitzeleistung verweigert(das Barbecue erstreckte sich über eineinhalb Fußballspiele mit dem Höhepunkt "1:1 für den FC Nürnberg),
wendeten die beiden Grillmeister erstmals die Minion-Methode an. Die ist mir seit heute sehr sympathisch, weil ich gelesen habe, wie sie zustande kam: Erfunden hat sie nämlich ein Autohändler aus Seattle Anfang der 90er. Dieser Jim Minion wollte unbedingt an einem regionalen Grillwettbewerb teilnehmen, hatte aber weder Lust darauf zehn Stunden neben seinem Grill zu vertandeln noch die Gebrauchsanleitung seines Grills zu lesen, wie man den über einen so langen Zeitraum möglichst wartungsfrei betreiben könnte. Eine Einstellung, die ich zu 100 Prozent nachvollziehen kann. Er tüfftelte also ein bisschen herum, schüttete dann einen Kohlering in seiner Grillschale auf, auf den er ein paar vorgeglühte Briketts schüttete. Diese Briketts zündeten die Kohlen, die direkt an ihnen dran lagen, die dann wiederum die nächsten zum Glühen brachten und so weiter und so fort, bis der gesamte Ring durchgekokelt war. Das Brikett als Männer-Dominostein sozusagen. Minion ist trotz seiner ausgefeilten Kettenreaktion am Ende nur Zweiter des Grillwettbewerbs geworden. Seine Spareribs wurden von einem Grillhuhn überflügelt. Wenn seine Rippchen nur halb so gut waren wie die unsrigen gestern, war das definitiv eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter (wie gestern, sonst hätte Nürnberg gewonnen). Ich konnte zwar nicht so viele Ribs essen, wie ich gewollt hätte, weillsie so lange auf dem Rost lagen, dass ich in der Zwischenzeit das halbe Baguett weggeknabbert hatte - aber, hey, auf solche Gourmet-Grillagen lohnt es sich zu warten.

Donnerstag, 7. April 2011

Falafel mit Springbrunnen


Ich bin getadelt worden. Anfang der Woche. Von einer Freundin. Sie hat gesagt, ich solle nicht immer schreiben, dass ich nicht kochen könne. Deshalb erzähle ich jetzt meine Falafel-Geschichte. Irgendwann letztes Jahr habe ich im Internet ein tolles Rezept für die kleinen Kicherebsen-Bällchen gefunden: gebacken, statt frittiert. Das musste natürlich ausprobiert werden - und ging auch ein, zwei Mal gut. Beim dritten Mal war ich mir meines Falafelback-Talents wohl etwas zu sicher. Die Kichererbsen landeten in der Schüssel, ich setzte den Pürierstab an, Brei gemacht, Brei aus dem Pürierstab kratzen wollen ... und leider sowohl vergessen den Pürierstab auszustecken als auch den Finger der anderen Hand vom "An"-Knopf zu nehmen. Hat ein bisschen geblutet, was ich sofort fachmännisch mit Papiertaschentuch und Tesafilm verbunden habe. Alles gut, Falafel in den Backofen und einen gemütlichen Abend verbracht. Beim Zähneputzen dachte ich mir, dass das Tempo jetzt ja langsam mal vom Finger könnte. Und mir kam eine pulsierende Minifontäne entgegen: Arterie getroffen. Achim hat mich ins Auto verfrachtet und in die Notaufnahme gebracht, wo sich die Ärzte köstlich amüsiert haben: "Wie ist das denn passiert?" "Ich habe püriert" "Buahahahaaaa. Und was?" "Kichererbsen" "Buahahaahahaaaaaa, Frauen". Sie haben meinen Finger in einen Verband gewickelt, der im Verhältnis zu selbigen in etwa stand wie eine Blumenvase zu einem Gewächshaus. Soviel zum Thema Küchentalent, gebt mir lieber nichts Spitzes oder Scharfes in die Hand, außer ihr wollt mich loshaben. Gestern gab es übrigens wieder Falafel, aber mit Kindersicherung - Häckselmaschine mit Deckel, ganz ohne Blut. Tja, wer keine Küchengeräte bedienen kann, muss taktieren. Wenigstens ab und zu.

