Donnerstag, 27. Dezember 2012

Im Auge des Kalorien-Tsunami

Eigentlich hatte das diesjährige Weihnachtsfest die besten Voraussetzungen, ein nicht-reguläres zu werden: Es gab keinen Schnee, dafür zweitstellige Außentemperaturen, wir hatten konsequent keine Adventsdeko in der Wohnung (bis auf den obligatorischen Bier-Adventskalender) und ich habe sogar anstelle von Sternchen und Schäfchen, kleine Nilpferd- und Maßkrug-Plätzchen gebacken. Dann kam das Vorweihnachtswochenende - und mit ihm meine jährliche Herausforderung: Wie viel Essen passt in mich hinein bevor ich platze oder mir einen portablen Zusatzmagen anschaffen muss? Nach fast einer Woche Kalorientsunami bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich in Relation zu Körpergröße und Gewicht gesetzt gar nicht mal so schlecht war (obwohl MIR ein paarmal ein wenig schlecht war). Ich kann bei 20 Grad draußen drinnen sitzen und heißen Glühwein trinken, ich kann sechs Tage lang Fleisch mit Fleisch essen, ohne den Neujahrsvorsatz zu fassen, Vegetarier zu werden. Und ich betrachte Lebkuchen und Plätzchen nur phasenweise als einen der grausamsten Weihnachtsbräuche neben der "Last Christmas"-Dauerschleife im Radio (die ich diesmal durch konsequentes Nicht-Radiohören auf zwei Tage reduziert habe). Alles in allem waren es also schöne Tage am Kalorien-Aufnahmelimit. Genug Substanz für ein neues Jahr mit vielen neuen Essens-Experimenten. Ich freue mich darauf und wünsche euch da draußen an den PC-Monitoren, Laptop-Bildschirmen und Weihnachts-Apples ein geschmeidiges Hinein-Fondue-ieren ins Jahr 2013!

Sonntag, 21. Oktober 2012

Gluc, Gluc, Glucosesirup

Es gibt Jobbezeichnungen, die sich nach deutlich mehr anhören, als sie sind: Facility Manager anstatt Hausmeister oder Vision Clearance Engineer anstatt Fensterputzer. Die Jobbeschreibung von Glucosesirup auf wikipedia klingt ebenfalls sehr beeindruckend: "Glukosesirup, fachsprachlich Glucosesirup, früher Glykosesirup[1] (andere Bezeichnungen sind: Stärkesirup, Bonbonsirup, Isoglukose, Corn Sirup, Maissirup, Maiszucker), ist eine aus Stärke durch enzymatische Aufspaltung gewonnene eingedickte Lösung, die aus Glukose (Traubenzucker) und aus Fruktose (Fruchtzucker) besteht. Ein sehr geringer Anteil an höhermolekularen Stärkebruchstücken ist auch vorhanden. Glukosesirup ist die gesetzlich geschützte Bezeichnung einer Zuckerart." Im Prinzip ist es einfach eingedicktes Zuckerwasser, das nicht fest wird und häufig für die Pralinenherstellung verwendet wird, weil die Füllung dann nicht aushärtet oder kristallisiert. Seit einigen Jahren wird er auch zur Winterfütterung von Bienen eingesetzt - aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blog. Pralinen habe ich zwar (noch) nicht gemacht, aber ich brauchte Glucosesirup für ein Eisrezept, das ihr demnächst im neuen Triathlon-Kochbuch des spomedis-Verlages nachlesen könnt (hier gehts zum Shop). Da ich im Laden keinen fertig gemischten finden konnte und - es war schließlich Samstag und endlich mal ein richtig schöner Spätherbsttag - zu faul war, in noch einen Laden zu rennen, kam mir Achims Bemerkung "Den kann man auch selber machen" sehr gelegen. Ich habe dann ein bisschen gegoogelt und zwei Rezeptvarianten gefunden: Traubenzucker mit Wasser aufkochen oder Haushaltszucker mit Wasser, Natron und Zitronensäure aufkochen (250 g Zucker, 15o ml Wasser und je einen halben Teelöffel Zitronensäure und Natron. Erstere drei unter Rühren auf mittlerer Stufe aufkochen und dann das Natron dazugeben). Ich habe mich aus Mangel an Traubenzucker in unserem Küchenschrank und aus Ehrgeiz Glucosesirup aus mehr als zwei Komponenten herzustellen für letztere Variante entschieden. Zwar hatten wir auch keine Zitronensäure im Haus, aber dafür eine Zitrone - also, wenn da keine Zitronensäure drin ist, weiß ich auch nicht... Der Sirup ist zwar etwas gelblich geworden während die Beispielsirups (oder Siruppe?) im Internet glasglar im Einweckbecher vor sich hinwabern. Aber, hey, Hauptsache zähflüssige Konsistenz. Warum überhaupt Glucosesirup ins Eis musste, wo man doch annehmen sollte, dass es egal ist, ob sich neben den Eis- auch noch Zuckerkristalle bilden und das Eis ohnehin hart wird? Habe ich auch recherchiert: Es wird durch den Sirup wohl cremiger. Und der kleine Probierlöffel, den ich mir im halbgefrorenen Zustand gemopst habe, legt die Vermutung nahe, dass es stimmt.

Montag, 8. Oktober 2012

Pfüa di Wiesn - jetzt gibt es Billig-Schaumwein

Das Oktoberfest ist vorbei und mit ihm vielleicht beim Einen oder Anderen die Lust auf Bier. Die gute Nachricht: Die Wiesn-Gänger, die sich mit Maß-Preisen von knapp 10 Euro um ihr Monatsgehalt und ihre Bierlust getrunken haben, können das Finanz- und Leberloch guten Gewissens mit billigem Schaumwein aufgießen. Wie eine Blindverkostung der Zeitschrift "Wein & Markt" ergab, dass der Billigfusel dem Champagner nicht unbedingt geschmacklich unterlegen ist. Auch das Alter des Prickelwassers ist nicht ausschlaggebend dafür wie gut er schmeckt: "Sobald ein Schaumwein auf den Markt kommt, ist er trinkreif", sagt Chefredakteur Werner Engelhard. Wichtig, so ist er überzeugt, sind vier Punkte: Optik, Schäumen, Geruch und Geschmack. Wenn die passen, kann Lieschen Müller (oder Otto Oktoberfest) getrost anstoßen. "Passen" heißt in diesem Fall: der Schaumwein sollte nicht trüb sein, frisch prickeln statt müde blubbern, keinesfalls nach Schwefel oder ähnlichen missplatzierten Aromen riechen und geschmacklich harmonisch sein - ob säuerlich oder süß bevorzugt werden, hängt vom Gaumen des Genießers ab. Wer jetzt trotzdem keine Lust auf Billigprickeln hat: Ich habe auf der Website "Marions Kochbuch" ein (von mir noch nicht ausprobiertes - mit Betonung auf NOCH) Rezept für Kürbis Korn entdeckt. Und weil Kürbis super zum Herbst passt und Korn großartig gegen Herbstdepressionen hilft, gibt es hier die Brauanleitung: Kürbis Korn 200 Gramm Hokkaido-Kürbis 40 Gramm Rosinen 1/2 Päckchen Vanillezucker 0,87 Liter Wasser 125 Gramm Kandiszucker 0,25 Liter Korn Den Hokkaido-Kürbis waschen, trockenreiben, Stiel und Kerne entfernen. Mit Schale in Würfel schneiden und in einen Kochtopf geben. Rosinen,Vanillezucker und Wasser hinzufügen, zum Kochen bringen. Kandiszucker beimengen und so lange unter gelegentlichem Rühren auf mittlerer Temperatur köcheln lassen, bis er sich vollkommen aufgelöst hat. Dann den Kürbis mit einem Kartoffelstampfer pürieren, ein Haushaltssieb mit einem Mulltuch auslegen und die Kürbismasse zum Abtropfen einfüllen, gut abtropfen lassen, ohne die Masse zu drücken, damit der Kürbis Korn klar bleibt. Korn in den Kürbissaft gießen, umrühren und in ausgekochte Gläser mit Schraubverschluß umfüllen. Die Gläser mindestens 12, besser 48 Stunden stehen lassen, bis sich die Schwebteile am Boden abgesetzt haben. Die Gläser dreimal schütteln und durch ein Tuch oder Filter abseihen, damit auch die feinsten Schwebeteile aufgefangen werden. Dann den Kürbis Korn in ausgekochte Glasflaschen füllen, mit Frischhaltefolie bedecken und mit einem Korken verschließen. Kürbis Korn bis zum Servieren kalt stellen. Die Menge reicht für ca. 1 Liter (26 Schnapsgläser je 4 cl).

Mittwoch, 26. September 2012

Kinder, Kinder: Der Name macht den Geschmack

Kindermund tut Wahrheit kund - und lässt sich anscheinend auch ganz leicht austricksen. Und zwar, wenn es ums Gemüse-Essen geht. Ernährungspsychologen von der Cornell University im amerikanischen Ithaca haben nämlich herausgefunden, dass der Nachwuchs gesunde Lebensmittel lieber isst, wenn er einen Phantasienamen trägt. Zu diesem Zweck boten sie in der Schulkantine einmal Karotten als "Karotten" an, am nächsten Tag als "Röntgenblick-Karotten". Die Schüler griffen beim "Supergemüse" doppelt so oft zu wie beim normalen. Der Ansatz funktionierte auch in einigen Schulen in New York: Sobald Brokkoli zu Superhelden-Brokkoli wurde, schoss er in der Beliebtheitsskala nach oben wie Batman, wenn das Fledermauszeichen am Himmel erscheint. Stand schnöde "Brokkoli" auf der Tafel, sank der Konsum um bis zu 16 Prozent. Restaurants, die ihren Kindergerichten lustige Namen wie "Pinocchio" oder "Biene Maja" geben scheinen also gar nicht so falsch zu liegen - wenn man davon absieht, dass sich dahinter meist ohnehin die Lieblingsspeisenklassiker "Schnitzel und Pommes" oder "Nudeln mit Tomatensoße" verbergen. Für essgestresste Eltern eröffnet diese Erkenntnis jedenfalls ganz neue Möglichkeiten - kulinarisch und kreativ. Wetten, dass ihr "Lahm-Spinat", der "Miley Cyreis" oder der "Manga-Smoothie" reißenden Absatz finden?

Dienstag, 4. September 2012

Salat: Durcheinander aus der Dose

"Da haben wir den Salat" - woher dieses Sprichwort kommt, ist gar nicht so leicht herauszufinden. Im Internet wird spekuliert, dass der Ursprung dieser Redensart darin begründet liegt, dass in einem Salat verschiedene Zutaten durcheinander gemischt sind. Also "hat man den Salat", wenn irgendwas durcheinander geraten ist. Dabei werden bei einigen Salaten gar nicht mehrere Zutaten übereinandergeschmissen, sondern eher geschichtet. Man denke nur an die Formschönen Salatplatten der 50er Jahre, die eher wie Ölgemälde geschichtet und mit einem Dosenpfirsich gekrönt wurden. Ich liebe grundsätzlich Salate, sie sind das einzige Gericht, dass ich akzeptabel hinbekomme - vorausgesetzt, man ist äußerst essigsäureresistent. Aber wenn schon was aus der Dose in mein Grünzeug kommt, dann in Form von Mais. Der, so belehren Gesundheitsapostel nimmermüde, enthält zwar Fabrikzucker, aber ich mag ihn einfach. Immerhin stecken ihn ihm - so die Zeitschrift Ökotest - Vitamin B1 für gute Gehirn- und Nervenfunktion, Vitamin B6 für den Stoffwechsel, Folsäure und ein paar Ballaststoffe. Und: Der Test der Zeitschrift ergab, dass in keiner der geprüften Dosen und Gläser Pestizide oder Genmais entdeckt. Außerdem wurde mit zwei Körnchen Dosenmais 1980 in Redmire an der walisischen Grenze der erste Karpfen gefangen, der mehr als 51 lb, also rund 23 Kilo wog. Ein Fisch so schwer wie rund 80 Dosen seines Köders. Das nenne ich Return-on-Investment. Und was einem Fisch schmeckt, der "the Bishop" genannt wird, kann einem Dosenhendl nicht schaden. ich werde nur bei einzelnen Körnern ganz genau darauf achten, ob da nicht irgendwo ein Haken ist.

Dienstag, 31. Juli 2012

Wasser - mehr als klare Flüssigkeit

Wasser kann verklumpen. Ohne Witz! Habe ich im Spiegel gelesen. Also, der Spiegel selbst bzw. der Autor des Artikels glaubt das zwar nicht. Wohl aber die Besucher der Esoterik-Messe, über die es in dem Bericht ging. Auf dieser Messe für "Friede, Freude, Seelenstreicheln" gab es einen Aussteller, der einen Quirl für Leitungs- und Flusswasser feilbot. Den braucht der in Harmonie mit sich und seinen Organen lebende Mensch dazu, die Klumpen aus dem Wasser zu wirbeln, die entstehen, wenn es durch die Leitung gepresst und dabei gequetscht wird. Und weil der Quirl irgendeine Spezial-Aufladung hat, könnte man sogar Wasser direkt aus dem Eufrat, Tigris, Nil oder auch der nächstbesten Klärgrube trinken und es würde dem Körper so wohl bekommen wie eine dreistündige Massage plus Frischzellenkur. Mindestens. Wasser scheint ohnehin über die Jahre viel komplexer geworden zu sein. Ich dachte immer, es habe genau zwei Funktionen für den Menschen: ihn sauber machen und den Durst löschen. Inzwischen gibt es aber welche mit Vitaminen drin, mit Sauerstoff, es gibt Filter und Steine, die das Wasser energetisch aufladen oder reinigen sollen und ein gewissen Claus Arius hat sogar ein Buch darüber geschrieben: "Mineralwasser. Der Guide zu 225 Marken aus aller Welt". Die Wässer in diesem Ratgeber sind sogar allesamt getestet - auf Geschmack und Gebrauchsmöglichkeiten. Nennt mich einen Banausen, aber wie viele Gebrauchsmöglichkeiten gibt es denn für Mineralwasser? Beziehungsweise, was kann denn ein Mineralwasser, was ein anderes nicht kann? Vielleicht sollte ich mir den Flüssig-Lesestoff ja mal anschaffen; um meine Vorurteile zu beseitigen und wieder en vogue zu sein. Denn wie der Klappentext auf amazon verheißt: "Mineralwasser liegt im Trend". Dann mal runter damit - aber erst die Klumpen rausquirlen.