Dienstag, 5. April 2011

Chips'n'Tales

Gestern habe ich Kartoffelsalat gemacht. Und beim Schnippeln der gelben Knollen habe ich plötzlich an Chips denken müssen. Vielleicht weil ich so sensationell dünne Scheiben geraspelt habe (jahaaa, Kartoffeln schneiden kann ich). Deshalb musste ich heute gleich mal nachsehen, wo die Kartoffelchips herkommen und ob sich vielleicht doch ein Argument dafür findet, sie nicht als Fettfalle aus der Tüte weitläufig zu umessen. Vorab: Es gibt keins. Selbst, wenn die Kartoffel-Plättchen mittels Zentrifugalkraft vom Frittierfett getrennt werden - was die Schweizer nicht alles machen - haben sie noch 17 Prozent Fett. Gut, Nutella ist nicht besser, aber da versteckt sich das Fett wenigstens hinter einem hübschen Bild mit Milch und Haselnuss. Und partnerbedingt bin ich Nüssen gegenüber ja sehr aufgeschlossen.
Wer den Kartoffelchip erfunden hat, ist nicht ganz klar: Enweder war es ein Wirt in Saratoga Springs, der einen Gast zufriedenstellen wollte, dem die Bratkartoffeln nicht dünn genug sein konnten. Oder es war die Schwester des Wirts, die erst zu doof war, die Bratkartoffeln in adequat dicke Scheiben zu schneiden und sie dann auch noch in eine Pfanne mit heißem Fett plumpsen ließ. Fest steht aber, dass die Wiege der Kartoffelchips in den USA stand. Wo die Knabberkultur und die Bäuche der Chips-Fans bis heute wachsen und gedeihen. Besonders, seit in den 20er Jahren Herman Lay eine Kartoffelschälmaschine erfand. Zum Andenken an dieses Genie der Snackwelt heißt heute immer noch eine Kartoffelchipsmarke so. Einen weiteren Meilenstein legten dann die Iren: In einem kleinen Familienbetrieb wurde ein Verfahren entwickelt, um die Chips mit Gewürzen zu versetzen. Der weltweite Siegeszug der krossen Scheiben war damit nur noch eine Frage der Zeit. Nach Deutschland kamen sie, die Chips, nicht die Iren, übrigens Anfang der 50er Jahre als Verpflegung für amerikanische Soldaten - und blieben in den Schlickerschränken der Bundesbürger. Einen dreistelligen Millionenbetrag geben die Deutschen jährlich für Chips aus, das sind 72.000 Tonnen. Um soviel Kartoffelscheiben für meinen Salat zu schnippeln, wäre ich eine Weile beschäftigt. Aber ich habe auch keine Schälmaschine. Hey, warum eigentlich nicht? Schließlich habe ich auch eine Gartenbewässerungsanlage. Und vielleicht kann so ein Manschinchen ja auch Karotten pellen. Ich muss gleich mal googeln.

Samstag, 2. April 2011

Es grünt so grün... der erste Versuch

Anscheinend gibt es Säer und Ernter. Ich bin definitiv ein Ernter. Seit ich meine vier Gemüsetöpfe bepflanzt habe, bin ich mir da sehr sicher. Irgendwie finde ich es gruselig in feuchter Erde herumzugraben.
Wer weiß, was da alles drin rumkriecht? Trotzdem habe ich mich durchgewühlt und meine Karotten, Radieschen, Bohnen und den Basilikum gepflanzt. Damit ich bis zur Ernte nicht mehr viel tun muss außer warten, haben wir die Töpfe mit einem Gießsystem bestückt, das automatisch jeden Tag ein bisschen Wasser auf die Erde sprenkelt. Vielleicht gibt es noch ein paar Krümel Dünger, wenn die Samen brav sind und bald austreiben. Obwohl es vermutlich schlauer wäre zu düngen, wenn sie nicht austreiben?! Egal, wenn es Dünger gibt, gibt es Dünger. Ich habe mir meinen Sommer-Sonne-endlich-ist-der-Winter-vorbei-Milchschaum jetzt jedenfalls redlich verdient. Prost und einen schönen Sommertag euch allen.

Donnerstag, 31. März 2011

Für wachsende Begeisterung

Am Wochenende wird das Wetter schön. Der optimale Zeitpunkt, um endlich den Balkon zu bepflanzen. Damit ich mich nicht im letzten Moment doch noch drücke und lieber einen Milchschaum in der Sonne schlürfe, habe ich die Samen schon eimal gekauft. Bei der Auswahl habe ich mich zum einen daran orientiert, was ich zur Not auch roh essen kann, falls Achim zur Erntezeit auf Geschäftsreise sein sollte. Und zum anderen daran, was auf der Packung stand.
Radieschen und Möhren sind schnell wachsend und robust. Außerdem kommen sie als Pflanzstreifen, so dass ich mir um die Setzweite keine Gedanken machen muss. Und sie heißen "Radies Tinto" und "Boléro". Klingt ein bisschen wie Urlaub im Süden, genau richtig für den Balkon. Die Bohnen - sie heißen Maxi - habe ich gekauft, weil ich die Beschreibung so toll fand: "leicht beerntbarer Gluckentyp". Das heißt, dass die Früchte deutlich über dem Laub stehen, so dass man sie gut pflücken kann. Wenn ich sie zum Wachsen kriege. Das mit dem tiefgründigen Boden, den Maxi braucht, könnte schwierig werden. Vielleicht tut es ja auch mittelphilosophischer Hefebier-Bodensatz? Die Basilikumsamen habe ich mitgenommen, weil der Reinerlös aus dem Verkauf der Tüte an den Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft geht. Ohne Witz, den gibt es wirklich. Ich hoffe, dass der große Gärtner-Guru mir wegen dieser Spende gnädig ist und unseren Balkon in ein Gemüse-Eldorado verwandelt. Möge die Harke mit mir sein.

Samstag, 26. März 2011

Da brat mir doch einer ein Hendl

Hähnchen auf der Dose, saß uhund briet. Saß uhund briet…. Ich sage es euch, Brathendl und Bier gehen zusammen wie „Hollera“ und „Duljö“. Besonders, wenn man das Bier nicht zum Hühnchen trinkt – das kann schließlich jeder neuseeländische Oktoberfest-Erstbesucher – sondern, wenn man das rohe Federvieh auf eine geöffnete Bierdose setzt und in den Ofen schiebt. 
Das Bier verdunstet dann schön in das Fleisch und macht es zart, saftig… einfach lecker. So lecker, dass ein Fan sogar eine Website nach dem Gericht benannt und statt eines Hühnchens einen Truthahn auf die Dose gesetzt hat, die genau genommen ein Ein-Liter-Fass war. Da kann man die Scheichs in Dubai nur bemitleiden: Nachdem muslimische Gäste dagegen geklagt hatten, dass sie in einem Restaurant nicht über den Alkoholanteil einiger Gerichte nicht informiert worden waren, setzt die Stadt in den Emiraten das seit 2003 bestehende Kochen-mit-Alkohol-Verbot konsequent um. Nun gibt es Coq ohne Vin und Crêpe ohne Suzette. Apropos Crêpe Suzette: Inzwischen weiß ja so ziemlich jeder, der ab und zu in einer TV-Kochshow vorbei-zappt, dass das Gericht aus Versehen von einem Kochlehrling erfunden wurde, der die Soße für die Pfannkuchen versaute. Meine Theorie ist, dass auch das Bierdosen-Huhn durch einen Zufall entstanden ist. Und zwar, als ein paar Fußball-Fans in Süddeutschland feierten, dass Bayern München zu 368. Mal Meister geworden war und im Suff ihr Brathendl statt auf den Grillspieß auf eine Bierdose gesetzt hatten. Weil ein echter Bayer keine Fehler macht – schon gar nicht beim Fleisch – haben sie den Vogel trotzdem auf den Rost gesetzt… und ein neues Gericht erfunden. Und ich weiß auch schon, was ich mir zu Essen wünsche, wenn der FC diese Saison die Schale mal nicht holt: Edamer-Fondue mit einem ordentlichen Schuss Schnaps.

Donnerstag, 24. März 2011

Pfannenpflanzen

Es gibt sinnlose Variationen von Speisen. Schnitzel-Sushi fällt in diese Kategorie. Es gibt aber auch tolle Variationen, zum Beispiel Lachs-Buletten.
Die haben wir gestern gegessen und ich würde sie jederzeit den Hackfleisch-Klöpsen vorziehen.
Der Name „Bulette“, wie das flache Fleisch- (oder Fisch-)Ding hauptsächlich im Nordosten Deutschlands genannt wird, kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „Kügelchen“. Angesichts der Größe und eher platten als kugeligen Form, kommt das nicht mehr ganz hin, finde ich. Aber es kling gut. Besser jedenfalls als das Lebensmittel, das hinter dem Begriff „Frikadelle“ versteckt ist. Auch etwas Französisches: gespickte Kalbsschnitte. Wie man davon zu Hackfleisch-Küchlein kommt, weiß ich nicht so genau. Vielleicht, weil in der Gastronomie eine gedämpfte Fleischschnitte Frikandelle genannt wird…
Am besten Gefällt mir immernoch der Begriff „Fleischpflanzerl“ – und das nicht nur aus alter Verbundenheit zu Süddeutschland: Die Bezeichnung beschreibt das Hack-Gebilde einfach am besten. Pflanzerl hat nämlich nichts mit irgendwelchen Grüngewächsen zu tun, sondern leitet sich ab vom altertümlichen Wort „Zelte“, einem flachen Kuchen. Ein Pflanzerl ist also ein flacher Kuchen aus der Pfanne.
Aber bald wir vermutlich ohnehin keiner dieser Namen mehr verwendet werden, egal, ob Fisch- oder Fleischküchlein. Weil alle früher oder später die schwedische Variante, die es beim blau-gelben Möbeldiscounter gibt, verdrücken werden. Es steht schließlich auch ein Billy-Regal in jedem zweiten Wohnzimmer. Mindestens. Den Zeitpunkt, in dem es in bayerischen Biergärten Kötbullar zur Maß gibt, möchte ich nicht mehr erleben müssen. Da liege ich hoffentlich schon gemütlich in der Kiste und schaue meinem Kräutergarten von unten beim wachsen zu. Entschuldigung
, dann heißt das natürlich nicht mehr Kiste, sondern „Kassett„ – mit Deckel.

Dienstag, 22. März 2011

Ausdauer-Esser

Es gibt tolle Tiere - und zwar nicht nur als Steak auf dem Teller. Kühe sind zum Beispiel ein großartiges Vorbild für diätwillige Frauen. Sie sind nämlich die ganze Zeit am Essen. Auf Englisch heißt das Grazing und ist für Menschen zu einer Diätform erhoben worden, bei der man sieben Mal pro Tag isst und dadurch den Stoffwechsel so auf Touren bringt, dass man beziehungsweise frau Gewicht verliert. Sieben Mahlzeiten! Mehr schaffen nur Seepferdchen. Die sind bis zu zehn Stunden am Tag mit Fressen beschäftigt. Und das, obwohl sie gar keinen Magen haben. Plankton wäre zwar nicht so meins, aber mit Garnelen, die wohl auch auf ihrem Speiseplan stehen, könnte ich mich anfreunden. Außerdem gefällt es mir, dass bei den Seepferdchen die Jungs das Kinderausbrüten übernehmen. Aber das geht jetzt vielleicht ein bisschen am Thema vorbei. Darum belasse ich es für heute dabei und verschwinde in die Küche, um es den Putzfischchen nachzumachen. Und zwar nicht mit Mop und Eimer, sondern mit Messer und Gabel - es gibt bei uns nämlich immer einen Topf, der nur darauf wartet, leer geputzt zu werden.