Sonntag, 22. Juli 2012

Von Hamburg nach München: Die Weißwurst ist doch ein Nordlicht

Gestern gab es mal wieder einen (kleinen) sportlichen Wettkampf, zur Belohnung gab es heute Weißwurst zum Frühstück. Obwohl ich in Süddeutschland geboren bin und lange in München gelebt habe, muss ich immer noch jedes Mal überlegen, ob man die Wurst jetzt erst ins Wasser legt und selbiges dann erwärmt oder ob man erst das Wasser warm macht und dann die Wurst reinlegt. Bevor jetzt alle anfangen zu googeln und nicht mehr weiterlesen: Man macht erst das Wasser warm und legt dann die Würste bei 70 bis 75 Grad Wassertemperatur 10 Minuten in den Topf. Der zweite Gedanke, der mir immer kommt, wenn es Weißwurst gibt, ist der, wie man sie korrekt verzehrt. Obwohl das inzwischen wohl ziemlich Latte ist. Sogar Alfons Schuhbeck sagt, dass kein Mensch mehr zuzelt, also das Wurstinnere mit den Zähnen aus der Haut saugt. Wie man das Brät aus dem Darm schält oder ob man den Darm der Einfachheit halber gleich dran lässt, kann jeder für sich entscheiden. Auch, wann man diesen deftigen Imbiss zu sich nimmt, ist inzwischen Tageszeit-unabhängig. Früher mussten sie Weißwürste bis 12 Uhr mittags verzehrt sein.Das lag zum einen an den nicht vorhandenen Kühlmöglichkeiten, zum anderen daran, dass diese Mahlzeit günstig und deshalb häufig an Arbeiter und Handwerker verkauft wurde, die die Wirte möglichst schnell wieder aus ihrem Haus haben wollten bevor die Reichen für ihren Lunch einliefen. Erfunden hat die Weißwurst angeblich 1857 der Moser Sepp, ein Metzgermeister aus München, dessen Lehrling den falschen Darm zum Bratwurst machen heimbrachte und sein Chef daraufhin improvisieren musste. Weil er befürchtete, dass der mitgebrachte Schweinedarm braten nicht aushalten würde, erwärmte er die Würste im Wasser - ein Klassiker war geboren (obwohl ich auch schon Weißwurst-Gröstl gegessen habe). Die Website helpster.de beschließt einen recht ausführlichen Text über Lagerung, Zubereitung und Verzehr der Weißwurst mit dem Satz: "Eine Weißwurst ist ein traditionelles bayrisches Gericht, das sich mit wenig Aufwand und schnell zubereiten lässt." Klingt schlüssig. Aber: Es gab die Weißwurst schon viel früher - und zwar genau im anderen Ende Deutschlands, in Hamburg. Und zwar seit 1806. Der Leibkoch eines Marschalls setzte damals den Gästen und Besuchern als zweites Frühstück die "Boudin blanc" vor, eine Luxusversion mit Kaviar (man war ja doch irgendwie eine Hafenstadt). Als die "Hamburger Franzosenzeit" im Laufe des 19. Jahrhunderts zu Ende ging und den Hamburgern ihr inniges Verhältnis zu den Franzosen etwas unangenehm war, schoben sie dieses Rezept ganz hinten in den Küchenschrank und ließen es in Vergessenheit geraten. Die Chance für den Moser Sepp zum Erfinder der Weißwurst zu werden. Ist vielleicht auch besser so. In Hamburg habe ich bisher noch keine einzige richtig resche Brezel gefunden.

Sonntag, 1. Juli 2012

Horst Lichter - da ist alles in Butter

Genau wie für mich "Das perfekte Dinner" zum Unter-der-Woche-Unterhaltungsprogramm gehört, ist es fester Bestandteil unserer Wochenend-Frühstücksroutine, eine Folge "Lanz kocht" im Online-Stream anzuschauen. Während wir unsere Brötchen mit Käse belegen, stopfen die Starköche Couscous in Tintenfische und Brezelfüllung in Braten. Inzwischen kennen wir nicht nur die Gags, die spätestens jede zweite Sendung einmal kommen ("Er wird auch George Clooney von Franken genannt - Alexander Herrmann!", "Und was sagt das Orakel aus München?","Kardamom ist gut, wenn man Probleme mit Mundgeruch hat - probier doch mal." usw.), sondern man kann auch die Köche langsam aber sicher schön in Klischee-Schubladen einordnen. Alexander Herrmann - immer schön angerichtete Speisen, für Alfons Schuhbeck aber immer entweder zu wenig Salz oder eine Komponente zuviel. Lea Linster - immer gut gemachte Gerichte, was angesichts der Wortanzahl pro Sendung erstaunlich ist; Kochmami, die all ihre "Buben" regelmäßig" knutschen und knuddeln muss - ob sie das wollen oder nicht. Cornelia Poletto - Quotenblondine mit Knatschstimme, die ganz gut kontern kann und noch besser italienisch kochen. Und, nein: SIE HAT KEINEN FREUND! Kolja Kleeberg - der Hammer in der Dessertabteilung. Ansonsten gut, aber sowas wie der Klassenstreber, der immer noch eine Anmerkung zu allem hat. Mario Kotaska - Blond, Brille, basst scho. Nelson Müller - singt ganz gerne mal. Ansonsten alles im Repertoire von Zwiebelrostbraten bis "Eckball"-Dessert. Steffen Henssler - kann Fisch, aber kein Soufflée. Tim Mälzer - kann Fleisch und ... Fleisch. Horst Lichter - kocht mit der größten Butterdichte pro Quadratzentimeter Lebensmittel. Egal, um welches Lebensmittel es sich handelt. Gestern haben wir zum Beispiel eine Folge angeschaut, in der die Köche etwas Deftiges zubereiten sollten. Während Schuhbeck sich mit einem Herrengulasch samt Ochsenmaulsalat im Zwiebelschälchen verkünstelt hat und Mario Kotaska geräuchterte Forelle unter perfekt gebräunte Bratkartoffeln hob, bastelte Lichter "Gefüllten Fleischkäse". Er schnitt Taschen in Leberkäs-Hälften, füllte sie mit Speck und Käse, panierte sie, briet sie mit gefühlt einem Klotz Butter an, packte einen weiteren obendrauf und steckte alles nochmal ins Backrohr, damit "die Butter auch schön in die Panade einzieht". Ich glaube ja, dass der Cholesterinspiegel bei so einem Gericht schon beim Zuschauen gefährliche Werte erreicht, da hilft auch der Meeretichsalat nichts mehr, den er als Alibi-Vitamine unter den Butter-Leberkäs geschmuggelt hatte. Aber es war ein Gericht, dass zu ihm gepasst hat - und das ist positiv gemeint. Ich fand es eines der besten, wennauch am schwersten im Magen liegenden "Lichter-Klopper", gleich nach der Erdbeere im Zucker-Sahne-Berg und "Lachs auf Toast". Und wenn es nur deswegen ist, für ein paar Minuten das gute Gefühl zu haben, sich ungleich gesünder zu ernähren, auch, wenn sich die Nuss-Nougat-Creme auf dem Frühstücksbrötchen türmt. Die nächste Folge schaue ich mir garantiert wieder an - man muss ja nicht alles nachkochen.

Dienstag, 26. Juni 2012

Muffin vs. Cupcake

Heute habe ich frische Rhabarber-Muffins gebacken bekommen. Die haben nicht nur sehr lecker geschmeckt, sondern mich zu der Überzeugung gebracht, dass ich eher der Muffin- als der Cupcake-Typ bin. Genau, wie es Hamburg- und Berlin-Typen oder Hunde- und Katzentypen gibt. Weil ich nun schon mal bei der Thematik "Muffin-Cupcake" war, habe ich mal nachgeschaut, ob die Unterschiede zwischen den beiden Törtchen wirklich so groß sind - oder ob sich unter der Cremehaube eines Cupcakes nicht einfach ein aufgetakelter Muffin versteckt. Das Internet sagt klar: Nein, ein Muffin und ein Cupcake sind zwei grundverschiedene Dinge. Genau genommen ist schon ein Muffin zwei grundverschiedene Dinge. Denn in Großbritannien nennt man flaches Hefegebäck "Muffin", während in den USA und auch hierzulande die fluffig-süße Variante aus der Miniform damit gemeint ist. Der US-Muffinteig ist ähnlich wie ein Pfannkuchenteig. Wichtig ist, dass die festen Zutaten und die flüssigen Zutaten getrennt voneinander gemixt und beide danach nur etwa zehn Sekunden vermengt werden. Sonst werden die Sauerstoffbläschen im Teig zu groß und der Teig fängt an zu kleben. Ein Cupcake dagegen besteht aus Rührteig, der früher - daher der Name - in einer kleinen Tasse gebacken wurde. Heute backt man die Küchelchen aber meist in Muffinformen. Während in den Muffin oft Beeren, Schokolade oder Nüsse kommen, bleibt der Cupcake-Teig jungfräulich. Die Deko kommt geballt oben drauf: In Form einer Creme- oder Frischkäsehaube, Liebesperlen, Blümchen und allem Glitter-Klim-Bim, den die Backwaren-Dekoabteilung hergibt. Beim Muffin bekommt man also mehr Gebäck pro Biss während beim Cupcake die Hälfte fettige Creme ist. Das schlägt sich überraschenderweise aber nicht in den Nährwerten wieder. Ein Muffin enthält angeblich pro 100 Gramm zwar mit 499 Kalorien rund 100 Kalorien mehr als ein Cupcake. Letzterer hat rund 22 Gramm Fett und 29 Gramm Kohlenhydrate, ein Muffin 25 Gramm Fett und 51 Gramm Kohlenhydrate. Zugegeben - 1:0 für den Cupcake. Aber ich muss auch sagen: Ist mir total egal. Ich bleibe Muffin-Fan. Schon allein deswegen, weil die kleinen Rhabarber-Kerlchen in der Küche so unglaublich lecker duften. Mahlzeit!

Sonntag, 24. Juni 2012

Frittierter Salbei zum Sekt

Frittierte Salbeiblätter zum Sekt oder Aperitif zu reichen, empfahl kürzlich die Süddeutsche Zeitung in einem Beitrag. Salbeiblätter? Grundsätzlich bin ich ja sehr dafür, zu Alkoholischem, das vor dem eigentlichen Essen gesüffelt wird, etwas zu knabbern. Sonst ist man zur Vorspeise schon so angeschickert, dass man das Dessert nur noch verschwommen wahrnimmt oder verzweifelt in sich hineinschaufelt in der Hoffnung, dass es noch ein bisschen was von den im Blut zirkulierenden Promille aufsaugt - wobei die Schwamm-Fähigkeiten von Eis, Sorbet oder Mousse doch eher überschaubar sind. Trotzdem: Wenn Aperitif-Knabberkram, dann bin ich eher für a) Häppchen wie Oliven, Grissini und Käseklötzchen oder b) Salzstangen oder Nüsse. Salbei verbinde ich sofort mit Hustentee oder -bonbons. Die musste ich früher beim kleinsten Hüsteln lutschen - was ja auch richtig war, weil Salbei eine desinfizierende Wirkung hat. Genau deswegen disqualifiziert er sich für mich aber auch als Beilage zum Aperitif, denn Alkohol wirkt ja selbst schon desinfizierend. Ich ziehe ja auch keine Mütze über einer Mütze (außer es sind Badekappen und ich Triathlet). Spannend finde ich allerdings, dass man sogar Salbeiblätter frittieren kann. Als ich klein war, bin ich davon ausgegangen, dass Pommes das Einzige sind, dass in heißem Fett gebadet wird. Später im Studium lernte ich dann, dass die Briten sogar Marsriegel frittieren. Also festes Fett in flüssiges Fett packen. Faszinierend daran war für mich vor allem, dass die Schokolade anscheinend nicht schmolz - und dass der Magen sich von dem - sagen wir: "Genuss" - eines solchen Gerichts wieder erholen konnte. Jetzt also auch Salbeiblätter. Vielleicht gibt es im FastFood-Restaurant um die Ecke demnächst ja die grünen Erkältungsbekämpfer als Pommes-Alternative für alle, die sich gesund ernähren möchten. Oder zumindest das Gefühl haben möchten, dass sie das tun, während Sie ihren Käsedoppeldecker mit zusätzlichem Speckstreifen verputzen. Andererseits: Wenn schon FastFood, dann richtig. Also: Her mit dem Marsriegel, ich hol schonmal die Fritteuse!

Dienstag, 19. Juni 2012

Das perfekte Dinner?

Ich gebe es zu, ich schaue "Das perfekte Dinner". Und ich gebe auch zu: Ich mache es weniger wegen der Rezepte als aus voyeuristischen Gründen. Ich finde es spannend, was die Teilnehmer beruflich machen und wie ihre Wohnung aussieht. Shame on me, ich weiß, ich weiß. Aber es ist für mich eine amüsante Art nach der Arbeit abzuschalten - denken gehört nämlich wirklich zu den letzten Dingen, die man bei dieser Sendung tun muss. Ein Sache hat mich diese Woche aber doch zum Denken gebracht: In der aktuellen Runde ist eine Lady dabei, die nichts isst, was aus dem Wasser kommt, keine Milchprodukte verträgt, keinen Alkohol trinken darf, weil sie schwanger ist und keinen Kaffee mag. Stellt sich die Frage: Was zur Hölle macht sie in einer Kochsendung? Hat sie sich auf dem Weg ins Studio von "Menschen,Tiere und Neurosen" verlaufen? Wenn ich an einer solchen Sendung teilnehme, dann sollte ich doch Spaß am Essen haben und Lust darauf, alles zu probieren, was man mir vorsetzt, ohne wechselweise zu zicken, zu verweigern oder rumzujammern, dass "Jakobsmuscheln ja wie Fleisch schmecken sollen", aber sie das niiiiiiieeeeee erfahren wird, weil die ja aus dem Wasser kommen und "Ich esse ja nichts, was aus dem Wasser kommt". Also auch keine Ente? Na ja, den anderen dürfte das egal sein. Bis auf eine, von der ich noch nicht rausgefunden habe, für was sie Schleichwerbung machen wird (ein guter Grund, die komplette Restwoche den Schmarren weiterzugucken), promotet der Fitness-Studiobesitzer seinen Roman, den er im Winter vor seinem Ach-so-gemütlichen Kamin geschrieben hat, der andere seine selbstgedrehten Reisereportagen, die er zur Musik einer italienischen Sängerin namens Alicia in seiner Dachstube schneidet und der Spargel mit dem verrutschen Iro sich selbst bzw. seine überirdischen Fähigkeiten als Tanzlehrer und Choreograf. Ich bin gespannt, ob er in seinem Wohnzimmer eine Ballett- oder andere Stange hat. Oder zumindest Stangenspargel (sorry, war platt, aber der musste einfach sein). Spargel gabs auch beim Fitnesstrainer, den hat er versehentlich mit dem Fisch zusammen in die Soße geschmissen und - Hammer - die Anti-Wasser-Frau hat in gegessen und ÜBERLEBT! Wahrscheinlich hat das gefühlte Kilo Zucker im mit Fertigpuddingpulver und einem Schuß O-Saft aus Bio-Orangen (Zitat: "Hier kommt das gesunde Dessert meines Bio-Menüs")sämtlichen Fischgeschmack getötet. Aber der Kaminofen, der war wirklich gemütlich. Ich freu mich schon auf morgen.

Montag, 4. Juni 2012

Nochmal vegetarisch

Nachdem ich in einem früheren Blog eine Untersuchung zitiert hatte, dass rotes Fleisch essen männlich und vegetarische Kost eher, na ja, "gemäßigt männlich" sei, hier etwas zur Versöhnung (und das schreibe ich nicht nur, weil ich durch die letzten vier Tage Festival-Kost einen winzigen Fleisch-Overkill habe): Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) hat vor Kurzem nämlich verkündet, dass die fleischlose Ernährungsweise immer mehr Akzeptanz in der Gesellschaft findet. "Das Bild des Vegetariers hat sich von "schräg, extrem oder weit weg von der eigenen Lebenswirklichkeit" zu "Trendsetter" gewandelt", so VEBU-Vorsitzender Thomas Schönberger in einem Internview mit dem Online-Portal lifestyle.t-online.de. Allerdings, und gleich vorab ein erneutes "Sorry Guys" an die fleischlos lebenden Jungs, sagt Schönberger auch, es gebe "eine ganz grobe Tendenz: Weiblich, jung, gebildet, städtisch und im Westen lebend - das ist die Speerspitze der vegetarischen Bewegung. Das ist nur eine Annäherung, aber eine grobe Achse, die zutrifft. Frauen sind am Thema Ernährung immer noch näher dran als Männer." Wie gesagt "Sorry Guys".

Sonntag, 27. Mai 2012

Gesprächsstoff: Du bist, was du isst?

Gestern waren wir bei Freunden zum Essen eingeladen. Irgendwann, als die Bäuche ebenso voll waren wie die Gläser, kam das Thema auf das Spiel "Gesprächsstoff". Das sind Karteikarten mit Fragen, von denen eine gezogen wird und die dann alle am Tisch sitzenden reihum beantworten müssen. Dadurch soll man Dinge, Ansichten und Denkweisen seiner Mitspeisenden erfahren, die einem sonst vielleicht nie zugetragen worden wären. Gut, es sei dahingestellt, ob ich unbedingt wissen muss, was die Lieblingstiere sämtlicher meiner Freunde sind oder welche aktuelle Erfindung sie für so gelungen halten, dass sie auch ein Besucher aus dem Jahr 2567 noch absolut abgefahren findet. Aber es kommen doch sehr spannende, lustige und rührende Geschichten zusammen. Achim hat ein ähnliches Spiel selbst entwickelt, "My friends' world", das uns auch schon so manchen großartigen Abend beschert hat. Leider gibt es bisher noch keine Gourmet-Version, in der nur Essens-Fragen gestellt werden. Doch ich bin überzeugt, dass die Einstellung zum Essen eine ganze Menge über den jeweiligen Menschen aussagt. So glaube ich, dass jemand, der sich Zeit nimmt zum Essen, eher auch einen Sonnenuntergang genießen kann als jemand, der ständig und ohne Not in zwei Minuten drei Cheeseburger in sich hineinstopft. Oder dass jemand, der sich sehr bewusst ernährt, auch achtsam in anderen Lebensbereichen ist. Das einzige Ernährungsgebiet, auf dem ich noch nicht zu einem klaren roten Faden gekommen bin, ist der Alkoholkonsum. Klar, gibt es die Profitrinker, die Wein aus Tetrapaks und Bier aus Plastikflaschen mit Schraubverschluss kippen. Aber bevor sie an der Flasche hingen - und vermutlich auch jetzt noch, da sie es tun - waren die meisten vermutlich keine schlechten oder dummen Menschen. Genau wie jemand, der alles über Weine weiß und stundenlang ein Glas Chateau Irgendwas zu einem Geigenkonzert auf CD genießen kann, kein liebenswerter, hilfsbereiter Kerl sein muss. Vielleicht hat er zig Kollegen mit Füßen getreten, um an die Stelle auf der Karriereleiter zu kommen, die es ihm ermöglicht, diesen sündhaft teuren Tropfen zu kaufen. Und,überhaupt, wenn er nett wäre, würde er den Wein dann nicht mit Freunden anstatt allein mit CD süffeln? Selbst Jacky-Cola-Trinker kann ich nicht mehr in die "Proll"- oder "Pubertierender"-Schublade stopfen, seit eine Freundin einen großartigen Partner hat, der mit Vorliebe eben genau dieses Zeugt in sich hineinschüttet. Ich brauche also dringend Hilfe in Form eines ausgeklügelten Food-Fragen-Katalogs mit gesondertem Getränketeil. Irgendjemand Lust?

Dienstag, 22. Mai 2012

Fleischeslust und Sojafrust?

Fleisch ist für Männer, Soja für Luschen. Das ist in etwa das Ergebnis einer Studie, die kürzlich im amerikanischen Journal of Consumer Research veröffentlicht wurde. Die Probanden wurden gefragt, mit welchen Wörtern und Metaphern sie verschiedenen Lebensmittel in Verbindung bringen. Ergebnis: Fleisch wurde im Gegensatz zu Milch, Soja oder Gemüse mit männlichen Begriffen bedacht. Mit rotem Fleisch werde der starke, muskulöse Mann in Verbindung gebracht, so die Forscher, während Soja mit "schwächlich" und "weich" assoziiert werde. Folglich werden fleischessende Männer als maskuliner eingeschätzt als Vegetarier. Kein Wunder, dass die Jungs quasi zum Salat essen geprügelt werden müssen. Aber glücklicherweise haben die Wissenschaftler auch einen schlauen Ratschlag dafür, wie man den Männern fleischlose Gerichte schmackhaft machen kann: Sojagerichte vorsetzen, die optisch an fleischhaltige Gerichte erinnern. Abr mal ganz ehrlich: Ich mag mir lieber nicht vorstellen, was passieren würde, wenn ich beim nächsten Fußball-Grill-Abend mit Sojasteaks ankäme.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Breaking News: Nutella ist gar nicht gesund!

Wenn ich Amerikanerin wäre, wäre ich jetzt reich. Ich bin nämlich bekennender Nutella-Junkie. Das war auch eine Frau in den Staaten... bis sie mit Entsetzen (und vermutlich 20 unerklärlichen Kilos mehr auf den Hüften) feststellen musste, dass der Schokoaufstrich gar nicht gesund ist, wie die Werbung vermuten lässt, sondern - im Gegenteil - quasi reines Fett. Debakel! Wer kann denn auch ahnen, dass etwas, das laut Nährwertangaben rund 55 Gramm Zucker und 31 Gramm Fett pro 100 Gramm enthält, ungesund sein könnte? Deshalb hat die um ihre schlanke Hüfte betrogene Lady Nutella-Hersteller Ferrero USA verklagt. Weil sie nicht die einzige Amerikanerin war, die die Nuss-Nougat-Paste für "ein ausgewogenes und schmackhaftes Frühstücks-Produkt" gehalten hatte, wurde daraus eine Sammelklage. Angesichts der drückenden Beweislast, dass die Werbebotschaft in den USA wohl nicht eindeutig genug war, gab Ferrero klein bei und willigte ein, rund 2,3 Millionen Euro Entschädigung zu zahlen. Zudem wurde eine Website eingerichtet, auf der darüber informiert wird, wie man sich seine kaputt gefressene Gesundheit in Dollar aufwiegen lassen kann: Wer bis 5. Juli eine Klageschrift einreicht (die Ferrero extra schon mal vorgeschrieben und zum Download bereit gestellt hat, denn Zucker macht aktuellen Studien zufolge nicht nur dick, sondern auch dumm), kann pro zwischen 2008 und 2012 gekauftem Glas Nuss-Nougat-Creme drei Euro Entschädigung einfordern. Drei Euro! Wenn ich mal grob überschlage, wass ich in diesem Zeitraum an Nutella verdrückt habe, käme ich auf einen Betrag, der locker einen Kleinwagen finanzieren würde. Nicht, dass ich einen bräuchte, aber, hey, man nimmt was man kriegt. Allein zu meinem 30. Geburtstag habe ich zehn Gläser geschenkt bekommen - und das in einem früheren Blog erwähnte Nutallika hätte bestimmt noch einen Sonder-Bonus für überdruchschnittliche körperliche Grausamkeit abgeworfen. Na ja, ich lebe nicht in den USA, muss Etiketten lesen, verstehen und Werbebotschaften selbst interpretieren, während die Amis sich von ihrer Nutella-Entschädigung Burger und Cola kaufen und sich im Fernsehen den angepassten Nutella-Spot anschauen, der ab jetzt wahrscheinlich irgendwie so lautet: "Nutella, die fetthaltige, zuckersüße Schokopampe, die dick macht, aber einfach geil schmeckt. ACHTUNG: Dieses Produkt ist nicht gesund, möchte aber gerne so wirken. Danke für Ihr Verständnis."

Sonntag, 6. Mai 2012

Griechischer Wein ... und Käse

Seit fünf Tagen sind wir in Griechenland, auf Chalkidiki, in Sarti. Das Meer ist türkis, die Sonne scheint unser Hotel Apollon Xenonas (zur Website) ist ein Traum und der Hotelbesitzer Babis ein noch viel größerer. Am Mittwoch letzter Woche hat er für uns und die beiden anderen Gäste mit ihren Kindern (es ist eindeutig Vorsaison hier) einen griechischen Abend mit Weinprobe veranstaltet. Der erste der fünf Weine war Retsina. Den Namen hatte ich schon gehört, getrunken hatte ich diesen Wein allerdings noch nie. Wenn schon griechisch, dann Ouzo. Der Retsina schmeckte sehr herb, was wohl, so erklärte uns Babis, auch daran liegt, dass er während der Gärung mit Harz versetzt wird. Es werde von den Pinien gesammelt, wenn sie weinen, erzählte unser Gastgeber. Das mit dem Harz (das vor dem Abfüllen in Flaschen wieder entnommen wird) kommt aus dem alten Griechenland. Damals hatte man den Retsina in Schläuchen aus Ziegenfell oder in Amphoren aufbewahrt, die mit Harz abgedichtet waren. Dadurch wurde er haltbarer – und bekam ganz nebenbei sein typisches Aroma. Eine schöne Idee, macht aber den Retsina für meine Kehle nicht so viel angenehmer.
Besser schmeckte mir da schon die Käseauswahl aus Ziegen-, Schafs- und Ziegen-/Schaf-Mix-Käse. Während in Deutschland Feta und griechischer Käse quasi Synonyme sind, wurde uns bei unserem Probeessen eröffnet, dass es mehr als 100 verschiedene Käsesorten in Griechenland gibt. Der Käse hat eine sehr lange Traditioin in Griechenland Angeblich soll sogar Odysseus auf seiner Odyssee ein paar Käselaibe in der Höhle des Zyklopen gefunden haben. Der Zyklop soll den Käse sogar selbst hergestellt haben. Dass es in Griechenland kaum Kuhmilchkäse gibt, liegt daran, dass Schafe und Ziegen viel besser mit der verkarsteten Landschaft zurechtkommen. Ein Gerücht, behaupte ich, da sie unserer Erfahrung nach mehr auf der flachen Fahrbahn als im felsigen Weideland herumstehen. Aber leckeren Käse bekommen sie trotzdem zustande. Auch, wenn ich mir leider keinen einzigen Namen der verkosteten Sorten merken konnte. Immerhin hat mich diese Käseprobe zu einem neuen Experiment inspiriert. Ich möchte – sobald ich wieder zuhause bin – meinen eigenen Feta herstellen. Gleich, nachdem ich die Küche mit Frischhaltefolie ausgekleidet und geruchssicher versiegelt habe. γεια σου und bis bald

Sonntag, 22. April 2012

Vom Blau- und Diät machen

Wenn sich Frauen von ihrem Partner trennen, müssen sie sich optisch verändern. Das ist genetisch und evolutionär so festgelegt. Meistens ist das, was sich ändert die Frisur. Und damit beginnt das Dilemma von Sängerin Katy Perry. Die ändert eh alle paar Wochen Schnitt, Länge und Farbe (aktuell: Schlumpfblau) - da bleibt nach der Trennung von Ehemann Russell Brand anscheinend nur noch eine Veränderungsoption: Abnehmen. Und weil Liebeskummer als solcher schon unangenehm genug ist, soll bei ihr das Abspecken wenigstens ein Minimum an Spaß bringen. Katy lässt sich ihre Fastenmahlzeiten vom Gourmet-Lieferanten Freshology (www.freshology.com). Da werden die Diätmahlzeiten für um die 50 Euro pro Tag direkt und jede Mahlzeit separat in unauffällige schwarze Taschen gepackt und wie Milchkannen früher vor die Tür gestellt. Die Promis müssen die eingetüteten Sternemenüs nur noch in ihrer Luxus-Mikrowelle aufwärmen. Fotos nach zu urteilen klappt das mit dem In-Form-Kommen ganz gut. Katy Perry hat nach eigener Aussage nur noch ein Problem: "Ich kann immernoch kein Seil hochklettern." Star sein ist echt ein Fluch.