Dienstag, 15. März 2011

Jamie's Omis

Jamie Oliver möchte mit deutschen Omis kochen. Das sagte der englische Kochstar vor ein paar Tagen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Bleibt ihm auch nicht viel anderes übrig, mit den Schulkindern in seinem Land hat er es sich durch sein gesundes Kantinenessen ja ziemlich verdorben. Damit es mit den Omis besser klappt, will er vor der gemeinsamen Küchenschlacht noch bei ein paar Schlachtern und Bauern vorbeischauen. Allerdings hat Jamie wohl niemand gesagt, dass es hierzulande ein ehernes Gesetz gibt, das da lautet: Niemand kocht so gut wie Oma. Selbst, wenn sie Pudding aus der Tüte anrührt, ist das der beste Nachtisch, den man je gegessen hat. Und Fleisch bekommt sowieso niemand so gut hin wie Großmuttern. Basta. Ich jedenfalls sehe Schwarz für das Gelingen dieses Projekts. Aber weil Briten ja vor allem in punkto Humor auf Schwarz stehen, wird Jamie auch das verkraften.

Sonntag, 13. März 2011

Erlebnisgastronomie

Gestern waren wir mit Freunden in einem kleinen Berliner Alternativ-Theater in einem ziemlich experimentellen Stück: Fünf Leute auf der Bühne, alle in Barock-Klamotten, einer, der die ganze Zeit nur auf einen Laptop gestarrt hat, einer, der ab und zu E-Gitarre gespielt und dazu gesungen hat, zwei, die eineinhalb Zeilen Text hatten, eine, die ausführlich über Erfahrungen mit allen möglichen Drogen erzählt hat - und Videoprojektionen von Charly Sheen und den Schauspielern beim Experimentieren mit Drogen im Hotelzimmer im Hintergrund. Es war sehr... interessant. Der eigentliche kulturelle Unterhaltungshöhepunkt fand allerdings erst nach dem Theater statt, in der kleinen griechischen Taverne, in der wir nach dem Drogenstück gestrandet sind. Das Essen war ziemlich gut, der Weg dahin führte allerdings über eine Kellnerin, die ebenso aufrichtig nett, wie hoffnungslos wirr war. Statt Monologe über Koks und Kiffen anzuhören führten wir jetzt Dialoge, wie:

"Hier ist Ihr Beilagensalat."
"Ich hatte doch Salat bestellt."
"Ja, hier ist er."
"Nein ich hatte als Hauptspeise Salat."
"Ja."
"Es gibt zum Salat einen Beilagensalat?"
"Ach so, ähm, nein, ich glaube nicht."

Kurz darauf servierte sie meinen Salat der Dame am Nebentisch, die sich so prompt darauf stürzte, dass ihn die Kellnerin nicht mehr austauschen konnte, als sie mit dem für sie richtigen (und für mich falschen) Salat wieder aus der Küche stolperte - bevor sie ein paar Minuten später mit einem brennenden Teller durch den Barbereich huschte. Merke: Wenn eine zerknüllte Papierserviette auf dem Teller liegt, nicht zu nah an der Kerze vorbei abräumen. Dafür gab es für jedes kleine Missgeschick einen kleinen Ouzo für alle. Weil ein Paar am Nebentisch ihren obligatorischen Kurzen zur Rechnung nicht wollte, haben wir den auch noch bekommen. Alles in allem wahrscheinlich eine halbe Flasche - ohne Berechnung. Ganz ehrlich, mich wundert es nicht, dass Griechenland pleite ist. Aber nett wars, sehr sogar.

Donnerstag, 10. März 2011

Dosenfutter

Ich gehöre zu den Mädels, die Dinge meist nach irrationalen Gesichtspunkten aussuchen. Wäre ich Raucherin, ich würde wahrscheinlich die Zigaretten nach der Farbe der Packung aussuchen.
Der Grund, warum das Dönerfleisch-ähnliche Türmchen nun bei uns auf dem Tisch steht, war sein Name: Kamutdose. Dahinter verbirgt sich ein schnödes Brot, aber es klingt so toll, wenn man sagen kann "Schatz, ich habe uns heute eine Kamutdose mitgebracht". Allerdings hat es nichts mit der Kraft einer Dose der Pandora zu tun, sondern schmeckt eher fad. Kamut ist ein Hartweizen, seine Körner sind doppelt so groß wie die die normaler Weizenähren. Die Legende besagt,dass ein amerikanischer Luftwaffenoffizier 1948 in einem Pharaonengrab in Ägypten eine Kiste mit gigantischen Weizenkörnern fand. Er schickte 36 davon seinem Vater,der eine Farm in Montana hatte. Er streute ein paar aus, betrieb den Kamutanbau aber nie konsequent. Der kontinuierliche Anbau begann erst mit Bob und Mack Quinn, die bewusst den ägyptischen Namen „Kamut“ (=„Seele der Erde“)für die Riesenkörner wählten und schützen ließen. Schlau, denn seit das amerikanische Landwirtschaftsministerium 1990 Kamut als neue Sorte anerkannte, erfolgt der komplette Anbau und Vertrieb unter der Lizent von "Kamut International". Bauernschläue für die Dose. Spannender schmecken die Körner deswegen nicht, aber, hey, toller Name.

Montag, 7. März 2011

Nock einmal, bitte

Die Kartoffeln haben es geschafft.
Sie haben uns besiegt. Nach großartigen Pürees verschiedenster Couleur, Klößen, Salaten, Minipizzen und im Bratschlauch gegarten Pernot-Kartoffeln, haben kleine Erdäpfel-Knubbelchen einen fiesen Fleck auf unsere kartoffelige Küchenerfolgsserie gekleckst. Auf hinterhältigste Weise, denn bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Gnocchi aus dem Topf in ein Sieb kippten, war noch alles so wie es sein sollte. Sie waren rund und fluffig und stiegen nach kurzer Garzeit im heißen Wasser brav an die Oberfläche. Und dann? Haben sie sich im Sieb gegenseitig zu Matsch gequetscht. Wie Lemminge, die sich, statt ins weite Meer zu hüpfen, in einer Schlucht zusammendrücken. Geschmeckt haben sie trotzdem, aber da ist noch eine Rechnung offen.
Das Wort Gnocchi heißt übrigens sowohl Klößchen/Nocken als auch Dummkopf – so viel zum Thema „Man ist was man isst“. Fast jede Region (und jeder Koch) hat seine eigene Rezeptur. In Friaul-Julisch-Venetien vermischt man den Kartoffel-Mehl-Teig mit getrockneten roten Pflaumen, in Triest mit Bitterschokolade und kandierten Früchten. Mit gehacktem Weißbrot, Spinat, Mascarpone und Eiern bereitet man die Nocken in der Emilia-Romagna zu und nennt sie „Malfatti“ – missgestaltet, was gestern auch auf die Hamburger Variante mit Walnusspesto zutraf. Im Piemont zieht man die Gnocchi spätzleähnlich lang und überbackt sie im Ofen mit Parmesan und auf Sizilien ko

mmen Schafsmilch-Ricotta, Pinienkerne, Basilikum und süße Rosinen in den Teig. Uns bleiben also noch ein paar Varianten um unsere Fähigkeiten als Gnocchi-Köche zu perfektionieren. Und am Aschermittwoch wird erstmal mit Kässpätzle geübt.

Samstag, 5. März 2011

Vom Beizverhalten der Lachse


Unser Kühlschrank ist seit drei Tagen eine Anti-Ageing-Farm: Im mittleren Fach wohnt ein Lachsfilet, das Achim in eine Mischung aus Salz, Zucker, Rosmarin, Chili, Wacholderbeeren und Pfeffer eingelegt hat. Er behauptet, das sei Beizen, ich behaupte, das sind Tierversuche für die Konservierungsmaske, dich ich zum nächsten Geburtstag geschenkt bekomme. Beizen ist eigentlich nichts anderes als Marinieren, also ein Lebensmittel in irgendetwas einzulegen, um ihm einen gewissen Geschmack zu verleihen - oder auch, um seinen Eigengeschmack abzumildern. Bei Wild scheint Letzteres gängige Praxis zu sein, damit die Preiselbeerbirne daneben nicht schmeckt wie ein Stück Schaumgummi. Das Fleisch wird in Buttermilch gebadet, um sein dominierendes Aroma etwas einzudämmen. "Hautgout" heißt das in der Fachsprache, frei übersetzt "dominierender Geschmack". Beizt man ein Stück Lachs heißt der danach "Graved". Was klingt wie ein Ikea-Regal bedeutet "eingegraben". Früher hat man den Lachs nämlich in mit Salz gefüllte Erdlöcher eingebuddelt. Wenn ich daran denke, wie viele 10-Pfennig-Stücke ich als Kind im Schulgarten vergraben und trotz präzise handgemalter Schatzkarten nie mehr gefunden habe, bin ich froh, dass der Lachs heutzutage zum Beizen an der Oberfläche bleiben darf.

Und das Beste ist, dass meine Kresse inzwischen soweit gewachsen ist, dass ich sie mir auf den Anti-Ageing-Fisch bröseln kann.