Dienstag, 17. April 2012

Dosenhendl-Hobbythek: Mixgetränke für Fortgeschrittene

Ich dachte immer „Metallica“ sei hart. Doch dann habe ich „Nutallika“ kennen gelernt. Und das übertraf alles, was ich bisher an Härtetests überstehen musste.
Es war mein Geburtstag, der Kühlschrank war gefüllt mit Bier, Tonic, Fleisch für den Grill – und je einer Flasche Weißwein und Prosecco für die Mädels. Also die, die kein Bier oder Gin Tonic trinken, sprich: eine. Und weil Geburtstag auch Geschenke bedeutet, bekam ich neben T-Shirt, Blumen und einer Tasse auch ein selbstgebrautes Getränk: eben jenes verhängnisvolle "Nutallika", ein Mix aus zahlreichen Zutaten, darunter Zuckersirup, Rum und Nutella, die mehrere Erhitzungs-, Misch- und Abkühlvorgänge durchlaufen hatten. Nutella war eine absolute Pflichtzutat in den Augen der Schenkenden. Nicht zu Unrecht, denn ich bin ein dermaßen großer Verfechter des Original-Nuss-Nougat-Aufstrichs, dass ich sogar schon Blindverkostungen veranstaltet habe, um zu beweisen, dass man es aus sämtlichen Konkurrenzprodukten herausschmecken kann (hat auch geklappt). Entsprechend übereuphorisch reagierte ich, als mir die Bügelverschlussflasche mit dem harmlos nach Kakao aussehenden Nutallika überreicht wurde. Die erste Runde wurde ausgeschenkt und die Kehlen hinuntergestürzt. In Schnapsgläsern natürlich. Das Wunder: Es schmeckte. Richtig gut sogar. Wie flüssiges Nutella mit einem Hauch Würze. Alkohol? Keine Spur! Die nächste Runde folgte. Die Begeisterung wuchs ins Unermessliche. Die Flasche kreiste.
Dabei vergaß die Partygesellschaft leider eine Hauptregel der Alkoholpanscherei: Keep it controlable. Sprich: Solange man kein gelernter Barkeeper ist, sollte man nur Mixgetränke herstellen, die aus zwei Komponenten, davon mindestens eine antialkoholische, bestehen. Radler beziehungsweise Alsterwasser, Gin Tonic, Rum Cola, Aperol Sprizz … da weiß man, das passt zusammen und kann abschätzen, was die Kombi im eigenen Körper anstellt. Nicht so bei „Nutallika“. Ganz ehrlich: Ich würde jeden Kater gegen das eintauschen, was am nächsten morgen in meinem Magen herumklumpte. Es fühlte sich an als hätte ich ein komplettes Glas Nutella auf einmal geschluckt - ohne das Glas vorher zu entfernen. Ein sehr suboptimaler Zustand, der glücklicherweise nur ein paar Stunden anhielt. Das nächste Mal trinke ich trotzdem nur aufrichtige Getränke, die die Folgen haben, die man von ihnen erwartet. Einen Kasten Bier bekommt man schließlich auch nachts um vier noch an der Tankstelle.

Sonntag, 15. April 2012

Coq au Vin: Das Dosenhendl deluxe

Til Schweiger ist sowas von raus. Sein feinsinnig humoristisch als "Kokowääh" bezeichnetes Gericht, das er in der gleichnamigen Filmromanze zusammenkloppt, kann er ungekaut in die Tonne kippen. Achim hat gestern nämlich ein Rothweinhähnchen gebruzelt, das ich jederzeit einem Til Schweiger vorziehen würde. Ob Film oder real. Und erst recht allem Essbarem, an dem Til Schweiger seine Finger hatte. Wenn er so kocht wie schauspielert ... na ja, egal. Ist, wie essen auch, Geschmackssache.

Der Coq au Vin, inzwischen als eine Art intellektuelle Variante des Dosenhendls anzusehen, hatte jedenfalls nicht immer Starqualitäten. Im Gegenteil: Lange Zeit galt es als Arme-Leute-Essen. Denn Geflügel war pflegeleicht, einfach aufzuziehen und quasi schon vorportioniert. Weil Hahn im Gegensatz zu Huhn etwas trockeneres Fleisch hat (und man ihn nicht zum Eierlegen brauchen konnte), badete man den Sonntagsbraten in Flüssigkeit, um nicht beim ersten Bissen anzufangen Staub zu spucken. Und das Alltagsgetränk im Geburtsland des Coq au Vin, in Frankreich, war nun einmal Wein. Mit diesen beiden Zutaten - Hahn und Wein - ist das Grundrezept auch schon erzählt. Was man sonst noch an Gemüse in den Topf kippt, bleibt jedem selbst überlassen. Wir hatten Karotten, Champignons, Zwiebeln und Speckwürfel drin - nur Gemüse zum Fleisch ist ja auch langweilig. Es war großartig, ein echtes Festessen.

Allerdings habe ich heute bei der Recherche für meinen Blogeintrag feststellen müssen, dass wir gegen fast alle französischen Coq-au-Vin-Grundgesetze bis auf das mit dem "Hahn und Wein" verstoßen haben. Die lauten nämlich:

- Es soll ein ganzes Tier zubereitet werden (unseres war geviertelt, sonst hätte es nicht in den Topf gepasst)

- Neben Wein ist zwingend die Verwendung von regionalen Spirituosen vorgesehen (in unserem Falle wäre das vermutlich "Küstennebel" gewesen, wir haben irgendeinen Cognac reingekippt)

- Der Hahn soll auf keinen Fall in minderwertigem Wein zubereitet werden, sondern mit dem Wein, der auch zum Essen getrunken wird (hahaha, ich bin doch nicht bescheuert! Ich halte mich lieber an die Aschenputtel-Variante: Den Fusel ins Töpfchen, den guten ins Kröpfchen)

- Zum Coq au Vin wird Baguette gegessen (hatten wir schon zum Frühstück, deshalb gab es Kartoffeln)

Man kann also selbst bei einem Arme-Leute-Gericht einiges falsch machen, wenn es aus Frankreich kommt. Kein Wunder, dass Sarkozy in so viele Fettnäpfchen getreten ist bei seinen Landsleuten, wenn die quasi flächendeckend aufgestellt sind und sogar vor Beilagen zu Geflügel nicht Halt machen. Die Fettnäpfchen, nicht die Landsleute.

Egal, nach eingehender Prüfung der Klingelschilder unserer Nachbarhäuser kann ich erleichtert vermelden: Kein französisch klingender Name, die Revolution wegen dilettantisch zubereiteten Coq au Vins wird vorerst nicht steigen. Hoffentlich aber eine weitere Auflage des Rotweinhendls à la Achim. Ich könnte ja schon wieder...

Donnerstag, 12. April 2012

Sau(er) lustig hier

Rhabarber ist ein anspruchsvolles Gemüse. Nicht, weil er so zimperlich ist und wegen jedem Erdkrümel, der nicht dort sitzt, wo er hingehört, eingeht. Eher, weil er einen Knoten in der Zunge verursachen kann. Das Wort Rhabarber allein, übrigens vom lateinischen Wort Rheum rhabarbarum abgleitet, das „ausländische Wurzel“ bedeutet und den gleichen Wortstamm wie der „Barbar“ hat (was den Hang zum Zungequälen erklärt), ist ja mit etwas Übung noch aussprechbar. Mit dem korrekten Schreiben wird es schon schwieriger: Wo war nochmal das „h“ und waren es drei oder doch nur zwei „a“?
Oral herausfordernder wird es entweder dann, wenn man reinbeißt, ohne den Stiel in Zucker getunkt oder gleich zu Kompott verkocht zu haben. Oder wenn man den Pflanzennamen mit ähnlich klingenden Worten kombinieren muss oder aus unterhaltungstechnischen Gründen will.
Ersteres ist leicht gemacht, vor allem, wenn man dank der unglaublich kompetenten Farb-Geschmacksskala von nestlé die ganz sauren Stecken schon vorab aussortieren kann. Die charakterisiert den Rhabarber nämlich folgendermaßen:
Grünstielig, grünfleischig bedeutet „stark sauer“, rotstielig, grünfleischig heißt „herbe Säure“ , rotstielig, rotfleischig verheißt „zartes Himbeeraroma“.
Diese an sich gut gemeinte Hilfestellung führt aber direkt zum zweiten oralen Unfallrisiko: man braucht nur einmal zu versuchen, obenstehenden Satz dreimal hintereinander so schnell wie möglich ohne Verhaspeln auszusprechen und weiß, warum.
Noch anspruchsvoller wird es beim YouTube-Clip „Rhabarberbarbara“, der mit abenteuerlichen Konstruktionen wie „rhabarberbarbarabarbarbarenbartbarbierbierbarbärbel“ aufwartet, die im Wortspiel-Verlauf nicht ganz so sinnlos sind wie sie hier herausgelöst erscheinen. Noch lustiger werden solche Zungenbrecher, wenn das Sprechorgan schon vorab auf Betriebstemperatur getrunken, während die Gehirnfunktion durch einen sanften Alkoholnebel etwas gebremst wird. Und womit? Natürlich mit Rhabarberschnaps. Und laut einem Rezept auf www.kochbar.de macht man den so:
Rezept für 10 Personen:
2 Liter Rhabarbersaft
750 Milliliter Korn
5 Tüten Vanillezucker
1. 200 Milliliter Saft aufkochen, den Vanillezucker darin auflösen
2. Die restlichen Zutaten in den Topf schütten
3. Erst in Gläser, dann in den Schädel kippen
4. Zungenbrecher möglichst schnell vortragen
5. Beweis erbracht haben: Sauer macht tatsächlich lustig

Dienstag, 10. April 2012

Frauen sind gut für die Umwelt

Dass Frauen besser Multitasken können als Männer, wussten wir schon. Dass Sie besser gleichzeitig denken und fühlen können, auch. Dass sie aber obendrein noch besser für die Umwelt sind, das hat jetzt eine Studie der Universität Halle herausgefunden.
Die Forscher haben die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie ausgewertet, für die rund 20.000 Menschen befragt wurden. Dabei kam erstmal etwas dank diverser Frauenzeitschriften und Beziehungsratgebern Altbekanntes heraus: Frauen essen weniger Wurst und Fleisch, dafür mehr Gemüse und Obst. Dieses Essverhalten erzeugt weniger Treibhausgase, weil Äpfel, Birnen und Gurken nicht pupsen - und angeblich verbrauchen Frauen mit ihrer Diätkost auch weniger Fläche. Ein Baumstamm ist eben platzsparender als ein Kuhkörper - zumindest für ein paar Jahrhunderte. Würden sich alle Männer wie Frauen ernähren - und das war mir neu - würde eine Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins frei. Auf die wir Frauen dann noch mehr Obstbäume und Kopfsalat pflanzen können. Stellt sich mir allerdings die Frage, ob das mit dem Treibhausgase einsparen tatsächlich noch zutreffen würde, wenn die Männer sich wie Frauen ernähren können. Ihr Verdauungstrakt ist ja blähendes Gemüse nicht gewohnt... aber so gibt das dem Angrab-Spruch "Baby, ich bin ein echter Stier im Bett" eine ganz andere Bedeutung.

Mittwoch, 4. April 2012

Blumen kann man essen, oder?

Weil Ostern vor der Tür steht und der Frühling zumindest auf dem Kalender schon mitten im Wohnzimmer sitzt, hatte Achim mir zur Würdigung dieser beiden Ereignisse (und meiner Wenigkeit) einen Strauß Tulpen mitgebracht. Der thronte in einer Vase auf dem Esstisch als Freunde von uns zum Grillen kamen. Als wir eine Weile um die Blüten herum gegessen und –getrunken hatten und im Mund wieder Platz für Worte war, kam die Frage auf, ob man Tulpen eigentlich auch essen könne. Wir Mädels waren der Meinung, dass theoretisch doch eigentlich alle Blumen essbar sein müssten. Ist ja nix drin außer Wasser und ein paar Duftstoffe. Die Jungs waren da skeptischer. Also habe ich nachgeschaut. Und tatsächlich: Es gibt giftige Blumen, unter anderem Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und Scharfen Hahnenfuß (der böse Bruder des Dosenhendls). Auch von Blumen aus dem Blumengeschäft sollte man die Zunge lassen, da sie häufig mit Pestiziden behandelt wurden. Selbstgezogene Exemplare aus dem Garten oder vom Fensterbrett namens Rose, Holunder, Kamille, Lavendel, Stiefmütterchen oder Ringelblume können dagegen nach Herzenslust über Torten, in Aperitifs, Salate und Suppen gekippt werden. Man kann sich seine Speiseblumen sogar online bestellen, wenn man nicht warten möchte, bis die Samen und Zwiebeln endlich zu Pflanzen geworden sind. Tulpen, um die ursprüngliche Fragestellung zu beantworten, sind beides: gute und böse Blumen. Die Zwiebeln sind giftig, die Blätter genießbar. Wenn also jemand vergessen haben sollte für die Osterfeiertage einzukaufen, kann er auch ein bisschen an der Blütendeko knabbern. Aber nur obenrum.
Frohe Ostern!