Dienstag, 1. März 2011

Dinner to go

Eigentlich habe ich im Internet nach exotischen Gerichten gesucht. Rausgekommen bin ich irgendwie bei Eiweiß. Das klingt erstmal wenig exotisch. Eiweiß ist wichtig, es gehört zu den Grundbausteinen der Zellen. Das Wort „Protein“, wie Eiweiß auch genannt wird, tauchte erstmals 1839 auf und leitet sich vom griechischen Wort für „grundlegend“ ab. So weit, so wissenschaftlich. Dann kam David George Gordon. Weil auch der amerikanische Autor weiß, wie wichtig Proteine sind, hat er ein Kochbuch geschrieben, das eiweißhaltige Gerichte enthält. Die bestehen aber nicht aus Fleisch, Eiern, Milchprodukten oder Nüssen, sondern aus Käfern, Grashüpfern und anderem Krabbelgetier. Das Buch heißt „Iss-einen-Käfer-Kochbuch: 33 Arten Grashüpfer, Ameisen, Wasserkäfer, Spinnen, Tausendfüßler und ihre Verwandten zu kochen”. Etwas sperrig, aber man weiß genau, was auf einen zukommt. Gordon hat vielfüßige Rezepte aus der ganzen Welt zusammen gesammelt, gibt Tipps welche Insekten lecker und welche zu vermeiden sind und sogar welcher Wein zu „Drei Bienen Salat“ und „Schokoladen Grillen Torte“ passt. „Kühe, Schweine und Schafe zu züchten ist eine enorme Verschwendung der Ressourcen unseres Planeten. Aber Insekten-Landwirtschaft ist ziemlich harmlos“, ist er überzeugt. Zumindest hat man ein Gesprächsthema, wenn die Gäste das Kochbuch im Küchenregal entdecken. Und auch Zeit zum Reden, wenn die Rezepte tatsächlich auf dem Teller landen (und dort wahrscheinlich unberührt liegen bleiben). Der Journalist Scott Simon bringt in seiner sehr kurzen Buchbesprechung jedenfalls das auf den Punkt, was ich auch dachte, als ich das Kochbuch entdeckt habe : „Igitt!“ Dann doch lieber einen Quark, der bekommt auch Beine, wenn man ihn zu lange stehen lässt.

Sonntag, 27. Februar 2011

Spitzenangelegenheiten

Gestern waren wir auf eine Schnörres-Party eingeladen. Jeder Gast musste sich einen Schnurrbart ankleben, ein besonders mutiger (oder schmerzfreier) hat sich sogar einen Schnäuzer wachsen lassen, der lang genug war, um ihn an den Enden etwas zwirbeln zu können.
Neben einem Haufen erspressungstauglicher Bilder nehme ich aus diesem Abend zwei Erkenntnisse mit: Nach ein paar Bier wandern Anklebe-Schnurrbärte gerne auf die Stirn. Und: Mit einem Schnörri unfallfrei zu essen ist ungefähr so einfach wie einen Kürbis mit einem Kartoffelschäler zu häuten.
Laut einer Studie der Uni Kiel wirken Bartträger sympathischer, gebildeter und attraktiver als Glattrasierte, was ich spätestens dann nicht mehr unterschreiben würde, wenn der Tunfischdip gleichmäßig verteilt in den Haarspitzen hängt. Laut stupidedia.de ist das aber nicht eklig, sondern ein für den Schnäuzer lebensnotwendiger Prozess, ähnlich dem zwischen Bäumen und Parasitenpilzen, ich zitiere: "Der Schnurrbart frisst am liebsten Frühstücksreste; ein paar Spiegeleireste, ein wenig Marmelade und Kaffeeschaum genügen ihm, für eine Woche zu überleben." Eine Rasur vor dem Frühstück empfiehlt vielleicht auch deshalb das Männermagazin Men's Health, tarnt den Tipp aber mit der Begründung "Kauen regt die Durchblutung der Wangen an – wenn man sich nach dem Frühstück beim Rasieren schneidet, blutet es stärker." Weil Männer harte Schweine sind, greifen trotzdem 43 Prozent erst zur Klinge nachdem sich Rührei und Marmelade in der Mundbehaarung verewigt haben. Rund 3,5 Kilo Haare schabt sich ein Mann durchschnittlich in seinem Leben vom Gesicht. Wobei wahrscheinlich die Hälfte des Gewichts aus angetrockneten Essensresten und kleinen Insekten besteht, die aus dem Haargestrüpp nicht mehr herausgefunden haben. Trotzdem findet laut Men's Health immerhin eine von zehn Frauen Bärte sexy. Männer, die kochen können, sind für drei von zehn Frauen attraktiv. Also vor der Rasur den Bart mal kurz ausschütteln und das, was rausfällt - ab in den Topf. Umweltbewusste Lebensweise und Recycling gefällt nämlich rund 40 Prozent der Frauen ;-)

Freitag, 25. Februar 2011

Mach. Mich. Heiß.

Die Chinesen sind auf zwei Gebieten ziemlich gut: Beim Kochen und beim Erfinden seltsamer Fernsehsendungen. Jetzt haben sie beides zusammengeführt, um Männer für den Küchenherd zu begeistern – eine Nacktkochshow. Sie soll in Hongkong produziert werden, wo eine hübsche, junge Chinesin zuerst auf dem Markt Lebensmittel einkauft und dann nur mit einer durchsichtigen Plastikschürze bekleidet daraus Gerichte zubereitet, die die Zuschauer nachkochen sollen. Als ob auch nur einer auf das schauen würde, was im Wok passiert. Hierzulande geht es etwas gesetzter zu, anscheinend genügt den Jungs in Deutschland auch ein Alfons Schubeck, um sich an den Herd zu stellen. Und wer gibt nicht gern sein Bestes in der Küche, wenn es überschwängliches Lob zu ernten gibt wie „Do konnst nix foisch mocha, wos wuist jez do meckan?“. Auch, wenn ein Sprichwort sagt: „Schau nicht in`s Töpfchen, lieber Mann. Die Küche geht Dich gar nichts an“ – bei uns sind es die Kerle, die sich Rezept-Apps runterladen und Kochzeitschriften abonnieren. Zumindest bei mir im Bekanntenkreis. Mir gefällt das gut, im Einkaufen bin ich deutlich routinierter als im Einkochen. Und deshalb will ich die Herren der Schöpfung nun auch gar nicht länger von ihren Pflichten als Ernährer der Familie abhalten und schließe mit den weisen Worten eines Unbekannten Zitatgebers: „Von Liebe allein wird keiner satt, wohl dem, der was zu löffeln hat.“ Mahlzeit und schönes Wochenende!

Mittwoch, 23. Februar 2011

Eine Frage der Technik

Endlich ist er da – der iGrill! Eigentlich ist er eine sie; eine App, die ein spezielles Bratenthermometer mit iPhone oder iPad koppelt und dann die Grilltemperatur via Bluetooth rüberfunkt ohne dass man(n) ständig zwischen Bierfässchen und Grillrost hin- und herrennen muss. Um die 100 US-Dollar soll das System kosten. Na ja, kauft man halt eine Scheibe Dry Aged Beef weniger.
Ähnlich unverzichtbar ist der Pastakochautomat – Nudeln kochen gehört ja zu den schwierigsten Übungen in der Küche überhaupt. Dieses Gerät kann auf Knopfdruck Pasta in 90 Sekunden al dente kochen. Und die Gäste so nachhaltig beeindrucken, dass sie die Münder gar nicht mehr zubekommen, um selbige zu kauen.
Wer den Nudelkult auf die Spitze treiben will, dem sei ein Spaghetti-Schäler ans Herz gelegt. Der Schält nicht die Pasta (an der ist ja nicht viel, das man wegschaben könnte), sondern man verwendet ihn, um Gemüse in Spaghettiform zu schnippeln – angeblich hat sogar Johann Lafer so einen. Und, hey, er muss es ja wissen.
Und zum Dessert serviert man dann eine selbst verzierte Torte. Habe ich im amerikanischen Werbefernsehen gesehen. Man sucht sich die Schablone zu einem bestimmten Thema aus dem Sortiment, zum Beispiel „Prinzessin“, wählt das entsprechende Programm in der Maschine, legt eine Zucker- oder Marzipanmatte unter die Walze und schwupps, stanzt sie Krönchen, Blümchen und Herzchen aus der Unterlage, die man nur noch auf den Kuchen zu setzen braucht.
Hach ja, Technik ist doch was Tolles. Vielleicht installiere ich Achims automatische Gießanlage ja mal über meiner Kresse…

Sonntag, 20. Februar 2011

Voll Kress,e(y)!

Heute war Pflanztag. Erst habe ich unsere Narzisse von ihrem Minitopf befreit und weil ich schon mal in Schwung war, habe ich auch gleich noch Kresse angebaut. Auf der Watte, die vom Essigmachen übrig war. Der gärt übrigens brav vor sich hin.
Als ich nach Tipps für den Kresseanbau gesucht habe, habe ich festgestellt, dass die kleinen grünen Stielchen eine Art Patchwork-Familien bilden: sie heißen gleich, sind aber nicht immer verwandt. So ist Gartenkresse ein Gewürz, Brunnenkresse eine Zier- und Speisepflanze, Winterkresse ein Wildkraut und Kurt Kresse ein deutscher Kolumnist. Der ist immerhin mit Walter Kresse verwandt. Bei so einem Familiendurcheinander darf man nicht anspruchsvoll sein, wenn man zu etwas kommen will und so wächst die Gartenkresse auf so ziemlich allem, was eine annähernd erdig-weiche Konsistenz hat: Krepp, Flies und eben Watte. Lange muss sie es da auch nicht aushalten. Vom Sähen bis zum Ernsten vergehen nur 8-10 Tage. Da sollte sich der Essig mal ein Beispiel nehmen. Deshalb habe ich die Kresse in Form eines Blitzes ausgesäht, „Green Lightning“, sozusagen. Und ich freu mich schon, wenn ich mit dem Blitzabschneider Küchenschere kommen und meinen Salat mit den zarten Sprossen verfeinern kann.