Samstag, 31. März 2012

Ich will ja nichts sagen, aber gehört das so...?

Es gibt gute Beifahrer und schlechte. Die guten halten einfach die Klappe und gegebenenfalls sich selbst am Türgriff fest. Die schlechten bereichern die Fahrt mit Kommentaren wie "Ich glaube, du kannst jetzt in den vierten Gang schalten", auch wenn man Automatik fährt, "Du hast gesehen, dass da vorne eine Ampel kommt?" oder - die schlimmste Sorte - zucken die ganze Zeit mit ihren Pratzen Richtung Lenkrad oder bremsen auf dem Boden mit oder besser: vor, wenn sie es für angemessen halten, dass der Fahrer genau jetzt die Geschwindigkeit reduziert.
Fast noch nervtötender als schlechte Beifahrer sind schlechte Beikocher. Ein besonders hartnäckiges Exemplar hat sich letztens in die Küche meiner Freundin verirrt und die seine Beziehung mit ihr beendet bevor sie überhaupt angefangen hatte.
Dabei hatte sie eigentlich alles richtig gemacht und sich an die alte Nichthausfrauen-Regel gehalten: "Wenn jemand kommt, bei dem du aufgeregt bist, aber trotzdem einen guten Eindruck hinterlassen willst, koche etwas Idiotensicheres." Es gab also Gemüsepfanne mit Nudeln. Und das Unglück nahm seinen Lauf. Schon als sie die Champignons aus der Plastikschale nahm, bemerkte er, dass sie unbedingt die Stiele entfernen müsse, da die Pilze sonst bitter werden könnten und man Champignons auf keinen Fall waschen, sondern nur bürsten dürfe, um ihren Geschmack nicht zu verwässern. Bei den Tomaten provozierte er eine hitzige Diskussion, ob man sie erst in Scheiben und dann in Würfel oder erst in Schiffchen und dann in Würfel schneidet und als das Nudelwasser kochte erklärte er, dass er es immer schade fände, wenn die Pasta nicht selbst gemacht sei, wo das dosch so einfach und so viel schmackhafter wäre als die harten Dinger aus der Packung. Eskaliert ist die Situation dann nachdem er nach einer halben Stunde Vortrag über die Rotweinanbau-Gebiete Frankreichs (sie tranken Pinot Grigio, den sie selbstverständlich mit einem völlig indiskutablen Korkenzieher geöffnet hatte)nahtlos überging zu einem Plädoyer für Fleur de Sel und gegen ihren schnöden Kochsalzstreuer. Sie hat ihm den Inhalt seines Tellers mehr oder weniger zielgenau in die linke Jackentasche gekippt, geschrien, er könne ja unterwegs essen, sie wolle ihn hier nicht mehr sehen und ihn vor die Tür gesetzt. Liebe geht eben doch immer durch den Magen - so oder so. Ich jedenfalls habe den Laptop, an dem Achim immer sitzt und einfach nichts sagt, wenn ich einen meiner seltenen Kochanfälle bekomme, noch nie so gemocht wie jetzt.

Montag, 26. März 2012

Open-Air Eating

Das Hoch Harry macht den Weg frei - für Eranos, für Prandium oder - für alle nicht Alt-Griechen und -Römer, fürs Picknick. Das Essen draußen gibt es nämlich unter obigen Bezeichnungen schon in der Antike. Allerdings hatt das Essen im Freien damals eher pragmatische als romantische und soziale wie heute. Wer das heutige Wort "Picknick" erfunden hat, darüber streiten sich die Franzosen ("pique"= aufpicken, "nique"= Kleinigkeit)und Engländer (ein Lord bezeichnete eine Versammlung - ohne Essen - als "picnic"). Letztere sind seit jeher große Picknikcer: Queen Victoria speiste quasi nur im Freien und auch der klassische Picknickkorb ist eine Erfindung der Angelsachsen. Der hat solch praktische Vorrichtungen wie Anschnallgurte für Teller, Fächer fürs Besteck und einen Haufen Platz für allerlei Häppchen, die dank diverser Frauenzeitschriften immer ausgefallener werden. Statt Essiggurken, Würstchen und Kartoffelsalat kommen jetzt Wraps mit Putenschinken, Paprikaschinken und Honig-Dijon-Senf, Miniquiches, Tomatenmuffins und Chilibällchen mit Raukequark auf die Karodecke. Auch Bier hat als Picknick-Getränk ausgedient. Der Picknicker von Welt schlürft heutzutage selbstgemachte Salbei-Minz-Limonade. Fehlt eigentlich nur noch, dass jemand eine Eismaschine aus dem Korb fummelt und anfängt, sein Nachtisch-Sorbet anzurühren. Wer lieber schriftstellerischen Ergüssen lauscht als sich mit seinen Mit-Picknickern zu unterhalten und das Mitgebrachte auf einem Teppich klangvoll-geschliffener Worte verspeisen möchte, der kann zum Literarischen Picknick gehen, einem Lesefest in Berlin-Kreuzberg. Wer Musik als Hintergrundrauschen bevorzugt, kann zum Festival "Melt!Picknick" und wer Fleisch nicht nur auf dem Teller, sondern auch auf dem Spielfeld mag, kann sein Picknick in Münster beim Polo einnehmen.
Mir ist es ja am liebsten, wenn ich bei meinen Picknicks Gras unter dem Hintern, Wasser vor der der Nase und nette Leute um mich herum habe und jeder irgendwas zu Essen mitbringt. Ein ganz wichtiges Utensil habe ich von einer Freundin aus München bekommen: einen rot-weiß-gestreiften Mini-Salzstreuer mit blauen Blumen, den man rieselfest verschließen kann. Für die hart gekochten Eier. Mehr braucht man nicht. Mahlzeit!

Mittwoch, 21. März 2012

Teig doch mal

Letztens hat Steffen Henssler bei "Lanz kocht" ziemlich einstecken müssen. Er hat eine Kartoffelpizza gemacht, aus Blätterteig mit Kartoffelscheiben und Südtiroler Speck, die bei seinen Starkoch-Kollegen gar nicht gut ankam.
Ich habe mich sehr gefreut. Nicht, weil ich Steffen Henssler nicht mag, sondern weil ich für ein Gericht von meinem Esser Lob bekommen habe, das der Profikoch nicht zur Zufriedenheit der Esser hingekriegt hat.
Allerdings besteht meine Kartoffelpizza nicht aus Blätterteig mit Kartoffelgarnitur, sondern aus Kartoffel-Parmesan-Teig, der dann nach Herzenslust und Gusto belegt werden kann. Vielleicht hätte Steffen Henssler auch eine Pizza aus Kartoffelteig gemacht, wenn er gewusst hätte, wie unglaublich beliebt Kartoffelteig ist. Sogar ein Patent für Spezialkartoffelteig mit Proteinanreicherung ist beim zuständigen Amt in der Schweiz angemeldet worden - um die Südtiroler Schlutzkrapfen noch gehaltvoller zu machen. Ein anderer Tüftler hat in den USA ein Patent für eine Kartoffelteig-Formmaschine angemeldet: Sie besteht aus Kammern samt
Antriebsstangen, die sich in den Kammerkolben erstrecken. Der Kartoffelteig wird dann durch die Zwischenräume gepresst und unten mittels eines sich wie ein Scheibenwischer bewegendes "Schneidorgan" (so der Patenttext) in mundgerechte Stücke geteilt. Schließlich ist Kartoffelteig ja nicht nur für Pizzen und Schlutzkrapfen da, sondern auch für Schupfnudeln und Gnocchi. Und die sollen hübsch kompakt in den Mund passen.
Weil es vor Kurzem aber hier schon einmal ein Gnocchi-Rezept gab, kommt jetzt die Kurzversion meines Kartoffelpizza-Rezepts aus dem Buch mit dem überraschenden Titel "Kartoffel" vom Mosaik Verlag:

1,2 kg mehligkochende Kartoffeln
100 g geriebenen Parmesan
200 g Mehl
6 EL Olivenöl
etwas Salz und Pfefer

Kartoffeln kochen, durch eine Presse drücken, mit Mehl, Parmesan und Öl zu einem geschmeidigen Teig verkneten, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zu einer etwa fausthohen Rolle formen und in ca. 1,5 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Scheiben auf ein Backblech legen, eine leichte Delle in die Mitte drücken (Pizzaform eben) und nach Belieben belegen.

Montag, 19. März 2012

Es Grün(kern)t so grün

„Warum Laufen erfolgreich macht und Grünkernbratlinge nicht“ – so heißt ein Buch eines von mir sehr geschätzten Laufexperten. Vielleicht hat er recht damit, dass Grünkernbratlinge nicht erfolgreich machen, aber Grünkernbratlinge erfolgreich zu machen (und zu essen), ist ja auch schon was, finde ich. Nachdem ich das letzte Mal irgendwas Konsistenzschaffendes vergessen habe in die Grünkernmasse zu schütten (Baubeton, zum Beispiel)und das Ganze eine eher Knetmasse-mäßige Veranstaltung geworden ist, habe ich heute meinem Freund wieder das Küchenruder und die Grünkern-Rührschüssel überlassen. Und siehe da: Ein Traum von Grünkernbratlingen kam da aus der Pfanne - auch, wenn Achim nach dem ersten Bissen fragte: "Ist das jetzt lecker oder nur gesund?". Und tatsächlich klingt die Bezeichnung „Grünkern“ so überzogen öko, dass man eigentlich nicht davon ausgehen kann, dass das Zeug besser schmeckt als ein Weizengras-Drink - obwohl der vielleicht erträglich wäre, wenn man das Gras wegließe und nur das Weizen tränke. Noch überraschender ist die Schmackhaftigkeit der Bratlinge, wenn man weiß, dass Grünkern halbreifer gerösteter Dinkel ist. Dass er halbreif geerntet wird, ist einer Hungersnot geschuldet – oder besser: deren Drohen. Weil vor mehreren Jahrhunderten ein schlimmes Unwetter dem halbreifen Getreide arg zusetzte und es so zu Boden drückte, dass es zu verderben drohte, schnitten die Bauern die Ähren vorzeitig ab und trockneten das durchweichte Korn über dem Feuer. Weil das damit gebackene Brot so gut schmeckte, packten die Leute das halbreife Röstgut auch gleich noch in die Suppe. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg des Grünkerns, der damals wahrscheinlich noch nicht Grünkern hieß - und in den 1860er-Jahren war das Röstgetreide dann so beliebt, dass eigene Darren für dessen Herstellung gebaut wurden. Weil Grünkern nach seinem Anbaugebiet auch badischer Reis genannt, also von Schwaben kultiviert wird, ist es nicht verwunderlich, dass nichts weggeworfen, sondern alles weiterverarbeitet wird. So füllt man die Spelzen beispielsweise in kleine Kissen, denen eine den gesunden Schlaf fördernde Wirkung nachgesagt wird. Sogar einen Eintrag in www.slowfood.de, der Arche des guten Geschmacks, hat Grünkern inzwischen bekommen. Im Odenwald gibt es ein Grünkern-Museum und einen Grünkern-Radweg. Irgendwie hat das Getreide also doch mit Sport zu tun. Obwohl ich den fränkischen Bierwanderweg kulinarisch gesehen doch reizvoller finde.