Mittwoch, 16. Februar 2011

Von Königspilsen und Landbieren

Heute ist das große Fußball-Derby HSV gegen St. Pauli, die ersten Feuer im Fanblock sind entzündet und die ersten Spieler fachgerecht gefault. Der optimale Zeitpunkt für ein Bier. Was den Gerstensaft angeht, ist Deutschland ein Quell der Freude: laut der Website bier.de bräuchte man mehr als 13 Jahre wenn man ab heute jeden Tag ein anderes Bier probieren wollte. Und jetzt, wo der Käse gemacht und der Essig angesetzt sind...
Schön ist, dass man im Gegensatz zu den regional sehr unterschiedlichen Gerichten, Bier überall zu trinken bekommt. Allerdings ist auch Bier nicht gleich Bier. Im Norden trinkt man gern herbes Bier. Ein großes Bier entspricht dort der gleichen Menge wie ein kleines in Bayern: 0,5 Liter. Das trinkt man in München in der Mittagspause, in Hamburg auf der Reeperbahn. Deswegen hat man der Astraflasche ein Motrosentattoo-anmutendes Herz verpasst während man bayerisches Bier entweder am Löwen, an weiß-blauen Rauten, am Mönch oder allem zusammen erkennt. Das Rheinland ist eine Biersonderzone. Man kloppt sich so sehr darum, ob nun Kölsch oder Alt besser schmecken, dass man kaum zum Trinken kommt. Deshalb füllen die Rheinländer ihr Bier gleich in Gläser die eine Verdunstungs-günstige Röhrenform haben. Während man die Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Sorte erörtert, verpufft die Flüssigkeit im Glas und der Wirt - in Fachsprache Köbes genannt - kann die nächste Runde bringen während sich die bayerischen Touristen noch wundern, wo den "des Noagarl Bier" auf einmal hin ist, das man eben noch mitleidig beäugt und sich gefragt hatte, ob das nun das Getänk ist oder die Fingerwasch-Schale.
Zu Ehren des edlen Gerstensaftes wird in Deutschland jedes Jahr ein Bierbotschafter gewählt. 2010 war das der Vorsitzende der CDU/CSU-Franktion Volker Kauder. Die Brauer haben sich wegen "seines außergewöhnlichen Engagements" für ihn entschieden - dachte ichs mir doch, dass die im Bundestag nicht bloß Apfelsaft trinken. Trotz aller Bemühungen seitens der Politiker den Bierkonsum anzuregen (Günther Beckstein: "Nach zwei Maß kann man noch fahren"; Max Streibl: "„Bei uns hat das Bier gar keine Zeit, alt zu werden. Wozu dann also ein Haltbarkeitsdatum?“) geht ebenjener in Deutschland leicht, aber kontinuierlich zurück: Bereits zum dritten Mal in Folge ist der Bierdurst der Deutschen abgeflaut und um 1,8 Millionen Hektoliter gesunken, wie das Statistische Bundesamt feststellen musste. Rein rechnerisch verdrückt jeder Deutsche ab 15 Jahren (eigentlich darf man erst ab 16 Jahren offiziell Alkohol trinken, aber hey, das hier ist ein Notfall) 0,33 Liter Bier pro Tag. Eine Mädchenmenge. Oder drei Kölsch. Und weil sieben Bier auch ein Schnitzel sind und wir damit also nicht nur ein deutsches Kulturgut, sondern auch gleich noch ein paar Kühe retten, möchte ich das Schlusswort dem deutschen Brauerbund überlassen: "Bier ist rein, Bier ist Genuss, Bier ist Deutschland. Jetzt ein Bier!" Prost.

Sonntag, 13. Februar 2011

Auf heißen Kohlen

Die Grillsaison ist eröffnet. Gestern haben wir angegrillt. Wenn es nach dem Männer-Kochmagazin „Beef“ (und unseren Gästen) geht, viel zu spät: „Man sollte am 31. Dezember abgrillen und am 1. Januar angrillen“, heißt es da. Nicht wortwörtlich, aber sinngemäß. Sogar das Rezept für einen Wurstkeks gab es dort zu Weihnachten. Mir,deren Barbecue-Highlight der Kartoffelsalat ist und das Entzünden des Feuers zeitraubendes Übel,erschließt sich die Faszination des Grillens nur zum Teil. Ich liebe den Geschmack des Fleisches, wenn es frisch von der Holzkohle kommt, und den Rauchduft, der über dem Rost hängt – das hat schon was. Für die Jungs in meinem Bekanntenkreis scheint es da aber noch etwas jenseits der reinen Essenzubereitung zu geben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass unser Chefgourmet im Dänemark-Pärchenurlaub mehrere Stunden damit zugebracht hat ein leeres Bierfässchen mit Schere und Kneifzuange zu bearbeiten, um einen Anzündkamin für den Grill zu bauen… und danach mehrere Stunden vor der geschlossenen Webergrill-Kuppel verharrte, unter der ein Jerked Chicken seiner Vollendung entgegengarte. Vielleicht ist es das Feuer, das die Männer an den Rost zieht. Da saßen sie ja schon in der Steinzeit und brutzelten ihr Jagdgut. Jetzt haben sie statt Holzspießen und ihren bloßen Händen aber Eichenfurnier-Grillkoffer mit Messingbeschlägen, Sparerib-Halter, Fischklammern und High-Performance-Grillanzünder. Fisch wird auf anderem Holz geräuchert als Fleisch und es gibt im Internet Listen, denen man die Wärmespeicher- und Glimm-Kapazität verschiedener Kohlesorten entnehmen kann. Gestern haben wir sogar kurz erörtert, ob man getrocknete Ananas über Buchenspänen kalt räuchern könnte. Eigentlich hätte man allen Grund sich über die Verwissenschaftlichung einer so simplen Sache lustig zu machen. Das Dumme ist nur: Ein über Stunden liebevoll betüddeltes Grillhendl schmeckt tatsächlich um so viel besser als ein schnödes Brathuhn, dass allein der erste Biss allen Schnickschnack rechtfertigt, der beim letzten Dänemarkurlaub dafür verantwortlich war, dass die Hälfte meiner Schuhe zuhause bleiben musste. Jetzt müssen wir nur noch eine Frage klären:
Rub oder Marinade?