Freitag, 16. März 2012

Bier - einfach mal gären lassen

Deutschland ist Bierland. Jede dritte Brauerei, weltweit gerechnet, steht in der Bundesrepublik. Allein damit, von jeder dieser Manufakturen ein Bier zu probieren, würde mehr als 13 Jahre dauern. Profi-Trinker und Festival-Besucher würden es vielleicht auch in der Hälfte der Zeit schaffen, könnten sich allerdings an die meisten Biere mengenbedingt nicht mehr erinnern, sodass sie nach Beendigung des Experiments direkt wieder von vorne anfangen müssten. Sie wären also doch wieder bei 13 Jahren – aber deutlich mehr Gesamtpromille. Wie viel Umdrehungen ein Bier hat, ist für seine Sortenbezeichnung übrigens völlig unerheblich. Selbst ein Vollbier heißt nicht wegen seiner Wirkung auf den Trinker so, sondern aufgrund seiner Stammwürze. Besagtes Vollbier hat elf bis 14 Prozent und liegt damit auf Platz zwei hinter dem Starkbier mit mehr als 16 Prozent. Ein Schankbier hat sieben bis acht Prozent Stammwürze, ein Einfachbier nur zwei bis fünfeinhalb. Gemessen wird der Stammwürze-Gehalt, also alle nicht flüchtigen Inhaltsstoffe vom im Wasser gelösten Malz- und Hopfenanteil vor der Gärung, in Grad Plato auf jeweils 100 Gramm Bier (Wissenschaftler sind wahrscheinlich die einzigen, die auf die Idee kommen, Bier in Gramm zu messen. Diese nicht vergorenen Inhaltsstoffe sind zum Großteil Zucker,der während des Gärprozesses in Kohlendioxid und Alkohol umgewandelt wird. Nur rund 1/3 bleibt als Restzucker und nicht vergärbare Fitzelchen erhalten. Wenn man die Grad Stammwürze durch drei teilt, weiß man ungefähr wie viel Vol.-% Alkohol im Bier stecken. Randgruppen, die Bier lieber zum Rechnen als zum Trinken verwenden, ergötzen sich gerne auch mal an der großen Balling’schen Formel:
100 [(2,0665 A) + E]
—————————————————
300 + „Grad Stammwürze“ x 0.267 = Vol.-% Alkohol
Legende:
A = im fertigen Bier enthaltener Alkohol (in Gew.-%)
E = im fertigen Bier enthaltener, nicht vergorener Stammwürzeextrakt (in Gew.-%)
St = im nicht vergorenen Bier enthaltener ursprünglicher Stammwürzeextrakt (in Gew.-% = Grad Plato)

Aber, ganz ehrlich, wer will das schon? Das wäre, als wenn man sich ein 4.000-Euro „ich brenne alles nieder was bei drei nicht den Planeten verlassen hat“-Grill-Eldorado von Weber auf die Terrasse stellt und dann den Sommer damit verbringt auszurechnen, wie viele Rinderherden man mit X Flaschen feinsten Grillgases in welcher Zeit zu Steaks verbruzzeln hätte können während sich die Gartenspinnen über ein 1a-Baugerüst für ihre Netze freuen, weil der Rost kalt bleibt. Rechnen ist Pilates fürs Hirn – keiner weiß so richtig was es soll, aber alle machen ein wichtiges Gesicht dabei. Wenn die grauen Zellen schon gefordert sein wollen, dann bitte im Kampf gegen den Alkohol; nicht beim soften Hin- und Hergeschiebe theoretischer Werte, die eh keinen interessieren außer der Lebensgefährtin, die sie am nächsten Tag dazu missbraucht einem vorzurechnen, warum man einen solchen Schädel aufhat. Ganz ehrlich: Wenn einen dieser Zusammenhang interessieren würde, wäre man mit einem Alkomaten zusammen gezogen.
Schon eher interessant ist die Abhängigkeit der Biersteuer von der Stammwürze. Wenn man sich schon nach drei Halben den Gegenwert eines Mittelklasse-Neuwagens durch die Leber und direkt in die Kassen des Fiskus gejagt hätte, würde das Trinken ja schon währenddessen keinen Spaß machen, nicht erst am nächsten Morgen.
Berechnet wird der Regelsatz der Biersteuer je Grad Plato pro Hektoliter – und zwar mit 0,787 Euro. Ein Hektoliter Vollbier kommt auf ungefähr 9,44 Euro Steuer, also 1,9 Cent pro 0,2 Liter. Hochgerechnet auf eine Größe, die auch im Süden Deutschlands als Biergefäß anerkannt ist, sind das fast fünf Cent pro Hopfenkaltgetränk. Das klingt wenig. Ausgehend von der durchschnittlich anzunehmenden Bierverzehrmenge eines mittelmäßig trainierten Wiesn- oder Rockfestivalbesuchers kommt jedoch so pro Wochenende schon fast wieder der Kaufpreis eines Humpens zusammen, der ungetrunken ans Steueramt wandert. Aber gut, Freude soll man ja teilen. Und wenn man sich schon die inneren Organe kaputt macht, dann wenigstens mit guten Freunden und einer ordentlichen Party als durch Ärger, der im Bauch gärt.
Das Gären soll lieber das Bier übernehmen. Das ist auch so rücksichtsvoll, diesen Prozess in der Flasche oder im Fass zu vollziehen. Ob ein Bier ober- oder untergärig ist, hängt von der verwendeten Hefe ab. Obergärige Hefe schwimmt nach dem Brauvorgang auf dem Sud, so dass die Kolonien ohne Probleme abgeschöpft werden können. Bei untergäriger Hefe muss der Braumeister entweder passionierter Taucher sein – oder die Hefe eben unten am Kesselboden lassen. Das einzige obergärige Bier, das auch die Bayern als Bier durchgehen lassen, ist das Weißbier. Kölsch, Alt und Berliner Weiße werden von Bewohnern Süddeutschlands eher in die Kategorie „A geh“ (Tu‘ das Zeug weg) oder „greislig“ (geschmacklich optimierungsfähig) eingeordnet. Dass der Bayer so an seinem „Weizen“ hängt, liegt vermutlich auch daran, dass er es quasi von Kindesbeinen an kennt – den Kindesbeinen des Bieres, nicht der eigenen. Denn bevor es ein ausgewachsenes Weizen wird, wird das Jungbier, das in Deutschland mindestens zur Hälfte aus Weizenmalz hergestellt werden muss, erstmal in die Flasche geschickt. Dort reift es, wird mit Würze veredelt und am Ende liebevoll filtriert bevor es dem Höhepunkt (und dem baldigen Ende) seines schäumenden Lebens in einem schlanken, hohen Glas entgegenfließt. Das hat diese spezielle Form, damit die im Bier enthaltene Kohlensäure nach oben steigen kann und das Bier länger spritzig und frisch bleibt. Profis schenken die komplette Portion ohne Absetzen ab. Der Trick: Die Flasche so halten, dass die Hefe erst spät aufgewirbelt wird und nicht sofort Schaum erzeugt. Und: Weißbier schmeckt nur richtig kühl.
Kälte mögen auch untergärige Biere wie Helles, Pils, Lager und Schwarzbier gern. Und zwar schon bei ihrer Entstehung. Während obergärige Hefe nämlich am besten bei Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad arbeitet, läuft untergärige Hefe bei vier bis neun Grad zu Hochform auf. Betritt man also einen Gärkeller, in dem man leicht fröstelt, wird dort ziemlich sicher untergäriges Bier hergestellt. Weil im Rheinland wegen des milderen Klimas nur selten Eis und Frost hatten, war die untergärige Hefe quasi im Dauerstreik und die Bewohner dieses Landstrichs mussten sich mit Kölsch und Alt begnügen, das sie (aus welchen Gründen auch immer) in winzige Gefäße kippten. Die Bayern und Württemberger dagegen wussten gar nicht wohin mit dem Schnee, also benutzten sie ihn, um die Hefe zu Meisterwerken wie dem hellen Bier zu motivieren.
Ein Spezialfall ist das Bock- oder Starkbier. Es gibt ober- und untergärige Sorten. Alle haben jedoch eine sehr dickflüssige Maische, dem Brei wird nur wenig Wasser zugesetzt. Sie sind schwer und kalorienreich. Eine Unterkategorie, den Doppelbock, nutzten im 17. Jahrhundert die Paulanermönche deshalb gezielt als Nahrungsersatz in der Fastenzeit. Eher versehentlich entstand eine andere Bockbier-Art, der Eisbock. Ein Braugeselle im oberfränkischen Kulmbach soll der Überlieferung nach zu faul gewesen sein, die draußen gelagerten Fässer kurz vor Feierabend noch nach drinnen zu rollen – mit dem Ergebnis, dass deren Inhalt gefror. Der zürnende Meister zwang den Gesellen am nächsten Morgen, zur Strafe die Eisblöcke aufzuschlagen und das Konzentrat aus Alkohol und anderer Bierbestandteile, das sich im Inneren angesammelt hatte auszutrinken. Dass die Strafe gar nicht so grausam war belegt die Tatsache, dass es den Eisbock noch heute gibt.

Montag, 12. März 2012

Pulled Pork: Da fliegen die Fetzen

Pulled Pork ist kein Essen, Pulled Pork ist eine Mission. Dabei ist es - wörtlich genommen - einfach nur zerfleddertes Schweinefleisch. Grill-Connaisseure zelebrieren dessen Zubereitung regelrecht. Garzeiten von bis zu 16 Stunden sind ganz normal - und dem Anlass natürlich mehr als angemessen. Kein Wunder, dass das Pulled Pork in seinem Heimatland USA meist den krönenden Abschluss eines kompletten Grilltages darstellt: Während das Schweinchen weichgegrillt wird, haut sich die Familie schon mal hemmungslos Würstchen und Kartoffelsalat rein, damit auch ja jeder pappsatt ist, wenn es an die Gourmet-Grillage geht. Noch unverständlicher ist, dass es komplette You-Tube-Videotheken mit Tutorials zur richtigen Zubereitung von Fledderfleisch gibt - inklusive detaillierter, milligrammgenauer Angabe der Zusammensetzung für den Rub, mit dem die Delikatesse eingerieben wird, bevor sie aufs Feuer kommt, dann stundenlang gegrillt, die Kerntemperatur überwacht und das Fleisch gefeudelt wie ein frischgeschlüpfter Säugling wird. Es sogar verschiedene Arten wie Tennessee-Pulled-Pork mit Fleisch aus verschiedenen Schulterstücken oder im North-Carolina-Style gibt, wo mehr oder weniger das komplette Schwein gegrillt und auseinandergezupft werden kann. Und dann wird das mühsam zubereitete Stück Schwein und mit ihm aller Zubereitungs-Mythos in ein billiges Burger-Brötchen geklatscht und mit in Sahne oder sonstwas Fettreichem, Milchig-Weißen schwimmenden Krautsalat erstickt. Wenn das den Geschmack noch nicht vollkommen getötet hat, spritzt man Fertig-Barbecue-Soße aus der Mega-Flasche vom Discount-Supermarkt um die Ecke drauf. Ein paar E-Nummern können ja nicht schaden.
Ein wenig gnädiger gehen die Mexikaner mit ihren gestückelten Schweinen um, die dortzulande "Cochinita pibil" heißten. Sie kippen Zitrussaft drauf, schlagen die Fleischstücke in ein Bananenblatt ein und rösten sie; die Italiener bereiten ihr knochenloses Schwein mit einer großzügigen Portion Salz, Knoblauch, Rosmarin, Fenchel und Kräuter zu und nennen es "Porchetta". Wahrscheinlich isst man das auch im Brötchen, aber in Italien hat ja sogar schnödes Weißbrot irgendwie Stil.
Wir haben zum Angrillen vor ein paar Tagen trotzdem die US-Variante ausprobiert, ein Essen, auf das man seit dem Morgen wartet, muss ja ein wenig Substanz haben. Das erste Schweinchen wollte sich noch nicht so richtig vom Knochen ziehen lassen, weil es sich nur sechs Stunden auf dem Grill suhlen durfte. Es wurde aufgrund nicht mehr unterdrückbarer Fressgrantigkeit vor allem seitens der weiblichen Gäste kurzerhand in eine Art Steak umgewandelt. Das zweite hat sich toll pullen lassen - allerdings haben wir davon kaum noch was in die prallen Bäuche bekommen lassen, weil da schon sein Vorgänger drinlag. Aber so ein Ferkel schmeckt ja auch zum Frühstück. Sehr gut sogar.

Donnerstag, 8. März 2012

Riesenblasen? Ein Abgesang auf den Kaugummiautomaten

Kann mir jemand sagen, wo all die Kaugummiautomaten hin sind? Früher waren die an jeder Ecke gehangen: Über dem Fahrradständer beim Metzger, am Kino neben dem Außen-Plakatkasten, vor dem Supermarkt und an der Eisdiele sowieso (wer schon mal sein Spaghetti-Eis mit den bunten Kügelchen zu verfeinern versucht hat weiß, warum die Automaten zumindest dort nicht mehr hängen). Inzwischen findet man sie nur noch in Aushilfsjobs: Als Erdnuss- und M&Ms-Ausspucker in Kneipen oder befüllt mit Sexspielzeug-befüllten Plastikbällchen auf Gastronomie-Toiletten. Wo sind die Automaten, aus denen man sich früher für 10 Pfennig so herrlich unnatürlich bunte Kaugummis herauslassen konnte, deren Geschmack sich beim ersten Kontakt mit dem Mund bereits komplett entlud und auf Nimmerwiderschmecken verschwand? Oder die, aus denen man sich lebensnotwendigen Schrott wie Plastikringe, Trillerpfeifen oder Miniautos ziehen konnte? Die Hersteller müssen doch ein Vermögen damit verdient haben! Wenn man mal nachrechnet wie viel das Spielzeug da drin maximal gekostet haben kann und wie viele Münzen allein schon ich jede Woche in meinem Stammautomaten um die Ecke versenkt habe, nur, weil der Ring, den ich unbedingt haben wollte, sich weigerte herauszuplumpsen. Heute würden die Mütter wahrscheinlich ihrem Kind sofort die Mundhöhle desinfizieren, wenn sie es mit einem solchen Automaten-Kaugummi zwischen den Bio-Gemüse-gestählten Zähnen erwischen würden – was da alles drin ist! Ein Wunder, dass wir es ohne schwere Schäden ins Erwachsenenalter geschafft haben! Gut, dass es jetzt nur noch Multi-Funktionskaugummis gibt, die die Zähne nicht nur weiß, sondern auch kariesfrei halten, die Mikrogranulate enthalten, die den Zahnstein wegrubbeln und auch gleich noch die Konzentration erhöhen.
Weil ich heute schon eine halbe Packung gekaut habe, aber keinen merklichen Konzentrations- oder Zahnweißglanz-Anstieg bemerken konnte, werd ich heute eine Nostalgiestunde einlegen, mir aus einem Blumentopf, einer runden Vase und ein paar bunten Karnevalskügelchen einen Kaugummiautomaten bauen, meinen Ring von damals an den Finger stecken und mich darüber freuen, dass ich noch Kaugummis gekaut habe, die mit den High-Tech-Dingern von heute nichts zu tun hatten. Danach gibt es dann ein paar PEZ-Brausebonbons aus meinem Bugs-Bunny-Spender. Gibt’s die eigentlich noch? Hach, schön wars!

Montag, 5. März 2012

Eine wackelige Angelegenheit

Als „Prinzessin unter den Fruchtaufstrichen“ bezeichnet die Zeitschrift Brigitte das Gelee als solches. Wahrscheinlich deshalb, weil es sehr sensibel reagiert, wenn es nicht genau so gemischt, gekocht oder behandelt wird, wie es sich das einbildet. Dann wird es eben nicht wabbelig-fest wie es sein soll, sondern schlabberig-flüssig. Das ist das letzte Mal beim Apfelgelee-Machen passiert. War trotzdem ein leckerer Brotaufstrich, aber man musste ziemlich schnell sein, um ihn vom Glas aufs Brötchen zu wuppen und die Backlöcher im Teig vorher mit Frisch- oder anderem Käse abdichten, damit das leckere Gelee nicht gleich wieder auf den Teller abhaute.
Eigentlich besteht Gelee – das aus dem Lateinischen übersetzt „zum Erstarren bringen“ heißt – aus überschaubar vielen Zutaten: Gelierzucker und Früchten. Verfeinern kann man es dann nach Lust und Laune. Hauptsächlich der Laune des Gelees. Das ändert nämlich, halbflüssig ins Glas gefüllt, in den nächsten Stunden und Minuten seine Konsistenz und auch den Geschmack mitunter noch dramatisch - ganz nach Stimmung. Genau wie meine selbst gebackenen Kekse vom letzten Weihnachtsfest, die frisch aus dem Ofen noch schön fluffig waren, sich nach einer halben Stunde auskühlen aber in etwas verwandelt hatten, das man super als flachen Kiesel über die Alsterwellen hätte spicken können, aber auf keinen Fall mehr ohne Plomben-Verlust essen.

Gelee, Marmelade und Konfitüre stehen im Supermarkt zwar meistens zusammen, haben aber eigentlich nichts gemeinsam. Während Konfitüre per Definition aus geschälten, entkernten und in Stücke geteilten oder zerdrückten Früchten jeglicher Art hergestellt werden darf, muss Marmelade aus Zitrusfrüchten bestehen (Erdbeermarmelade gibt es also gar nicht – das ist ja wie bei der Bielefeld-Verschwörung). Gelee dagegen ist ein gallertartig eingedickter Fruchtsaft oder eine Fruchtsaftmischung. Aha. Musste erstmal „gallert“ googeln: Das heißt „gefroren oder geronnen“. Gelee ist also etwas das mit einer Art Gerinnung zu etwas Erstarrtem wird. Klingt schwer nach Schüler-Chemiebaukasten. Und in Chemie war ich immer schlecht. Deshalb überlasse ich das Gelee machen meinem Freund. Der hat am Wochenende wieder ein paar Gläser perfekt gallertes Apfelerstarrtes gezaubert. Was Besseres gibt es nicht als Unterlage für Käse, Wurst und sogar Salatgurken. Deshalb gibt es das Rezept zum Nachexperimentieren untenstehend. Und noch ein Tipp: Wenn man das Gelee in Schraubgläser füllt, Letztere mit dem noch heißen Gelee randvoll macht und dann verschraubt kopfüber auf eine gerade Fläche stellt, entsteht ein Vakuum, dass die Leckerei innendrin haltbar macht.
Guten Appetit

Apfelgelee -so wird's gemacht:

900 ml Apfelsaft

4 Chillischoten,

15 Minuten kochen.

80ml Essig

250g Gelierzucker 2:1 Zugeben,

aufkochen und abfüllen.

Donnerstag, 1. März 2012

Schäumen will gelernt sein

Kaffee ist eigentlich überflüssig. Mir würde der Milchschaum genügen. Tut er genau genommen auch. Wenn ich weder total müde, noch in einem Café bin, zapfe ich mir am Kaffeevollautomaten im Büro meistens nur eine Tasse aufgeschäumte Milch und süße sie mit Honig. Fast wie früher als ich heiße Milch mit Honig zum Einschlafen bekommen habe. Statt süßer Träume bekam ich dadurch zwar mein erstes Loch im Zahn, aber eine schöne Erinnerung ist dieses Getränk trotzdem (zumindest schöner als die Erinnerung an den Zahnarztbohrer). Dabei ist Milchschaum schnöde, unromantische Wissenschaft: Während der unbedarfte Milchschaum-Abhängige davon ausgehen würde, dass die fluffige Konsistenz des Schaums dadurch entsteht, dass die Milch mit Luft durchmischt wird, würden es wahre Milchschaum- und Kaffeespezialitäten-Kenner niemals bei dieser schnöde-simplen Erklärung belassen. Den perfekten Milchschaum zu kreieren ist bei ihnen ein detailliert durchgetakteter Vorgang mit diversen zu kontrollierenden Parametern. Denn sie wissen: Für die Stabilität des Schaums ist der Eiweißgehalt der Milch maßgeblich. Da Protein ab 40 Grad Celsius gerinnt, entsteht bei zu hohen Temperaturen Baubeton-artiger Schaum. Je kälter die Milch ist, desto mehr Zeit hat man zum Schäumen. Die Schaumdüse wird vom Profi leicht mittig versetzt in den Milchbehälter gesteckt, geschmeidig an die Oberfläche gezogen, um Luft unterzuheben und in gesetzten Wirbelbewegungen wieder gen Boden gesenkt. „Rollen“ heißt das im Fachjargon. Voila, schon steht das perfekt durchgestylte, einfallsichere Schaumkonstrukt wie ein Wölkchen auf dem Berggipfel. Wer sich eher zu den Aufschäum-Grobmotorikern zählen muss, der ohne Üben, Üben, Üben nicht mal ansatzweise etwas Milchhauben-Ähnliches auf seinem Cappuccino zustande bekommt, dem sei folgender Rat mitgegeben, den ich unter der verheißungsvollen Überschrift „Der ultimative Supertipp“ auf www.kaffeewiki.de gefunden habe: „Zum Üben kann man statt Milch einfach kaltes Wasser in das Milchkännchen füllen, in das man einen Tropfen Spüli gibt. Das Spüliwasser ist in seinem Aufschäumverhalten der Milch täuschend ähnlich - und auch optisch, wenn man richtig geschäumt hat. Also Vorsicht, daß niemand das Zeug aus Versehen trinkt! „
Ahaaaa. Spüli statt Milchschaum. Das würde auch erklären, warum ich gestern den ganzen Abend Seifenblasen gemacht habe.

Sonntag, 26. Februar 2012

Die Gläser sind gefallen

„Mit Essen spielt man nicht“ – das lernt man, sobald man einen Löffel selber halten kann. Mit Trinken darf man anscheinend aber sehr wohl spielen. Anders lässt sich die Popularität von Trinkspielen nicht erklären. Kaum kennt man den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein (und welche Möglichkeiten der eröffnet), wird Flaschendrehen gespielt, um unvervänglich ein bisschen Knutschen zu üben. Weil nach ein paar Jahren aber fast alle ehemaligen Flaschendreh-Spieler in festen Beziehungen landen (nicht unbedingt mit dem Flaschendreh-Knutschpartner, aber das ist eine andere Geschichte), müssen irgendwann andere Getränke-affine Spiele her. Spontan-Besäufnisse klappen großartig mit Scharade: Reihum müssen die Mitspieler einen Begriff pantomimisch darstellen, die anderen müssen ihn erraten und die beiden, die neben der Leuchte sitzen, die die richtige Lösung findet, dürfen einen Kurzen trinken. Gehört man zu den Zeitgenossen, die stets gut vorbereitet und professionell ausgestattet sein wollen, bietet sich der Kauf eines Trink- und Fröhlichkeits-fördernden Gesellschaftsspiels an. So gibt es beispielsweise eine Version von „Mensch ärgere dich nicht“, in der die Spielfiguren aus gefüllten Schnapsgläsern bestehen, die ausgetrunken werden müssen, wenn man überrundet wird oder mit dem betreffenden Schnapsglas ins Ziel kommt. Großartig auch unsere neueste Entdeckung „Looping Louie“. Eigentlich ein Kinderspiel für den Nachwuchs ab vier Jahren, lässt sich das Plastikkarussell auch perfekt für Erwachsene bis vier Promille einsetzen. Es geht darum, drei auf Plastiktaler geklebte Hühner vor dem wild in seinem Flugzeug herumkreiselnden Louie zu retten, indem man Letzteren mit einer Plastikwippe in die Luft katapultiert sobald er sich dem eigenen „Hühnerstall“ nähert. Wer als Erster keine Hühner mehr auf der Stange hat, muss ein alkoholisches Getränk seiner Wahl auf Ex kippen. Wer vergisst, sein Federvieh wieder in den Plastikstall zu stecken, bevor sich alle Spieler an den Händen fassen und zum Spielstart euphorisiert „Looping Louie!“ rufen, ebenfalls. Mit dieser Ringelreih'-Bewegung kommt man der Ursprungsbedeutung des Wortes „spil“, also Tanzbewegung, wohl näher als mit den meisten anderen Gesellschaftsspielen, in denen man Würfel durch die Gegend kegelt. Und mehr noch: irgendwann schwankt die eine Hälfte der Spieler mehr oder weniger im Gleichtakt vor sich hin, während die andere extatisch herumhüpft und mit wilden,stammestanzähnlichen Hebelbewegungen versucht, das kreisende Flugzeug – von dem es je nach Pegel plötzlich zwei bis drei zu geben scheint – abzuwehren. Und am Ende bestätigt sich an solchen Abenden fast jedes Mal die Feststellung des Germanisten Karl Friedrich Wilhelm Wander: „Am Ende des Spiels wartet der Teufel.“ Im schlimmsten Fall in Form einer großen weißen Porzellanschüssel.

Montag, 20. Februar 2012

Brunch schön lecker

Frühstück ist die beste Mahlzeit des Tages – solange man sie gemütlich und ausgiebig am Wochenende zu sich nehmen kann. Unter der Woche bin ich kein großer Frühstücker. Ich finde, dafür braucht man Zeit, das ist nichts, was man zwischen Aufstehen und Ins-Büro-gehen in sich hineinstopfen sollte. Also reduziere ich wochentags die Morgenmahlzeit auf einen Happen am Schreibtisch und fröne dem üppigen Gelage am Wochenende. Dabei ist es für mich essentiell, dass möglichst viel auf dem Tisch steht. Fünf Marmeladen im Regal? Super, alle druff aufs Büfett. Je voller, desto besser – auch, wenn ich nicht mal die Hälfte von dem durchprobieren kann, was sich da tummelt. Es geht darum, dass man die Auswahl hätte, nicht, dass man sie ausreizt. Deshalb liebe ich es auch, am Wochenende mit Freunden zum Brunchen zu gehen. „Ausschlafen und dann zwei Mahlzeiten auf einmal einnehmen. Super!“ – wie eine Kollegin es ausdrückte.
Während es noch relativ einfach ist, das Wort „Brunch“ auseinanderzufieseln und dadurch auch gleich klar wird, welche Mahlzeiten hier zusammen gezogen wurden (engl. „Breakfast“ und „Lunch“, also Frühstück und Mittagessen), ist beim deutschen „Frühstück“ zumindest der Ursprung des zweiten Wortteils nicht ganz selbsterklärend. Deshalb sei hiermit Licht in die Morgendämmerung gebracht: Das „Stück“ bezeichnete im 15. Jahrhundert das Brot, das am Morgen verspeist wurde, bevor es aufs Feld ging. Und löste als hipper neudeutscher Slangausdruck das bisher übliche „Morgenbröt“ ab. Zu Recht: „Stück“ - da hört man die Brotrinde förmlich knuspern, während „Bröt“ nach etwas klingt, das man bei Ikea kauft.
Laut einer im kulinarischen Fachblatt „Bild“ veröffentlichten Studie, frühstücken 39 Prozent der Deutschen zuhause, 26 Prozent am Arbeitsplatz, zehn Prozent auf dem Weg ins Büro und – Kreisch – neun Prozent GAR NICHT. Glaubt man diversen Studien, ist Letzteres grob fahrlässig. Mindestens. Denn angelblich trägt das Frühstück zu einer besseren Gedächtnisleitung, höherer Konzentration und mehr Wohlbefinden bei. Außerdem soll der Kohldampf mittags nicht ganz so groß sein, wenn man morgens gut gegessen hat. Eine Behauptung, die ich nicht bestätigen kann. Bei mir geht immer was rein. Egal, ob es nach dem Aufstehen einen Apfel oder die halbe Käsetheke und die ganze Bäckerei gab. Und auch Ernährungsberater Sven-David Müller, den „Bild“ als Fachmann für Frühstücksfragen aus dem Küchenschrank zog, sieht es nicht so eng mit der Regelmäßigkeit: „Niemand MUSS frühstücken“, sagt er und fügt hinzu: „Viele Menschen sind ohnehin so wohlgenährt, dass sie lieber gar nicht frühstücken sollten.“ Und genau für diese Menschen wurde der Brunch erfunden. Schlau, oder?

Montag, 13. Februar 2012

Auf zur Jagd - die Brötchen sind reif

Am Wochenende gehe ich morgens immer Brötchen holen. Auch, wenn wir eigentlich keine bräuchten. ich mache das gerne, da ist man draußen in der Wildnis des Straßenverkehrs und besorgt für die Familie zuhause was zu Essen. Brötchen in die Tüte, daheim kommt das Opfer auf den Teller, wird erstochen, ausgenommen und mit etwas gefüllt, was der Daheimgebliebene, der den Tisch decken musste, im Kühlschrank zusammengesucht hat. Den Frühstückstisch decken ist Sammeln . Brötchen holen ist Jagen! Sammeln liegt mir nicht so. Das ging schon beim Aufklebersammeln in der Grundschule los. Da hatte man solche Hefte mit glatten Seiten, von denen man die Aufkleber immer wieder abziehen konnte. Was ich da alles hatte: Schmetterlinge, Pferde, Blumen … ganz hip waren die Aufkleber, die so eine pelzige Oberfläche hatten und die Regenbogenmäßig glänzenden, die aussahen, als hätte man sie einmal nach einem Tankerunglück durchs Meerwasser gezogen. In der großen Pause haben dann alle ihre Aufkleberhefte rausgezogen und man hat versucht seine hässlichen Billigsticker gegen coole einzutauschen. Im Prinzip so, wie heute mit den Staatsanleihen, nur hat man bei den Aufklebern ziemlich schnell gemerkt, was man sich da für einen Schrott ins Heft geholt hat. Losgeworden ist man so einen Billigsticker meistens nicht mehr, wenn man ihn mal hatte.
Na ja. Nach der Schule kam dann irgendwann facebook. Und da wurde das mit dem Sammeln noch seltsamer, finde ich. Ständig bekomme ich Mittelungen, dass irgendjemand Leute sucht, die einem beim Holz sammeln helfen sollen, um einen Zaun in ihrem Farmville-Imperium aufzustellen oder die einem eine Kuh für einen Bauernhof schenken wollen, den man weder hat noch möchte. Ganz schlimm sind die Umarmungssammler. Wenn ich nur lese „XY möchte mit dir eine Umarmung teilen“ oder „ein Herz schenken“ , kommt mir der Cappucino wieder hoch.
Den schärfsten Sammler-Post habe ich aber vor ein paar Tagen gekriegt: Da suchte eine Freundin, die ich bisher für einigermaßen zurechnungsfähig gehalten hatte Titanauspuffe, um sich ein virtuelle Titanlabor in irgendeiner facebook-Anwendung zu bauen. Hallo? Ein Titanlabor? Was zur Hölle soll ich mit einem virtuellen Labor aus Titanauspuffen? Mich reinstellen, alle einschalten und tief durchatmen? Nein, sammeln ist nichts für mich.
Außer vielleicht auf Beerenplantagen. Aber da geht man ja nicht in erster Linie hin, um wirklich Beeren zu sammeln, sondern, um sich den Bauch vollzuschlagen und dann mit einer winzigen Tupperschüssel voller Erdbeeren an die Kasse vorbeizuschleichen. Also doch eher unter dem Vorwand sammeln zu wollen. Wir hatten das als Jugendliche perfektioniert und sind früher grundsätzlich mit einem Piccolo und einer Dose Sprühsahne auf die Erdbeerplantage. Wenn schon Obst klauen, dann mit Stil.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Gnocchi selbst gemacht, die 2.

Ich habe die Gnocchi überlistet. Vielleicht erinnern sich ein paar treue Leser, dass meinen Freund und mich Ende letzten Jahres die Kartoffelgnocchi hinterhältig getäuscht haben und auf der Zielgeraden bzw. kurz vor dem Teller zu Matsch zerfallen sind.
Heute habe ich meine Revanche genommen. Und zwar mit einem Rezept, dass nicht nur super-simpel, sondern auch super-schnell und mindestens ebenso lecker ist. Gefunden habe ich es auf www.kuechengoetter.de.
Man mixt einfach 250 Gramm Ricotta, 2 Teelöffel Meersalz und 30 Gramm frisch geriebenen Parmesan zu einer Paste, hebt dann das Mehl unter und knetet es zu einem feuchten Teig (er muss kleben, dann werden die Klößchen schön fluffig). Mehl auf Tischplatte und Händen großflächig verteilen und aus dem Teig eine fingerdicke Wurst rollen, die dann in kleine Stückchen geschnitten und behutsam in siedendes (nicht mehr kochendes) Wasser gelassen werden. Einmal vorsichtig umrühren, damit nichts festklebt und warten bist die Gnocchi an die Oberfläche steigen. Ist in 15 Minuten fertig und gelingt sogar Teig-Trotteln wie mir. Aus dem Wasser heben und in Soße, Pesto oder Öl ertränken. Wer braucht schon Kartoffeln?

Samstag, 4. Februar 2012

War das fettig - bring mal einen Schnaps!

Ich habe eine interessante Entdeckung gemacht: Schnaps ist eine Spirituose (das ist noch nicht das Interessante, sondern nur die Hinleitung dazu, denn:)Spirituosen sind alkoholische Flüssigkeiten, die – Achtung: Zum Menschlichen Genuss bestimmt sind und organoleptische Eigenschaften haben. Für alle, die ihre Gehirnzellen für Fachvokabular schon versoffen haben: Organoleptisch heißt soviel wie „Sinne und Organe berührend“. Wenn es gut läuft, berührt Schnaps das Gute-Laune-Töpfchen, das fröhlich übersprudelt, seinen Besitzer beste Stimmung verbreiten lässt und den Abend so richtig in Schwung bringt. Wenn es schlecht läuft, berührt er die Magenschleimhaut und das Essen, das er eigentlich hätte verdauen helfen sollen, kommt postwendend retour.
Früher bezeichnete man derartige Sinnlichkeits-Bomben als Branntwein. Genaugenommen ist nämlich auch "Spirituose" ein Fremdwort, das lateinische für „Geist“. Weil man aber auch noch strudelstramm einen Kurzen bestellen können will, hat sich der einfacher auszusprechende Begriff „Schnaps“ eingebürgert. Der kommt von „schnappen“, also schnell runterkippen. Leicht zu merken – und zur Not auch pantomimisch darzustellen.
Entweder wird Schnaps hergestellt, indem man Früchte und Beeren in Alkohol einlegt oder zuckerhaltige Lösungen, Maische oder Getreide vergären lässt. Anschließend wird die Pansche mindestens einmal destilliert und mit Wasser auf Trinkbarkeit runter verdünnt. Ob das, was dabei rauskommt, Geist, Brand oder Wasser heißt (Ersteres und Letzteres natürlich nur im übertragenen Sinn, hängt von der Entstehung der jeweiligen Flüssigkeit ab. Brände und Wässer werden aus Fruchtmaischen hergestellt, beim Geist umspült geschmacksneutraler hochprozentiger Alkohol zerkleinerte Früchte so lange bis Schnaps draus wird.
Dass Schnaps und andere Spirituosen viel teurer sind als beispielsweise Bier, liegt daran, dass in Deutschland auf sie sowohl eine Branntweinsteuer als auch die reguläre Umsatzsteuer erhoben wird. Rund 2 Milliarden Euro bekommt der Bund pro Jahr für die klaren Rauschbescherer! Da braucht man doch erstmal einen Schnaps, um das zu verdauen.
Apropos verdauen: Schnaps ist nicht nur wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung (die Wissenschaftler ohnehin widerlegt haben wollen) ein unglaublich effizienter Alkohol. Er fängt auch schon bei der Mundschleimhaut an in den Körper zu krabbeln, während Bier erst über die Magenschleimhaut aufgenommen wird. Kein Wunder, dass auf wiktionary.org unter dem Stichwort „Schnaps“ einer der Beispielsätze lautet: „Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort.“
Deutlich wundersamer finde ich, dass Schnaps durch die volle Bandbreite dekliniert werden kann. Wann braucht man denn schon den Genitiv „des Schnapses“? Akkusativ und Nominativ würden völlig ausreichen für vorher: „Noch einen Schnaps!“ und nachher: „Der letzte Schnaps muss schlecht gewesen sein.“
Übrigens, und damit soll der alkoholichen Weisheiten für heute genug sein: Der Begriff „Schnapsdrossel“ hat nichts mit einem besoffenen Vogel zu tun. Drossel war früher ein Synonym für Kehle. Daher auch das Wort „erdrosseln“ für „jemanden erwürgen.“ Da die meisten nach ein paar Gläschen Schnaps aber schon froh sind, wenn sie noch aufrecht stehen können, ist es recht unwahrscheinlich, dass sie jemanden erwürgen. Ist ohnehin viel lustiger, wenn alle untot wieder nach Hause kommen nach einem feucht-fröhlichen Abend - und sich erst am nächsten Morgen wünschen tot zu sein. Prost!

Freitag, 27. Januar 2012

Zum Rumgugeln

Ich habe ein neues Hobby: Mini-Guglhupf essen. Eine Freundin bringt sie neuerdings immer mal wieder als Nachtisch mit. Sensationelle drei Sorten: Schokoteig mit Pekannuss und dunkler Schokoladen-Kuvertüre, Kokos-Limette mit weißem Schokobezug und Schokoladenteig mit hellem Überzug. Weil ich mich nicht entscheiden kann, welche Sorte am besten ist, muss ich jedes Mal so lange der Reihe nach durchprobieren, bis entweder kein Guglupf mehr da oder mit schlecht ist. Wir haben die kleinen Leckerbissen Hupfl getauft, weil wir für unseren ersten Einfall „Google-Hoopf“ wahrscheinlich von der gleichnamigen Suchmaschine bzw. deren Betreibern verklagt worden wären.
Mit Suchen hat der Kuchenhügel übrigens tatsächlich im entferntesten Sinne zu tun, denn Gugel(e) nannte man früher eine Kapuze, unter der man sich damals gerne versteckte und dann – Achtung, jetzt kommt der Gag – gesucht werden musste. Buahahahahaaa! Ein Knaller, oder? Nicht? Ok, weiter in der Geschichte des Guglhupfs.

Hopf bedeutet Hefe, also ist der Guglhupf nichts anderes als eine Rosinen-gespickte Hefemütze. In der Biedermeierzeit war dieser Kuchen ein Statussymbol. Heute muss man sich schon etwas mehr einfallen lassen, um in den Golfclub aufgenommen zu werden. Ins Elsässer Guglhupf-Museum wird man aber sicher mit Kusshand eingelassen, wenn man solch ein feines Backwerk mitbringt. Obwohl – die haben da wahrscheinlich selbst genug davon rumstehen. Umso besser: bleibt mehr zum Selberessen. Guten Appetit!

Freitag, 20. Januar 2012

Gin, Gin

Aus Holland kommen nicht nur Käse, Tulpen und Fernsehmoderatoren. Auch der Vorfahre des Gin, ein Wacholderschnaps namens Genever stammt aus dem Land der Windmühlen. Obwohl die Niederlande lediglich das Wirkungs-, nicht der Heimatland von Franz de le Boë, eines Arztes, Begründer der klinischen Chemie und Godfahter of Gin sind. Er war eigentlich Deutscher, pendelte aber schon während seiner Studienzeit zwischen Deutsch- und Holland hin und her. Mit Vorliebe beschäftigte er sich mit Verdauungsvorgängen und Körperflüssigkeiten. Kein Wunder, dass dabei etwas herauskam, das mit Alkohol zu tun hatte. Das war Mitte des 17. Jahrhunderts. Als hätten sie gewusst, dass es was Neues zum Birne wegschießen gibt, marschierten kurz darauf die Briten in Holland ein – angeblich, weil sie die Niederländer im Krieg um die Unabhängigkeit von der spanischen Krone unterstützen wollten. Als sie dann schon einmal im Land waren, konnten sie auch gleich den lecker Wacholderschnaps von Doc de le Boë mit nach Hause nehmen. Als kleines Dankeschön für die Hammer-Unterstützung sozusagen. Bald fingen sie an die klare Spirituose selbst zu brennen. Weil die Briten an der Destille deutlich mehr Geschmack haben als am Herd, brannten sie das Gesöff dreifach, mal mit viel, mal mit sehr viel Wumms, bis Ende des 18. Jahrhunderts der Gin Act erlassen wurde. Ein eigenes Gesetz nur für diesen Alkohol, der die Qualität und Herstellung genau festlegte und den Wacholderschnaps damit als Getränk der Upper Class etablierte. Brannte das Unternehmen Gordon Co. noch einen recht rauen Gin, ließen die Destillerien in Finsbury ihn gleich vier Mal in Kupferkesseln verdunsten, was ihm einen runden, trockener Geschmack verlieh. Den des typischen London Dry Gin, zu dessen bekanntesten Vertretern der Tanqueray gehört. Den brennen die Briten erst liebevoll mit frischen Kräutern und Früchten in kleinen Kesselchen, um den Edelstoff dann in eine Flasche zu kippen, deren Form der der englischen Hydranten nachempfunden ist. Hydranten? Gibt es in Großbritannien nicht genug Formen, die nachempfindenswerter sind als Hundeklos, an die die Feuerwehr ab und an ihren Schlauch stöpselt? Big Ben, die Bärenfellmützen oder Prinz Charles‘ Ohren zum Beispiel. Na ja, Hauptsache, der Inhalt schmeckt. Wonach er schmeckt, hängt – wie bei so ziemlich allem – davon ab, was drin ist. Beim Gin sind das, neben Getreide oder Melasse und jeder Menge Volumen-Prozent, vornehmlich Koriander und Wacholderbeeren, auf Lateinisch: Juniperus oder Englisch: juniper berries. Von da war’s dann nur noch einmal Verlallen bis das Zeug Gin hieß.
Manche Hersteller kippen in ihren Brand auch Ingwer (z.B. Gordon’s), Muskat oder Orangenschalen. Die Franzosen mussten wieder mal einen auf Gourmet machen und schnipselten Safran in ihren Gin, wodurch der natürlich goldfarben wurde und ein ganz besonderes Aroma bekam. Angeber.
Ob Safran oder Wacholder: Die Alkoholdämpfe dürfen bei der Herstellung des Gin schön gemütlich über das Obst und Gemüse wabern und sich damit volldröhnen (womit sich der Kreis zu Holland schließt). Manchmal werden die Gewürze aber auch politisch korrekt in die Maische gekippt und mit ihr zusammen destilliert. Manchmal auch beides.
Dem Gin ist sogar ein Gemälde gewidmet, „Gin Lane“ von William Hogarth aus dem Jahr 1750. Es ist das Schwestergemälde von „Beer Street“ und stellt die Exzesse mit diesem Klarbrand und das durch Ginkonsum verursachte ungebührliche Verhalten dar. Gut, dass wir das heutzutage im Griff haben. Oder?